02. März 2021 / 18:24 Uhr

Heynckes, Klopp und Co: Diese "Lame Ducks" können Gladbach-Trainer Marco Rose als Vorbild dienen

Heynckes, Klopp und Co: Diese "Lame Ducks" können Gladbach-Trainer Marco Rose als Vorbild dienen

Udo Muras
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jupp Heynckes und Jürgen Klopp machten es vor: Marco Rose (r.) arbeitet an einem versöhnlichen Abschied bei Gladbach.
Jupp Heynckes und Jürgen Klopp machten es vor: Marco Rose (r.) arbeitet an einem versöhnlichen Abschied bei Gladbach. © IMAGO/RHR-Foto (Montage)
Anzeige

Marco Rose trifft am Dienstag im DFB-Pokal mit Mönchengladbach auf seinen zukünftigen Arbeitgeber Borussia Dortmund. Ex-Gladbach-Trainer Jupp Heynckes hat eine ähnliche Situation zweimal gemeistert. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick zu geglückten Abschiedsmissionen von Bundesliga-Trainern.

Es dürfte Marco Rose nicht schwerfallen, sich die Nummer von dem Mann zu besorgen, der ihm jetzt womöglich am besten helfen kann. Schließlich ist Jupp Heynckes in Mönchengladbach eine Legende und mit den Klubverantwortlichen bestens bekannt. Und dieser Jupp Heynckes hat die Situation, in der Rose jetzt steckt, besser als jeder andere in der Bundesliga-Geschichte gemeistert, ist die bislang beste „Lame Duck“ („lahme Ente“). Warum? Er hat die Befürchtung, dass Mannschaften einbrechen, deren Trainer gehen, zweimal widerlegt. Auch und vor allem in Mönchengladbach, wo Rose aktuell noch Trainer ist, während sein Wechsel nach Dortmund im Sommer längst feststeht.

Anzeige

Ausgerechnet in dieser Situation trifft der Noch-Gladbacher Rose an diesem Dienstag (20.45 Uhr, ARD) im Viertelfinale des DFB-Pokals auf seinen zukünftigen Klub Borussia Dortmund. „Ich lese aktuell wenig, konzentriere mich auf meine Aufgabe. Denn ich brauche jedes Korn an Energie, um die Situation zu meistern“, sagte er am Montag. Eine weitere Pikanterie: An der Seitenlinie des BVBs steht mit Edin Terzic eine weitere „Lame Duck“. Er muss für Rose Platz machen, rückt wieder in die zweite Reihe.

Mehr vom SPORTBUZZER

Anschauungsmaterial zum Umgang mit dieser Situation lieferte eine Gladbacher Legende: Im März 1987 neigte sich die Ära des Trainers Heynckes am Bökelberg ihrem Ende zu. Nach acht Jahren suchte er eine neue Herausforderung bei den Bayern. Das sollten die Borussia-Spieler aber nicht aus der Presse erfahren. Also lud er sie zu sich nach Hause ein und rückte mit der Wahrheit heraus: „Ich gehe zu Bayern, denn ich habe dort bessere sportliche und finanzielle Möglichkeiten.“ Die Besprechung dauerte 47 Minuten, dann gingen die Spieler nach Hause, „die meisten sehr verschlossen“, wie der Kicker meldete. Der Verein war paralysiert. Man hatte ehrgeizige Ziele, die Saison ging noch über zwei Monate. Würden sich die Spieler hängen lassen oder ihrem Trainer einen goldenen Abschied schenken? Letzteres traf zu, sie gewannen zehn Spiele in Folge, Vereinsrekord bis heute, und zogen in den UEFA-Pokal ein. Im ersten Spiel nach der Verkündung gab es ein 7:1 in Bremen. Heynckes: „Die Mannschaft hat auf meinen Weggang hervorragend reagiert.“ Weil sie seine Ehrlichkeit honorierte.

Anzeige

Bei seiner vermeintlich letzten Bundesliga-Mission war es ähnlich. Am 16. Januar 2013 gaben die Bayern bekannt, dass Pep Guardiola Nachfolger von Heynckes werden würde, und erklärten dessen Karriere für beendet. Was Heynckes schmerzte, das wollte er selbst tun. Mit den Spielern schweißte ihn der Fauxpas der Führung zusammen. In der Rückrunde verloren die Bayern kein Spiel und holten das Triple. „Der Trainer hat den größten Anteil an dem Erfolg“, gratulierte Bastian Schweinsteiger. Und Jérôme Boateng meinte, man müsse „ihm ein Denkmal setzen“. So glücklich kann man also auseinandergehen.

Jürgen Klopp beim BVB und Huub Stevens auf Schalke als positive Beispiele

In Dortmund bekam Jürgen Klopp nach seinem verkündeten Rücktritt im April 2015 noch die Kurve und gewann fünf der letzten Spiele einer Saison, in der der BVB noch vom 18. auf den siebten Platz kletterte. Nur der Sieg im Pokalfinale war Klopp nicht vergönnt. Dennoch ging der Meistertrainer von 2011 und 2012 als BVB-Legende.

Auf Schalke sickerte im Dezember 2001 durch, dass Jahrhunderttrainer Huub Stevens zu Hertha BSC wechseln würde. Die Fans der Klubs pflegen eine Feindschaft. Manager Rudi Assauer überlegte, sich von Stevens zu trennen. Spieler Marco van Hoogdalem versicherte jedoch, das Team werde sich nicht hängen lassen, „sonst wären wir keine Profis“. Die Elf kletterte vom siebten auf den fünften Platz und gewann den Pokal. Stevens ging und kam noch dreimal wieder.

Mit dem Pokal verabschiedete sich auch Niko Kovac 2018 aus Frankfurt. Im Finale schlug die Eintracht seinen kommenden Klub, den FC Bayern. Dem Noch-Gladbacher Rose, der wie üblich im Pokal auf Ersatztorwart Tobias Sippel setzt, bietet sich die Chance auf einen derartigen Loyalitätsbeweis an diesem Dienstag. Denn bislang lief es nach der Verkündung des Wechsels mau: drei Pleiten am Stück.