11. Januar 2022 / 08:00 Uhr

Hertha-Geschäftsführer Fredi Bobic über die Dardai-Trennung, Nachfolger Korkut und den Big-City-Klub

Hertha-Geschäftsführer Fredi Bobic über die Dardai-Trennung, Nachfolger Korkut und den Big-City-Klub

Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Fredi Bobic spricht im <b>SPORT</b>BUZZER-Interview unter anderem über die Trainer-Entlassung von Pal Dardai.
Fredi Bobic spricht im SPORTBUZZER-Interview unter anderem über die Trainer-Entlassung von Pal Dardai. © IMAGO/Metodi Popow (Montage)
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Ein halbes Jahr Hertha BSC: Geschäftsführer Fredi Bobic hat in der kurzen Zeit beim Hauptstadtklub schon viele Entscheidungen treffen müssen. Im ersten Teil des SPORTBUZZER-Interviews zieht der 50-Jährige seine Bilanz und richtet den Blick nach vorn.

Bei Hertha BSC klaffen Anspruch und Wirklichkeit regelmäßig weit auseinander. Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic (50) ist nun ein halbes Jahr beim Team aus der Hauptstadt im Amt. Im ersten Teil des SPORTBUZZER-Interviews spricht er über seine erste Trainer-Entlassung als Verantwortlicher der Berliner und die Qualitäten von Dardai-Nachfolger Tayfun Korkut.

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SPORTBUZZER: Herr Bobic, seit einem halben Jahr sind Sie bei Hertha und hatten bereits eine Trainerentlassung, einen Geschäftsführer, der gegangen ist, und einen schwierigen Transfersommer. Wie sehr sind Sie gealtert in den vergangenen Monaten?

Fredi Bobic (50): Ich habe nach wie vor keinen dichten Haarwuchs, aber es sind auch nicht viele graue Haare dazugekommen. (lacht) Ich wusste vorher, dass es keine einfache Aufgabe wird, und das habe ich auch nie behauptet. Ich hätte andere Angebote annehmen können, aber mich hat diese spannende Aufgabe gereizt.

Wie lange haben Sie mit sich gerungen, Trainer Pal Dardai zu entlassen?

Am Ende geht es immer um Leistung. Jeder wird doch im Job danach bewertet und bestimmt damit selbst, wie lange er bei einer Firma oder einem Verein arbeitet. Ich hatte in dem Fall am Ende nicht mehr das Gefühl, dass da noch mehr kommt – und dann muss man eine Entscheidung treffen. Das ist nicht einfach, aber sie war unabhängig von den Spielresultaten. Wenn du kein gutes Gefühl hast für die mittelfristige Planung, dann muss man einen anderen Weg gehen. Das ist die Verantwortung, die ich habe.

Dardai hat an Spieltag drei nach dem 0:5 bei den Bayern gesagt: "Wahrscheinlich sucht Hertha BSC seit Langem einen großen Trainer. Pal ist ein kleiner Trainer, ein netter Trainer, er hilft so lange aus, wie es sein soll." Hätten Sie früher handeln müssen?


Jeder hat gesehen, dass wir nach dem verbalen Ausrutscher versucht haben, Ruhe reinzubekommen und Vertrauen zu senden. Aber eben auch zu sagen: Da hast du eine Grenze überschritten, das muss anders werden. Es war dann auch besser hinsichtlich der Kommunikation. So, wie wir uns aber Fußball vorstellen und auch mit der Entwicklung der einzelnen Spieler, waren wir unzufrieden und hatten nicht das Gefühl, dass es besser wird. Handeln bedeutet dann erst einmal auch immer, mit den Personen zu reden, das haben wir in aller Ruhe getan. Das ist mein Stil und das war mir, gerade in der Personalie, sehr wichtig.

Bobic über Korkut: "Er hat eine sehr verbindliche und ehrliche Art"

Sie haben sich überraschenderweise für Tayfun Korkut als Nachfolger entschieden. Warum?

Er hat eine sehr verbindliche und ehrliche Art. Die Art, wie er Fußball spielen lassen möchte, mit einer offensiven Orientierung, ohne starr daran festzuhalten, gefällt mir. Das geht nicht von heute auf morgen, das ist klar. Aber er kann sich Situationen anpassen und sich auch von seinem Wunschdenken lösen. Das hat er vom ersten Tag an sehr gut gemacht. Es war wichtig, jemanden zu haben, der positiv denkt, der frei im Kopf ist.

Wann wird Hertha endlich zu dem Big-City-Klub, so wie ihn einige gern sehen würden?

Ich habe das Wort noch nie in den Mund genommen. Das ist auch kein offizieller Slogan von uns, der wurde von außen reingetragen und hat sich vor allem medial verfestigt. Wir sind in einer großen Stadt, ja, und wir sind ein Klub in dieser großen Stadt. Das war es aber auch erst mal. Ich habe schon ein paarmal gesagt: Hier wurde in der Vergangenheit oft zu laut kommuniziert. Wer meine Arbeit kennt, weiß, dass mein Stil etwas ruhiger ist. Keine großen Sprüche, sondern erst einmal arbeiten, abliefern und lieber im Anschluss darüber reden, wenn man etwas geschafft hat, wie man es geschafft hat. Fröhlich bunte Luftballons rauszublasen und dann zu gucken, wie alle reagieren, das ist nicht meine Strategie.

Kürzlich haben Sie gesagt, Ihr Handy bimmele die ganze Zeit wegen Transferanfragen.

Die Berater sind nervös und müssen Geld verdienen. (lacht) Auch denen hat Corona zugesetzt. Sie mögen es nicht glauben, aber seit es Whats­app gibt, würde ich es am liebsten verbieten. Was da reinhagelt, ist unglaublich. Da kommen manchmal 20 Nachrichten nur von einem Berater mit Screenshots von 18 Spielern, die ich alle haben kann. Da antworte ich nicht mal drauf. Das ist unseriös.

Lesen Sie morgen im zweiten Teil: Bobic über die aktuellen Schwierigkeiten des globalen Fußballsystems.