27. April 2020 / 14:26 Uhr

Zusammenhalt durch das "Digitale Falkennest" - So trotzt der HFC Falke der Corona-Krise 

Zusammenhalt durch das "Digitale Falkennest" - So trotzt der HFC Falke der Corona-Krise 

Jan Jüttner
Klub-Präsidentin Tamara Dwenger opfert ihre Freizeit gern für den HFC Falke. 
Klub-Präsidentin Tamara Dwenger opfert ihre Freizeit gern für den HFC Falke.  © Tamara Dwenger/Gabfaf/Montage
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Wie viele andere Amateurklubs ist auch der HFC Falke aus Hamburg von der Corona-Krise betroffen. #GABFAF hat mit Vereins-Präsidentin Tamara Dwenger über die Folgen der Pandemie für ihren Klub und den zunehmenden Kommerz im Fußball gesprochen. 

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Zusammenhalt, Rücksichtnahme und Verantwortungsgefühl: Diese Tugenden werden beim Fußball-Klub HFC Falke besonders großgeschrieben. Vor allem in Zeiten der Krise müssen die Mitglieder des kleinen Hamburger Klubs noch enger zusammenrücken, denn die Zwangspause trifft den Verein hart. "Wir leiden natürlich in erster Linie darunter, dass kein Vereinsleben stattfindet. Zudem fehlen uns die Einnahmen aus dem Ticketverkauf und dem Verkauf von Essen und Getränken. In jedem Spiel fehlen uns daher Einnahmen im fast vierstelligen Bereich", erklärt Klub-Präsidentin Tamara Dwenger gegenüber #GABFAF.

Um den Mitgliedern in dieser schwierigen Zeit zu helfen, hat die Klub-Führung sich etwas einfallen lassen und das sogenannte "Digitale Falkennest" ins Leben gerufen. Auf dieser Plattform können sich die Mitglieder austauschen, sich gegenseitig unterstützen oder Mut zusprechen. "Das Falkennest wird gut von unseren Mitgliedern angenommen. Es schweißt zusammen", sagt Dwenger. Die Liebe zu ihrem Verein verbindet die Mitglieder - zwischen den 350 Angehörigen entsteht durch die Not ein noch stärkeres Gefühl des Zusammenhalts.

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Das Besondere am HFC Falke: Früher gingen viele seiner Mitglieder regelmäßig zu Spielen des Hamburger SV und waren Mitglied beim einstigen Bundesliga-Dino. Auch Tamara Dwenger verpasste kein Spiel der Rothosen. Doch schon lange regte sich Widerstand in den Köpfen der Fans, sie kritisierten die zunehmende Kommerzialisierung im Profifußball. Die Ausgliederung der HSV-Profiabteilung brachte das Fass zum Überlaufen: Sie kündigten ihre Mitgliedschaft beim HSV und gründeten 2014 ihren eigenen Verein - mit ihren eigenen Regeln. Aktuell hat der Verein zwei aktive Herrenteams, die in der Bezirks- und in der Kreisliga spielen. Zu den Partien kommen zwischen 200 und 300 Zuschauer. Und die Mitglieder des Klubs sind quer über den Globus verteilt - eines wohnt sogar in Dubai.

Dwenger: "Viele schreckt eine solche Verantwortung erstmal ab"

Die Gründung des HFC Falke hat zwar bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, dennoch hat der Verein bislang keine Nachahmer motivieren können. Dwenger kennt die Gründe dafür. "Wir im Präsidium haben eine Verantwortung für unsere 350 Mitglieder und die Spieler. Viele Menschen schreckt eine solche Verantwortung erst einmal ab", erklärt sie. Sie würde sich wünschen, dass sich Fans anderer Vereine dem Beispiel des HFC Falke anschließen würden, doch so richtig vorstellen kann sie sich das nicht. "Es steckt viel Arbeit dahinter, einen ganzen Verein am Laufen zu erhalten und sich um die Mitglieder zu kümmern", erklärt sie.

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF wurde am 15. März 2019 ins Leben gerufen. Hier zehn besondere Momente aus dem ersten Jahr:

Überraschung, Freude, Jubel, Rührung: Das #GABFAF-Team hat in der Galerie seine Lieblingsmomente zusammengestellt. Zur Galerie
Überraschung, Freude, Jubel, Rührung: Das #GABFAF-Team hat in der Galerie seine Lieblingsmomente zusammengestellt. ©

Weniger Kommerz im Fußball? Dwenger glaubt nicht daran

Dass die zunehmende Kommerzialisierung des Sports durch die Corona-Krise aufgehalten oder beschränkt werden wird, glaubt Dwenger nicht. "Im Profifußball ist es in den vergangenen Jahren noch sehr viel schlimmer geworden. Die Fans werden als Kunden angesehen. Nun geht es den Klubs durch die Krise finanziell schlechter und die Vereine fragen bei den Fans an, ob sie nicht auf die Rückerstattung der bereits gekauften Tickets verzichten könnten", so Dwenger. Nach ihrer persönlichen Meinung würden die Fans aber nicht gefragt werden. "Sie dürfen zahlen, aber mehr auch nicht. Das passt nicht zusammen", betont sie.

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An eine Fortsetzung der Saison in den Amateurligen glaubt sie nicht. "Zumindest nicht in den unteren Ligen, in denen wir aktiv sind." Trotzdem will sie nicht in Trübsal verfallen. "Es wird in dieser Situation immer Verlierer geben, daran lässt sich nichts ändern", so Dwenger. Die Krise stärkt den Zusammenhalt beim HFC Falke jedoch enorm. Davon wird der Klub sicher auch profitieren, wenn es irgendwann einmal wieder weitergeht mit dem Fußball.