18. August 2017 / 19:09 Uhr

Hertha-BSC-Urgestein Fabian Lustenberger: "Marco Pantelic ist ein Phänomen"

Hertha-BSC-Urgestein Fabian Lustenberger: "Marco Pantelic ist ein Phänomen"

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Fabian Lustenberger spielt seit 2007 bei Hertha BSC.
Fabian Lustenberger spielt seit 2007 bei Hertha BSC. © dpa
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Der Schweizer ist der dienstälteste Spieler des Fußball-Bundesligisten aus Berlin und spricht im Interview über die Randale in Rostock, seine besten Mitspieler und seine Hochzeit in Potsdam.

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Haben Sie schon geschaut, wer auf der Liste der treusten Bundesligaspieler noch vor Ihnen steht?

Fabian Lustenberger: Nein, ich habe aber kürzlich erfahren, dass ich Achter bin. Es ist schön, ich bin froh darum. Aber ich vergleiche mich nicht mit anderen.

Wissen Sie, wer Erster ist?

Wer könnte erster sein? Ich komme nicht drauf.

Bildergalerie: Die treuesten Spieler der Bundesliga

Das sind die 20 treuesten Spieler der Bundesliga

20. Manuel Neuer(Bayern München, im Verein seit 01.07.2011): Aus der Knappenschmiede wechselte der Torhüter 2011 nach München. Dort wurde er zu einem der weltbesten Torhüter und ist mittlerweile auch einer der treuesten Spieler im Kader. Zur Galerie
20. Manuel Neuer(Bayern München, im Verein seit 01.07.2011): Aus der Knappenschmiede wechselte der Torhüter 2011 nach München. Dort wurde er zu einem der weltbesten Torhüter und ist mittlerweile auch einer der treuesten Spieler im Kader. © dpa
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15 Jahre – das wären weitere fünf Jahre bei der Hertha. Ein Ziel?

So etwas kann man im Fußball nicht planen. Es ist auf jeden Fall eine Möglichkeit, aber als Ziel würde ich das nicht formulieren. Ich bin auch nicht 2007 hierher gekommen und habe gesagt: Zehn Jahren bleibe ich hier und dann gucke ich weiter, sondern es hat sich so ergeben. Und so wird es sich in den nächsten Jahren genauso ergeben, je nachdem, in welche Richtung es geht.

Dann haben sie 2007 nicht erwartet, so lange bei Hertha zu bleiben?

Definitiv nicht, man denkt nicht soweit. Soweit zu denken war damals schon schwierig und ist es heute noch mehr.

Sie hatten also keinen Karriereplan a la: Ich bleibe drei Jahre bei der Hertha, um mich zu etablieren und dann geht es zu einem größeren Klub?

Eine Karriereplanung steckt schon dahinter. Aber für mich war die Karriereplanung irgendwann so, dass es immer am sinnvollsten war zu bleiben und meinen Vertrag zu verlängern. Deshalb ist das für mich die perfekte Karriereplanung. Andere brauchen dann eben einen Wechsel, machen den nächsten Schritt. Ich hätte ihn vielleicht machen können, vielleicht auch nicht. Ich habe mich nie so extrem damit beschäftigt. Deshalb bin ich sehr, sehr zufrieden mit meiner Karriere.

Wie viele Angebote haben Sie ausgeschlagen?

Kein einziges offizielles Angebot. Ich habe nicht einmal mit einem anderen Verein in den zehn Jahren gesprochen. Vielleicht hat mein Berater mir auch Sachen nicht erzählt, weil er wusste, wie zufrieden ich in Berlin bin. Aber ich habe auch immer gesagt, dass Hertha mein erster Ansprechpartner ist. Die Zeitpunkte waren einfach immer gut, um zu verlängern, das hat immer gepasst. Die ganzen Rahmenbedingungen passen auch, so wie die Stadt.

