24. April 2022 / 20:59 Uhr

Nach Sieg im Abstiegskracher: Darum verzichteten Herthas Spieler auf Feierlichkeiten in der Fankurve

Nach Sieg im Abstiegskracher: Darum verzichteten Herthas Spieler auf Feierlichkeiten in der Fankurve

Ronald Tenbusch
Märkische Allgemeine Zeitung
Nach dem wichtigen Heimsieg gegen den VfB Stuttgart feierte Hertha BSC im Mittelkreis und der Kabine - aber absichtlich nicht vor der Fankurve.
Herthas Spieler feierten den wichtigen Sieg gegen Stuttgart zusammen, nicht aber mit den Fans in der Ostkurve. © IMAGO/Nordphoto/Getty/Montage
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Hertha BSC hat gegen den VfB Stuttgart einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt gemacht. So gut die Stimmung während der Partie war, so sehr kühlte sie nach Abpfiff ab. Wieso es keinen gemeinsamen Jubel mit den Fans gab, erklärten anschließend Spieler und Trainer.

Es kam einem Befreiungsschlag gleich. Der 2:0-Sieg von Hertha BSC gegen den VfB Stuttgart durch die Tore von Davie Selke und Ishak Belfodil lässt die Berliner im Abstiegskampf der Bundesliga wieder ganz viel Frischluft schnuppern. Drei Spiele vor Saisonende steht Hertha nach dem zweiten Sieg in Serie nun bereits vier Punkte vor dem VfB, der aktuell den Relegationsplatz belegt. Nach dem Treffer von Belfodil in der dritten Minute der Nachspielzeit brach es aus den Berliner Fans und den Spielern komplett heraus. Das Olympiastadion, das 90 Minuten lang lautstark Unterstützung für das Heimteam bot, glich einem Tollhaus. Doch nach dem Spiel war davon kaum noch etwas zu spüren.

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Statt, wie nach Spielen üblich, den Gang in die Ostkurve anzutreten, gingen die Hertha-Spieler auf direktem Weg in die Kabine. Nur jene Akteure, die für Interviews bereit standen, kamen noch einmal zurück und klatschten zumindest in Richtung der Tribünen. Während Torschütze Davie Selke das Thema als "intern" bezeichnete, gab Torwart Marcel Lotka ein paar Infos mehr preis: "Wir haben uns entschlossen als Mannschaft, erst einmal nicht zu den Fans zu gehen“, erklärte er gegenüber DAZN und fügte an. „Gegen Union war es nicht okay. Ich glaube, jetzt ist das Sportliche das Wichtigste, dass wir unsere Punkte holen auch für die Fans, dass wir eine Einheit sind.“

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Noch etwas konkreter wurde Trainer Felix Magath auf der Pressekonferenz nach dem Spiel: "Die Mannschaft ist auch schon letzte Woche in Augsburg nicht zu den Fans gegangen. Sie waren mit der Aktion nach dem Derby nicht einverstanden. Das haben sie damit demonstriert", so der 68-Jährige, der die Aktion auch grundsätzlich gut heiße: "Ich denke, es ist in Ordnung, dass die Spieler sich dagegen gewehrt haben. Aber ich hoffe, dass wir in den kommenden Tagen wieder dazu kommen, dass sich beide Gruppen annähern." Letztlich gehe es darum, "dass Spieler und Fans sich wieder gemeinsam gegen den Abstieg stemmen."

Nach der 1:4-Derbypleite gegen Union Berlin vor zwei Wochen hatten die Profis von Hertha BSC eine echte Demütigung über sich ergehen lassen müssen. Die eigenen Fans in der Ostkurve hatten sie zum Ausziehen und zur Abgabe der Trikots aufgefordert – einige Spieler leisteten dieser Ansage Folge. Trainer Magath sagte damals, "dass die Fans bitter enttäuscht sind, verstehe ich." Die Vorgänge rund um die Trikots würden aber "der Situation nicht gerecht". Sportlich sieht es nur zwei Wochen später wieder deutlich besser aus. Die Stimmung zwischen Spielern und Fans kann dieser Entwicklung aber noch nicht Schritt halten.

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