08. November 2019 / 07:43 Uhr

Hertha-Podcaster Cieslarczyk: "Die Mannschaft steht dann vor einem Rätsel"

Hertha-Podcaster Cieslarczyk: "Die Mannschaft steht dann vor einem Rätsel"

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
Der Podcast Damenwahl und die Alte Dame Hertha  das gehört zusammen.
Der Podcast "Damenwahl" und die "Alte Dame" Hertha das gehört zusammen. © Getty Images
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RB Leipzig trifft am Samstag auf Hertha BSC. Podcaster Henry Cieslarczyk verrät im Vorfeld, warum sich der Pokalkrimi gegen Dresden nur bedingt als Trostpflaster für die Derbyniederlage der „Alten Dame" eignet und was er vom Duell gegen RB erwartet.

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Berlin. Henry Cieslarczyk ist ein Berliner Original und seit mehreren Jahren regelmäßig bei "Damenwahl", einem Podcast über Hertha BSC, zu hören. Vor dem Aufeinandertreffen mit RB Leipzig am Samstag (17.30 Uhr) erklärt der 47-Jährige, warum Union für ihn nie ein Thema war, wieso sich der Pokalerfolg gegen Dynamo Dresden nur bedingt als Trostpflaster für die Derbypleite eignet und weshalb das Bild der Hertha-Fans verfälscht ist.

Henry Cieslarczyk, warum Hertha und nicht Union?

Die Frage stellt sich nicht. Das ist eine langjährige Beziehung. Union spielte für mich noch nie eine Rolle. Man muss jedoch dazu sagen, dass Union Ende der Neunziger, als ich zur Hertha gekommen bin, auch in Berlin keine Rolle gespielt hat.

Wie tief sitzt der Stachel nach der bitteren Derby-Niederlage am vergangenen Wochenende?

Auch wenn es ein bisschen unglaubwürdig klingt. Dass es eine Derbyniederlage war, stört mich gar nicht so sehr, sondern die Begleitumstände des Spiels und die Tatsache, dass Hertha sportlich ein eher trauriges Bild abgibt.

In Bildern: Union Berlin siegt im Berlin-Derby mit 1:0 gegen Hertha BSC.

Unions Maskottchen Ritter Keule ballt die Fäuste vor Spielbeginn. Zur Galerie
Unions Maskottchen Ritter Keule ballt die Fäuste vor Spielbeginn. © dpa
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Wie meinen Sie das?

Wenn man mit so einer beschränkten Leistung verdient das Derby verliert, noch dazu wenn der Gegner rein sportlich nicht wirklich Anlass zum Zungeschnalzen geboten hat, ist das blöd. Natürlich gib es immer auch eine emotionale Ebene. Wer verliert schon gern. Aber mich hat es nicht so angefasst, wie ich es vermutet hätte. Die Niederlagen in der zweiten Liga haben mich damals stärker gepackt.

Zählt der Pokalsieg gegen Dynamo Dresden als Wiedergutmachung?

Natürlich ist es wunderbar, gewonnen zu haben. Aber, dass Hertha gegen eine Mannschaft, die in der zweiten Liga massive Probleme hat, bis dahin kommen muss, ist nicht gerade ein Ruhmesblatt. Es herrscht Riesenerleichterung und Freude über die nächste Runde – keine Frage – aber unter dem Strich ist es ein vergifteter Erfolg.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum Spiel in Berlin

Es war ein unvergesslicher Abend: Als klarere Außenseiter lieferte Dynamo Dresden der gastgebenden Hertha einen mitreißenden Kampf. Erst im Elfmeterschießen musste sich das Fiel-Team beugen. Zur Galerie
Es war ein unvergesslicher Abend: Als klarere Außenseiter lieferte Dynamo Dresden der gastgebenden Hertha einen mitreißenden Kampf. Erst im Elfmeterschießen musste sich das Fiel-Team beugen. ©

Im Nachgang des Derbys rückte der Sport ohnehin in den Hintergrund. Aktionen beider Fanlager standen im medialen Fokus. Wie steht die breite Fanmasse der Hertha dazu?

Ich möchte mich nicht zum Sprachrohr oder Fankenner aufspielen. Das wird alles kontrovers diskutiert. Die Raketen, die aufs Feld geflogen sind, werden fast durchgängig abgelehnt. Es gibt eine Fraktion, die mit Hinblick auf Verfehlungen auf der anderen Seite des Stadions eher zur Relativierung neigen. Und es gibt eine ganz kleine Fraktion, die sagt, dass sich alle nicht so haben sollen. Nach dem Motto: Ist ja nichts passiert. Aber die Fraktion ist so klein, dass sie eigentlich keine Rolle spielt.

Dennoch stehen die Hertha-Fans wegen dieser Gruppe in der Öffentlichkeit nicht gut da.

Die Bilder sind eben wirkmächtig. Du hast Raketen, nicht nur eine, sondern viele. Dass es während des Spiels in der Kurve massive Diskussionen gab und versucht wurde, die Raketenwerfer daran zu hindern, geht jedoch weitgehend unter. Du hast ein Bild einer geschlossenen Kurve, die da hinter den Raketenwerfern steht. Und das ist schlicht falsch.

