06. April 2020 / 20:20 Uhr

Heute vor sechs Jahren: Hannover 96 kassiert historische Derbypleite in Braunschweig

Heute vor sechs Jahren: Hannover 96 kassiert historische Derbypleite in Braunschweig

Sportredaktion Hannover
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Entsetzen bei den 96-Spielern nach dem Treffer von Braunschweigs Kumbela, Versuche der Versöhnung bei Trainer Tayfun Korkut nach dem Spiel.
Entsetzen bei den 96-Spielern nach dem Treffer von Braunschweigs Kumbela, Versuche der Versöhnung bei Trainer Tayfun Korkut nach dem Spiel. © dpa / Alexander Körner
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Es war einer der schmerzhaftesten Tage in der Geschichte von Hannover 96: Die 0:3-Derbyniederlage gegen Eintracht Braunschweig vor sechs Jahren. Der SPORTBUZZER blickt zurück auf das Spiel, das nicht nur sportlich lange Spuren hinterließ.

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Als Fan von Hannover 96 ist man leidgeprüft, so viel ist sicher. In seiner bewegten Historie durchlebte der Klub schon einige schwere Stunden, die es einem nicht leicht machen, 96-Anhänger zu sein. Dazu zählt unter Garantie der 6. April 2014 in Braunschweig, der nicht nur symbolisch für den Tiefpunkt stand, an dem die Roten nach Jahren der Europa-Euphorie wieder angelangt waren, sondern auch ein entscheidendes Kapitel im Zwist zwischen Teilen der Fanszene und der Klubführung markierte.

Was war damals passiert? Erstmals seit 39 Jahren gastierte 96 in der Bundesliga zum prestigeträchtigen Derby beim ungeliebten Nachbarn. Das emotionsgeladene Niedersachsenderby erlebte sein Comeback - zum zweiten Mal in der Saison 13/14. Das Hinspiel in Hannover war sportlich wenig erwähnenswert gewesen, ein müdes 0:0, das vor allem durch zahlreiche Fan-Ausschreitungen in Erinnerung blieb.

Vor sechs Jahren: Die Derbypleite von Hannover 96 in Braunschweig in Bildern

Ein Bild mit Symbolcharakter: 96-Mittelfeldmann Szabolcs Huszti am Boden, Braunschweigs Mirko Boland obenauf. Zur Galerie
Ein Bild mit Symbolcharakter: 96-Mittelfeldmann Szabolcs Huszti am Boden, Braunschweigs Mirko Boland obenauf. ©

96 mutlos, Braunschweig eiskalt

Im Frühjahr 2014 stieg also das Rückspiel. Die Braunschweiger standen als Tabellenletzter mit dem Rücken zur Wand, auch 96 hatte aber nur ein dünnes Polster auf die Abstiegsränge.

Bei den Roten schien die Angst vor dem Versagen größer als der Siegeswille. Mutlos und fehlerhaft präsentierten sich die Gäste, das bestrafte Dominick Kumbela schon nach zwölf Minuten mit dem Treffer zur 1:0-Führung, nachdem 96-Keeper Ron-Robert Zieler eine Hereingabe unglücklich vor die Füße des Stürmers abgewehrt hatte.

Nur neun Minuten später ließ Havard Nielsen 96-Innenverteidiger alt aussehen und legte das 2:0 nach. Danach stabilisierte sich 96 zwar, blieb aber erschreckend harmlos. Spätestens mit der glatten roten Karte gegen Verteidiger André Hoffmann (61.) schien die Partie entschieden. Jan Hochscheidt machte kurz vor Schluss das Debakel aus Sicht der Roten perfekt (89.). Höher hatte 96 in der Derbygeschichte noch nie verloren.

Startaufstellung: So spielte Hannover 96 am 6. April 2014 gegen Eintracht Braunschweig

Tor: Ron-Robert Zieler Zur Galerie
Tor: Ron-Robert Zieler ©

Bruch zwischen Klubführung und Fans

Und damit nicht genug: Wegen der katastrophalen Mannschaftsleistung und rigoroser Anreisebestimmungen kam es nach dem Spiel zu spontanen Protesten an der HDI-Arena. Die 96-Anhänger waren nach den Hinspiel-Ausschreitungen für das Rückspiel in Braunschweig mit zahlreichen Auflagen, wie einer verpflichtenden Bus-Anreise und dem Verfall der Auswärtsdauerkarte, belegt worden.

Trainer Tayfun Korkut und einige Spieler wie Kapitän Lars Stindl versuchten die Fans mit Megaphon-Einsatz zu beruhigen.

Trotzdem kam es im Anschluss zum Bruch zwischen mehreren Fangruppierungen und der Klubführung. Ein Großteil der aktiven Fanszene boykottierte die 96-Profis in der Folge für fast ein ganzes Jahr und unterstützte stattdessen die Amateure der Roten. Ein Riss, dessen Nachwirkungen bis heute zu spüren sind.

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Zumindest gab es damals noch ein versöhnliches Saisonende. Die Fans unterbrachen ihren Boykott für die letzten Spieltage, um den akut abstiegsbedrohten Klub zu unterstützen. Und tatsächlich gelang unter dem neuen Trainer Michael Frontzeck der Klassenerhalt.

Der Eintracht gelang nach dem historischen Derbyerfolg dagegen kein Punktgewinn mehr, nach nur einem Jahr im Oberhaus mussten die Löwen wieder runter. Ein kleiner Balsam für die damals geschundenen 96-Seelen...

von Tobias Kurz