Lustenbergers zehn Hertha-Jahre in Bildern

Seit 2007 bei Hertha: Fabian Lustenberger ist der dienstälteste BSC-Profi. Bilder seiner Karriere:

Manager Dieter Hoeneß holte Fabian Lustenberger im Sommer 2007 vom FC Luzern nach Berlin. Am Ende seiner Hertha-Premierensaison kommt Lusti auf 24 Bundesliga-Einsätze. Zur Galerie
Manager Dieter Hoeneß holte Fabian Lustenberger im Sommer 2007 vom FC Luzern nach Berlin. Am Ende seiner Hertha-Premierensaison kommt "Lusti" auf 24 Bundesliga-Einsätze. © dpa

Ihre zwei Kinder sind in Berlin geboren, ihre Frau Monique, die aus Templin (Uckermark) stammt, haben Sie 2013 in Potsdam auf dem Pfingstberg geheiratet und am Schwielowsee gefeiert. Haben Sie eine besondere Beziehung zu Brandenburg?

Dass wir in Potsdam geheiratet haben, hatte weniger mit Brandenburg als vielmehr mit der Location zu tun. Das war ein einmaliges Erlebnis, an das man sehr gerne zurückdenkt. Wir machen häufiger Familienbesuche in Brandenburg. Berlin ist aber schon der Lebensmittelpunkt.

Steht der Plan noch, nach der Karriere in die Schweiz zurückzukehren?

Wollen und dann passieren, das sind immer zwei paar Schuhe. Es ist erstmal der Plan. Aber wenn es die Möglichkeit gibt, auch nach meiner Karriere bei Hertha zu bleiben, bin ich der letzte, der das komplett ausschließt.

​"Man nimmt von jedem Trainer etwas mit, von einem mehr, vom anderen weniger."

Ist das Karriereende mit 29 Jahren noch weit weg?

Man macht sich schon so seine Gedanken. Man hofft aber auch noch, dass es noch drei, vier, vielleicht auch fünf Jahre geht. Deswegen ist es schon noch ein bisschen nach hinten geschoben. Ich habe immer gesagt, ich will als Jugendtrainer anfangen. Ich denke schon, dass ich dem Fußball in irgendeiner Art und Weise erhalten bleibe. Das muss ich mir aber noch genauer durch den Kopf gehen lassen.

Ist die heutige Mannschaft die beste, in der Sie je gespielt haben?

Nur bezogen auf die Namen her war die Mannschaft, in die ich 2007 kam, noch einen Ticken besser. Da hat Pantelic gespielt, da kam Voronin, ein Simunic hat gespielt, Friedrich, Gilberto, unser heutiger Trainer hat noch Fußball gespielt, Mineiro als brasilianischer Nationalspieler. Rein von den Einzelspielern waren da einfach sehr große Namen dabei. Aber der Fußball hat sich einfach verändert. Die Jungen sind noch früher noch besser und noch weiter oben. Es ist auch, meiner Meinung nach, nicht möglich, Mannschaften von vor zehn Jahren miteinander zu vergleichen. Wir haben jetzt eine sehr, sehr gute Mannschaft: von den Einzelspielern, aber auch von der Mannschaft im Ganzen.

Zehn Entweder-Oder-Fragen an Fabian Lustenberger

Fabian Lustenberger von Hertha BSC beantwortet 10 Entweder-Oder-Fragen

Gibt es einen Mitspieler, der dir in den zehn Jahren besonders imponiert hat?

Eindeutig Marco Pantelic. Der hat einfach geknipst, egal unter welchen Umständen. Der hat die ganze Woche trainiert und am Wochenende hat er getroffen. Dann hatte er eine Blessur und nicht trainiert und am Wochenende hat er gespielt und trotzdem getroffen. Das war ein Phänomen, das einfach Tore gemacht hat. Den habe ich vielleicht auch deshalb im Hinterkopf, weil er auch ein bisschen ein extrovertierter Typ war. Jetzt sieht er ja ein wenig anders aus mit seinen kurzen Haaren. Ich habe ihn nach langer Zeit vor dem Spiel gegen Liverpool gesehen, da haben wir kurz gequatscht, er ist einfach ein super Typ.

