29. Juni 2021 / 15:12 Uhr

Hiddenseemarathon: Extrempaddler auf Sund und Ostsee

Hiddenseemarathon: Extrempaddler auf Sund und Ostsee

Horst Schreiber
Ostsee-Zeitung
Hiddenseemarathon 2021: Steffen Burkhardt gewinnt das 70-Kilometer-Rennen
Hiddenseemarathon 2021: Steffen Burkhardt gewinnt das 70-Kilometer-Rennen © Horst Schreiber
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Steffen Burkhardt, Dauergast beim Hiddenseemarathon, überquerte als erstes die Ziellinie nach zermürbenden 70 Kilometern im Rennkajak. Die Stralsunder Kanuten waren ebenfalls gut drauf. Novum: Ein Stand-Up-Paddler meistert die Extremstrecke.

Steffen Burkhardt ließ sich einfach aus seinem Surfski in den lauwarmen Strelasund fallen und schwamm ein paar Bahnen, „um die Beinmuskulatur wieder zu aktivieren“, wie er sagt. Denn die war zuvor sechs Stunden lang im angespannten Bewegungsruhemodus. Dafür rackerte sich Burkhardts Oberkörper umso mehr während des 70-Kilometer-Marathons von Stralsund um Hiddensee und wieder zurück ab. Mit Erfolg: Der Schleswig-Holsteiner gewann den Hiddenseemarathon, der als eines der schwersten Offshore-Rennen in Deutschland gilt.

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Rund 100 Starter in 70 Einer- und Zweierkajaks und Auslegerkanus gingen in zwei Etappen am Sonnabend um 6 und 7 Uhr früh bei der 20. Auflage aufs Wasser. Die Lokalmatadore vom Stralsunder Kanu Club präsentierten sich in guter Form, belegten in den Alters- und Bootsklassen die vorderen Plätze. Insgesamt entschieden sie sechs Wertungen für sich. So trumpfte beispielswiese Stefan Möller mit persönlicher Bestzeit auf (6:57 Stunden). An Steffen Burkhardt (6:03) kam er damit allerdings nicht vorbei.

Bilder vom Hiddenseemarathon 2021

Hiddenseemarathon 2021: Der erste Startschuss fällt um 6 Uhr früh. Zur Galerie
Hiddenseemarathon 2021: Der erste Startschuss fällt um 6 Uhr früh. ©

Einer gegen Sechs

Der Sieger ist Dauergast beim Hiddenseemarathon und fuhr bislang immer aufs Treppchen. Der ehemalige Kanuleistungssportler nimmt den „harten Brocken“ gern mit. „Das ist für mich eine gute Möglichkeit, fit zu bleiben. Und hier fahre ich nicht allein“, sagt der 47-Jährige. Burkhardt lieferte sich stundenlang im Surfski ein Duell mit einer Staffel im Sechser-Kanu, die erst kurz vor dem Ziel davonzog. „Das war der Anreiz, da dran zu bleiben. Da war ich permanent am Limit!“, sagt Burkhardt.

Das Duell war nicht nur personell ungleich, sondern auch von den Bedingungen. Für Kanuten beinahe optimal – kaum Wind und wenig Welle. Doch Surfski-Paddler nutzen gern raue Gegebenheiten, um schneller voranzukommen. „Der Spaßfaktor beim Surfski kommt mit Wind und Welle“, bestätigt Burkhardt.

Zehn Stunden stehend auf dem Surfbrett

Während sich der eine mehr gewünscht hätte, waren zwei Rennneulinge froh um die ruhige See. Jörg Bossack und Carsten Schuur waren die ersten, die sich mit einem Stand-Up-Paddle (SUP) auf den 70-Kilometer-Kurs trauten. „Das war eine der härtesten Strecken, die ich gepaddelt bin“, betont Schuur. Bossack ergänzt: „Das war extrem kräftezehrend. Wir merken, was wir getan haben.“

Sie müssen es wissen. Denn beide sind Extrem-Paddler und waren beispielsweise schon 220 Kilometer lang non-stop durch Grachten, Flüsse und Seen im niederländischen Friesland unterwegs. Beinahe täglich stehen sie auf dem Brett. Bossack kümmert sich in der German Stand Up Paddle Association um die Nachwuchsförderung.


Für den Start in Stralsund haben sie drei Jahre lang gekämpft. „Die Rennleitung meinte erst, das halten wir nicht durch. Dann habe ich den Beweis vom 220-Kilometer-Rennen geschickt und wir waren dabei“, erzählt Schuur mit einem Grinsen.

So hielten die beiden etwa 15 Kilometer bis raus zur Ostsee mit den Kajaks mit. Dann konnten sie den Blick auf Hiddensee genießen. Nach knapp zehn Stunden paddelte Schuur ins Ziel am Stralsunder Bootshaus. Kumpel Bossack musste nach 40 Kilometern mit Rückenkrämpfen aufgeben.

Der Stralsunder Stefan Möller kennt die Quälerei beim Hiddenseemarathon gut. „Nach 35 Kilometer kriegst du das erste Mal eine richtige Backpfeife. Da sagt der Körper: ,Ich will nicht mehr!’ Aber der Kopf meint: ,Komm, wir müssen noch!’“, beschreibt Möller, der wie alle Mitstreiter trotzdem 2022 wieder starten will.

Stralsunderin paddelt 40.000 Kilometer

Eine besondere Auszeichnung erhielt Gerhild Winkler. Die Stralsunderin war bislang bei jedem Hiddenseemarathon auf dem Wasser. Insgesamt hat sie nun 40.000 Kilometer im Kajak abgerissen und bekam dafür den Goldenen Globus überreicht. „In 40 Jahren einmal um die Erde“, kommentiert Winkler ihre herausragende Leistung.

Die Ergebnisse der Stralsunder Paddler

K1 Männer

Torsten Koppen (1., 40-59 J., 7:20 Stunden)

Matthias Reikowski (13., 40-59 J., 8:46)

Steffen Feodorow (3., 60+ J., 8:30)

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K1 offen Männer

Stefan Möller (2., 40-59 J., 6:57)

Kay Wellner (3., 40-59 J., 7:03)

Ralf Lange (6., 40-59 J., 9:21)

K2 Frauen

Swanhild Kluge/Gerhild Winkler (1., 60+ J., 8:59)

K2 offen Frauen

Kathlee Schmock/Tuete von Bahder (1., 40-59 J., 7:41)

K2 Mix

Thomas Kredl/Doreen Rettich (1., 18-39 J., 8:09)

Carsten Hänsel/Ariane Hänsel (3., 40-59 J., 8:12)

K2 offen Mix

Achmed Ewert/Diana Malchert (1., 40-59 J., 7:13)

Staffel K1

Mirko Wetzel/Jörg Hoppe/Doris Lange (1., 40-59 J., 8:29)