Sportlich hat sich die Hertha im Vergleich zum Saisonstart eigentlich gefangen. Ist großes Aufatmen angesagt?

Es gab zwischenzeitlich drei Siege am Stück: Gegen Paderborn, Düsseldorf und Köln sowie das durchaus achtbare Unentschieden gegen Bremen. Da waren gute Spiele dabei. Aber man muss festhalten, wenn man die fünf Pflichtspielsiege dieser Saison betrachtet, dass es alles unterklassige Vereine, Aufsteiger oder Mannschaften im Abstiegskampf waren. Sobald Clubs auf Hertha zukommen, die entweder tabellarisch höher angesiedelt sind oder uns mit ihrer Einstellung den Schneid abkaufen, steht die Mannschaft vor einem Rätsel. Dann ist sie nicht in der Lage, sich kreativ Angriffsmöglichkeiten zu überlegen, um zum Torerfolg zu kommen.

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Ist die Kreativität das einzige Problem?

Nein, schöne Beispiele waren die Spiele gegen Union und Dresden. Da weiß man, dass einen großes Engagement und Leidenschaft erwarten. Wenn man sowas weiß, muss man sich fragen, warum die Mannschaft so überrascht wirkte.

Bis zum Jahresende warten vor allem Mannschaften aus der oben Tabellenhälfte. Droht der große Absturz?

Ich glaube nicht. Die Gefahr ist natürlich da und sie ist groß, dass man in den nächsten Wochen regelmäßig auf die Nase kriegt.

Was macht Mut?

Man weiß, dass es Hertha ist. Die holen dann wieder in unwahrscheinlichster Manier gegen eine Mannschaft, bei der man es nicht erwartet, einen Pfeil aus dem Köcher. Das war in der letzten Saison ja ähnlich. Da gewinnen sie plötzlich auswärts in Gladbach 3:0.

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Ist Trainer Ante Čović der richtige Mann?

Er wird schon sehr kritisch gesehen. Wie ich das beurteile, ist aber irrelevant. Ich bin nicht in der Position, da etwas zu ändern. Objektiv betrachtet, bleiben die sportlichen Erfolge aus.

Wie sehr fehlt ein Spieler wie Valentino Lazaro, der zu Inter Mailand gewechselt ist?

Da sehe ich nicht so sehr das Problem, weil er ganz gut ersetzt wurde. Durch Lukas Klünter und durch Marius Wolf, auch wenn der in der Regel eine Reihe weiter vorn spielt. Unsere rechte Seite ist nicht so das Problem. Da sehe ich eher die linke Seite mit Sorge.

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Mit einer spielerisch überzeugenden Leistung holt RB Leipzig bei der Hertha aus Berlin drei wichtige Punkte. 3:0 heißt es nach 90 kurzweiligen Minuten mit zahlreichen Chancen auf beiden Seiten. Zur Galerie
Mit einer spielerisch überzeugenden Leistung holt RB Leipzig bei der Hertha aus Berlin drei wichtige Punkte. 3:0 heißt es nach 90 kurzweiligen Minuten mit zahlreichen Chancen auf beiden Seiten. ©

Wie beurteilen Sie die Neuzugänge insgesamt?

So viele waren es ja nicht. Wir haben Dodi Lukébakio, der mich nicht überrascht, weil er bringt, was zu erwarten war. Ich hoffe auf mehr Einsätze von Eduard Löwen. Er hat auch am Samstag in Köpenick gezeigt, dass da Potential ist. Dedryck Boyata bereitet mir große Freude und Marius Wolf ist auf der rechten Seite ein belebendes Element.

Was ist Ihr Tipp für Samstag?

Ich tippe nicht, aber ich erwarte keine Glanzleistung von Hertha. Wenn man sich die letzten Ergebnisse zwischen Leipzig und Berlin anschaut, befürchte ich, dass es in eine ähnliche Richtung gehen wird.

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17. Dezember 2016: Die erste Partie von RB Leipzig gegen Hertha BSC ging mit 2:0 (1:0) an die roten Bullen. Yussuf Poulsen (li.) konnte in dieser Partie keinen Treffer erzielen. Zur Galerie
17. Dezember 2016: Die erste Partie von RB Leipzig gegen Hertha BSC ging mit 2:0 (1:0) an die roten Bullen. Yussuf Poulsen (li.) konnte in dieser Partie keinen Treffer erzielen. ©

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft, wer wird Ihr Spieler der Saison?

Eduard Löwen.

Weil er was mitbringt, um es zu werden?

Die Erwartungshaltung an ihn war relativ niedrig. Er kommt von einem Absteiger. Die Sachen, die ich von ihm gesehen habe, lassen mich aber hoffen, dass er mit der nötigen Spielzeit und Marko Grujić an seiner Seite so viel Einfluss bekommt, dass die Mannschaft zurück in die Erfolgsspur findet.

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