19. März 2022 / 17:26 Uhr

Drei Tore nach Standards: Hertha gelingt Befreiungsschlag bei Magath-Debüt

Drei Tore nach Standards: Hertha gelingt Befreiungsschlag bei Magath-Debüt

Ronald Tenbusch
Märkische Allgemeine Zeitung
Berlin, 19.03.2022, Fussball, Bundesliga, 27. Spieltag, Hertha BSC - TSG Hoffenheim, Olympiastadion. Berlins Niklas Stark jubelt nach seinem Treffer zum 1:0 mit Teamkollege Dedryck Boyata l. DFL regulations and DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video, Foto: Andreas Gora Hertha BSC - TSG Hoffenheim *** Berlin, 19 03 2022, Football, Bundesliga, 27 Matchday, Hertha BSC TSG Hoffenheim, Olympiastadion Berlins Niklas Stark cheers with teammate Dedryck Boyata after scoring the 1 0 l DFL regulations and DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video, Foto Andreas Gora Hertha BSC TSG Hoffenheim
Jubel nach dem Berliner 1:0: Dedryck Boyata (l.) und Torschütze Niklas Stark. © IMAGO/Andreas Gora
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Hertha BSC kann noch gewinnen. Gegen Hoffenheim zeigen sich die Berliner defensiv kompakt und offensiv effizient. Es ist das perfekte Debüt für das Trainergespann Magath/Fotheringham auf der Mission Klassenerhalt.

Dieses Gefühl kannten viele Herthaner schon gar nicht mehr: Erstmals seit dem 18. Dezember 2021 kann der Berliner Fußball-Bundesligist wieder einen Pflichtspielsieg bejubeln. Das 3:0 (1:0) gegen die TSG Hoffenheim wurde zum gelungenen Start der schwierigen Rettungsmission von Interimstrainer Felix Magath, der den Sieg seiner neuen Mannschaft coronabedingt aus der Quarantäne im Hotelzimmer verfolgen musste. Besonders auffällig: Allen drei blau-weißen Treffern gingen Standardsituationen voraus.

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Dabei gab es für Magath-Vertreter Mark Fotheringham kurz vor dem Anpfiff noch eine Negativmeldung: kurzfristig musste er auf Vladimir Darida verzichten, der ebenfalls positiv auf Corona getestet wurde. Schon vor der Partie hatte Hertha bestätigt, dass Magath und sein Co-Trainer vor und während der Partie im ständigen Austausch stehen würden. Gemeinsam entschieden sich beide für eine eher defensive Aufstellung, bei der Suat Serdar, Marco Richter, Dedryck Boyata und Torwart Alexander Schwolow zurück in die Startelf rückten.

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Ausgerechnet Champions-League-Aspirant Hoffenheim begann nervös. Immer wieder waren es in der Anfangsphase Abspielfehler der TSG, die Hertha zu Gelegenheiten verhalfen. Einen Jacob Bruun-Larsen-Fehlpass antizipierte Marco Richter vor dem Strafraum und lief, nur noch einen Verteidiger vor sich, auf den TSG-Kasten zu. Er entschied sich aber früh für den Abschluss und verzog um einem Meter am rechten Pfosten (8.). Hertha stand im Mittelfeld dicht gestaffelt, um nach Ballgewinnen schnell umzuschalten. In der 18. Minute kam Ishak Belfodil nach einem solchen Ballgewinn und einer Kombination mit Suat Serdar zum nächsten gefährlichen Herthaner Abschluss.

TSG-Trainer Sebastian Hoeneß, der selbst zehn Jahre für Hertha BSC spielte, war an der Seitenlinie nicht mit dem Auftritt seiner in den letzten Wochen so überzeugenden Elf zufrieden. Magath-Vertreter Fotheringham hatte in den ersten 25 Minuten hingegen immer wieder Grund, seiner Mannschaft zu applaudieren. Genau in diese Stimmung hinein hätte es für die Berliner aber fast die kalte Dusche gegeben. Denn plötzlich stand Bruun Larsen nach feinem Zuspiel von Kevin Akpoguma ganz allein vor Schwolow, setzte den Ball aber aus 13 Metern über das Tor. Hoffenheim wurde nun dominanter. Hertha kam seltener zu einfachen Ballgewinnen und damit zu weniger gefährlichen Offensivaktionen.

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Stark trifft, aber VAR lässt Hertha zittern

Wenn es spielerisch nicht funktioniert, können ruhende Bälle ein Mittel sein. In der jüngeren Vergangenheit eigentlich keine Berliner Spezialität. Doch in der 39. Minute sollt es nach einem Freistoß durch Marvin Plattenhardt im TSG-Kasten klingeln. Seine Flanke fand im Strafraum Niklas Stark, der zum 1:0 einköpfte. Ein Befreiungsschlag für die angezählte Berliner Mannschaft und die 25 000 Fans im Berliner Olympiastadion, die von Schiedsrichter Daniel Schlager jedoch wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung unterbrochen wurde. Es dauerte zwei Minuten, in denen der VAR kontrollierte, dann war klar: Bei Torschütze Stark war alles regelkonform und die Hertha-Führung stand. Diese hätte zur Pause sogar noch etwas höher ausfallen können, doch Richter verzog mit einem Rechtsschuss von der Strafraumkante erneut knapp (45.).

Nach Wiederbeginn war es zuerst die TSG, die gefährlich wurde. David Raum trennte bei seinem direkten Freistoß aus gut 25 Metern nicht viel vom Ausgleich (49.). Die Hauptstädter blieben aber auch zu Beginn des zweiten Durchgangs energisch in den Zweikämpfen und machten es der TSG so schwer, Räume in der Berliner Hälfte zu finden. Nach einer Stunde wirkte Hoffenheim ziemlich ratlos, wie sie die gut gestaffelten Hertha-Reihen knacken sollten. Und die Berliner? Die konnten aus dieser kompakten Position Nadelstiche setzen.

Hertha legt nach ruhenden Bällen doppelt nach

Richter wurde in der 61. Minute noch zu unrecht wegen Abseits eine gute Kontersituation genommen. Zwei Minuten später war der Ball aber erneut im Hoffenheimer Tor - und wieder ging eine Standardsituation voraus. Plattenhardts Freistoß-Flanke legte Marc Oliver Kempf per Kopf auf Belfodil quer. Vier Meter vor dem Tor musste der algerische Angreifer den Ball nur noch über die Linie drücken und machte das.

Und damit nicht genug. In der 74. Minute legte sich Plattenhardt erneut den Ball zum Freistoß bereit. Seine Flanke landete diesmal auf dem Kopf von Boyata, der auf Lucas Tousart quer legte. Bedrängt von David Raum drückten der Franzose und der Hoffenheim gemeinsam die Kugel in Richtung TSG-Tor. Vom Innenpfosten sprang diese letztlich über die Linie und 25-Millionen-Mann Tousart durfte seinen zweiten Bundesliga-Treffer im Hertha-Trikot feiern. Danach war der große Jubel angesagt. Die Berliner Fans sangen wie schon im letzten Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt (1:4) "Oh, wie ist das schön" - diesmal aber war es auch ernst gemeint. Hoffenheim hatte keine Antwort mehr parat und Hertha nun immerhin 26 Punkte auf dem Konto. Die ersten drei unter Neu-Coach Magath.

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