07. März 2022 / 08:52 Uhr

Unkomplizierte Hilfe: SC DHfK Leipzig holt sieben ukrainische Wasserspringer nach Deutschland

Unkomplizierte Hilfe: SC DHfK Leipzig holt sieben ukrainische Wasserspringer nach Deutschland

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Die DHfK-Wasserspringer holen ukrainische Athletinnen und Athleten von der slowakisch-ukrainischen Grenze nach Deutschland.
Die DHfK-Wasserspringer holen ukrainische Athletinnen und Athleten von der slowakisch-ukrainischen Grenze nach Deutschland. © Privat
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Am Samstagnachmittag brachen Dmytro Ostapenko, Leipziger Bundesstützpunkttrainer der Wasserspringer, DHfK-Abteilungsleiter Manfred Große und Übungsleiter Phillip Kirchhof in Richtung Slowakei auf. Das Trio sorgte dafür, dass sieben Sportlerinnen und Sportler und zwölf weitere geflüchtete Frauen und Kinder sicher nach Deutschland gebracht wurden. 

Leipzig. Seit zwei Wochen steht das Handy von Dmytro Ostapenko nicht still. Einen Hilferuf nach dem anderen erhält der Leipziger Bundesstützpunkttrainer der Wasserspringer aus seiner ukrainischen Heimat. Er hat bereits Teile seiner Familie nach Leipzig geholt – und nun die ersten Springerinnen und Springer der ukrainischen Nationalmannschaft.

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"Die Bereitschaft zu helfen ist enorm"

Gemeinsam mit DHfK-Abteilungsleiter Manfred Große und Übungsleiter Phillip Kirchhof brach er am Samstag 16.30 Uhr in Richtung Slowakei auf – am Montag kurz nach Mitternacht war das Trio zurück. Sie brachten sieben Springerinnen und Springer, drei Trainerinnen, sechs Mütter und Omas sowie drei jüngere Geschwisterkinder und einen Hund nach Leipzig und damit in Sicherheit. Empfangen wurden die beiden vom SC DHfK und dem SV Halle gestellten Kleinbusse von Wasserspringer-Eltern, die den Geflüchteten ein Bett für die erste Nacht zur Verfügung stellten.

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„Die Bereitschaft zu helfen ist enorm“, erklärt Manfred Große, der sich auf den gut 1900 Kilometern Fahrt mit Ostapenko und Kirchhoff so abwechselte, dass keiner länger als vier Stunden am Stück am Steuer saß. Die drei Leipziger hatten Schlafsäcke mit und konnten in der Nähe von Krakau fünf Stunden schlafen, ehe sie am Sonntag um 10.30 Uhr die ukrainischen Familien im Empfang nahmen. Zwischen Vysne Nemecke in der Slowakei und dem ukrainischen Grenzort Uschgorod sei ein Pendelverkehr mit Bussen eingerichtet gewesen. An einem Sportplatz, wo sanitäre Einrichtungen und Verpflegung organisiert waren, warteten die drei Leipziger auf die Geflüchteten.

Ein ukrainischer Spitzen-Wasserspringer habe zuvor bereits Zuflucht in Österreich gefunden, den nun nach Deutschland geholten sieben Athletinnen und Athleten sollen schon in den kommenden Tagen weitere Folgen. Eingebunden in die Hilfsaktion ist der Deutsche Schwimm-Verband (DSV), der die (Sprit-)Kosten fürs Abholen übernehmen will und die Sportler an seine Stützpunkte verteilen will. So werden die in Leipzig Angekommenen bereits am Montag mit der Deutschen Bahn weiter nach Aachen reisen, wo die Wasserspringer über ein eigenes Internat verfügen, was zunächst die Unterbringung erleichtert. „Wir in Leipzig können rund zehn Springerinnen und Springer in unseren Gruppen integrieren – und wir suchen Lösungen für den Unterricht am Sportgymnasium“, so Manfred Große.

"Beängstigend, was sich in Europa abspielt“

Bundestrainer Lutz Buschkow bestätigte, dass der DSV unkompliziert helfe und auch die Stützpunkte Halle, Berlin, Rostock und Dresden in den nächsten Tagen ukrainische Sportlerinnen und Sportler aufnehmen werden. Fast an allen Standorten arbeiten bereits seit längerer Zeit aus der Ukraine oder der ehemaligen Sowjetunion stammende Trainer. „Damit gibt es keine sprachliche Barriere. Natürlich können die teils traumatisierten jungen Sportler ihre Familien mitbringen, wenngleich die Väter oder älteren Brüder wegen der Wehrpflicht ihr Land nicht verlassen dürfen.“ Der DSV habe seinem Leipziger Kollegen Ostapenko zuletzt Sonderurlaub gewährt und von einem Lehrgang freigestellt, um seiner Familie zu helfen.

„Es ist beängstigend, was sich in Europa abspielt“, meint Buschkow, der seit Jahren bei Olympischen Spielen oder großen Meisterschaften eine tiefe Freundschaft zwischen Russen und Ukrainern kennengelernt hat. „Wir hatten ja auch über Jahre einen Vier-Länderkampf mit Russland, der Ukraine und Italien. Die jetzige unerträgliche Situation ist für meine Begriffe rein politisch motiviert.“ Bei der Aufnahme der ukrainischen Sportler gebe es keine Obergrenze.


Die Leipziger Wasserspringer gehen davon aus, dass die nächste Abholaktion von Kollegen aus Halle oder Dresden organisiert wird. Denn der SC DHfK braucht alle Übungsleiter daheim. Der Verein ist ab Freitag erstmals seit Beginn der Pandemie wieder Ausrichter einer deutschen C-Jugend-Meisterschaft.