Lucien Favre hat sie 2007 nach Berlin geholt. Ist er ein Trainer, der sie in den zehn Jahren besonders geprägt hat?

Ich glaube schon, dass er in dem Sinne die prägendste Figur war, dass er mir eben die Chance gegeben hat. Er macht, egal wo er arbeitet, jeden Spieler und jede Mannschaft besser. Das sieht man ja an Gladbach und an Nizza, wo er sehr erfolgreich gearbeitet hat. Das ist schon etwas Spezielles und deshalb habe ich und auch die ganze Mannschaft damals sehr von ihm profitiert. Auch unter Jos Luhukay, der mich zum Innenverteidiger umgeschult hat, war es sehr speziell. Man nimmt von jedem Trainer etwas mit, von einem mehr, vom anderen weniger.

Welches war Ihre beste Saison?

Das war die zweite Aufstiegssaison, als ich als Innenverteidiger neu „entdeckt“ wurde. Das war, glaube ich, meine beste und konstanteste Saison, weil ich bis auf ein Spiel komplett auf gutem Niveau durchgespielt habe.

In zehn Jahren hatten Sie sicherlich viele Zimmerkollegen...

...nein, gar nicht so viele (lacht).

Wie viele?

Drei. Drei Jahre mit Steve von Bergen, vier mit Sascha Burchert und jetzt inzwischen drei mit Valentin Stocker.

Was würden die drei über Sie sagen?

Dass ich, glaube ich, ein grundsätzlich angenehmer Zeitgenosse bin, behaupte ich jetzt einfach mal. Ich hatte immer sehr viel Glück mit meinen Zimmerpartnern und bin da sehr zufrieden mit allen dreien. Ich hatte mit allen dreien den gleichen Rhythmus, vom Schlafen, vom Aufstehen her.

Sind Sie dann der Früh- oder Spätaufsteher im Zimmer?

Mittlerweile der Frühaufsteher, mit zwei Kindern hat man so einen Rhythmus drin. Ich kann aber auch mal bis um 9 Uhr schlafen.

​"Lasogga hat eine kleine Show abgeliefert."

Hat sich in den zehn Jahren von den Neuzugängen bei den Einführungsritualen besonders hervorgetan?

Wir haben kein richtiges Ritual. Pierre-Michel Lasogga hat sich damals hervorgetan, weil er eine kleine Show abgeliefert hat in einer Karaokebar. Er hat irgendein Lied aus dem Ruhrpott gesungen. Das hat er sehr, sehr gut gemacht. Aber besonders gut gesungen hat keiner in den zehn Jahren. Also nicht so, dass einer davon bei „Deutschland sucht den Superstar“ mitmachen könnte. In Hoffenheim hat kürzlich ein Neuzugang ziemlich gut gesungen, habe ich gesehen (Corey Lee Anton sang „All of me“ von John Legend, Anm. d. Red.). Es gibt offenbar Fußballer, die singen können, ich kenne allerdings nicht so viele.

Sie zählen sich also nicht dazu?

Ich würde zwar gerne, aber meine Frau sagt immer, ich kann nicht singen. (lacht)

Wie zufrieden mit der Vorbereitung?

Sehr. Sechs Wochen sind eine lange Zeit. Fit zu werden, das ist das Ziel der Vorbereitung, nicht jedes Vorbereitungsspiel 10:0 zu gewinnen. Wir haben gegen Rostock gezeigt, dass wir fit sind. Das Fitnesstrainingslager in Bad Saarow ist schon eine harte Zeit. Da gibt es nur Trainieren, Essen, Schlafen – mehr kann man nicht machen. Es ist eine notwendige Sache, aber eine anstrengende.

Zum ersten Heimspiel kommt Stuttgart, die sich im DFB-Pokal erst im Elfmeterschießen gegen Energie Cottbus durchgesetzt haben. Was erwarten Sie für einen Gegner?

Man kann keinen Schluss aus dem Pokalspiel ziehen. Wenn wir nicht spät die zwei Tore schießen, gehen wir auch in die Verlängerung. Wir konzentrieren uns eher auf das Stuttgart vom letzten Jahr als auf das vom Pokalspiel.

"Das ist schade, dass der Fußball dadurch dann so in den Hintergrund rückt."

Im Pokal saßen Sie auf der Bank, eine unbefriedigende Situation?

Komischerweise saß ich im letzten Jahr auch im ersten Pokalspiel auf der Bank und habe in der Hinrunde dann fast durchgespielt. Momentan stehe ich vielleicht hintendran und nicht in der Startelf. Aber ich weiß genau, dass ich fit bin, habe nicht eine einzige Einheit verpasst in der Vorbereitung und stehe zur Verfügung. Der Trainer weiß, dass er sich auf mich verlassen kann. Wenn ich die Chance auf einen Einsatz kriege, werde ich da sein – wenn das gegen Stuttgart ist, umso besser.

Sehen Sie sich gut gewappnet für die Dreifachbelastung aus Bundesliga, Pokal und Europa League?

Es sind zehn englische Wochen bis zum Winter, ich denke schon, dass wir gewappnet sind. Das Trainerteam muss und wird da einen guten Weg des Rotierens finden.

Wie haben Sie die Vorkommnisse in Rostock erlebt?

Bei der zweiten Unterbrechung war ich direkt beim Einlaufen vor der Kurve zwischen Hertha- und Hansa-Fans. Als dann die ersten Böller flogen und die Hansa-Anhänger Richtung Hertha-Block gingen, haben wir das Einlaufen abgebrochen und sind zur Bank zurück. Es sind unschöne Szenen, die niemand im Stadion sehen will. Schmähgesänge und Provokationen gehören sicher dazu, das ist seit gefühlt 100 Jahren so. Aber wenn es gegen die Gesundheit geht, dann geht es zu weit. Wenn dann vielleicht noch eventuell Kinder im Fanblock sind, ist es für mich als Familienvater noch unverständlicher, dass man da Sachen hinschießt. Man kann nur hoffen, dass es besser wird. Dass wir das Spiel durch späte Tore souverän gewonnen haben, interessiert kein Schwein. Es interessiert nur: Wie hoch ist die Strafe für Hertha, wie hoch für Rostock? Man liest nur „Pyro-Skandal“. Dass wir überzeugend gewonnen haben und der Gegner keinen Torschuss, das interessiert keinen mehr. Das ist schade, dass der Fußball dadurch dann so in den Hintergrund rückt.

Schreckliche Bilder: Pyro von Hertha- und Rostock-Fans

Schlimme Szenen im DFB-Pokal zwischen Hansa Rostock und Hertha BSC. Das Spiel musste mehrmals wegen des Zündens von Pyrotechnik unterbrochen werden. Zur Galerie
Schlimme Szenen im DFB-Pokal zwischen Hansa Rostock und Hertha BSC. Das Spiel musste mehrmals wegen des Zündens von Pyrotechnik unterbrochen werden. ©

Haben Sie das in den 10 Jahren schon einmal so erlebt?

Das Relegationsspiel in Düsseldorf. Das war noch einmal ein anderes Extrem mit dem Platzsturm.

Haben Sie eine Idee, wie man dem Problem begegnen kann?

Unser Trainer hat gesagt, die Spieler sollen sich nicht mit den Ausschreitungen beschäftigen, sondern mit dem Fußball. Ich glaube, daran tun wir gut. Der Trainer von Rostock hat das gut gesagt: Wir können nur Vorbilder sein mit Fairness.

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