31. März 2020 / 14:02 Uhr

Hilferuf der Volksläufer: Region Hannover bangt um Rennvielfalt 

Hilferuf der Volksläufer: Region Hannover bangt um Rennvielfalt 

Carsten Schmidt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Noch läuft es: Das Bothfelder Rennen ist einer von 40 Volksläufen in der Region. Die Corona-Pandemie gefährdet dieses breite Angebot.
Noch läuft es: Das Bothfelder Rennen ist einer von 40 Volksläufen in der Region. Die Corona-Pandemie gefährdet dieses breite Angebot. © Maike Lobback [Team zur Nieden]
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Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie im Laufsport sind verheerend. Die bundesweite Vereinigung German Road Races rechnet in diesem Jahr mit einer Absage von rund 50 Prozent der Rennen. Auch die Region Hannover bangt um ihre bisherige Rennvielfalt.

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Der Laufsport ist wegen der Coronavirus-Pandemie zum Stillstand gekommen – und das bringt nicht nur den Sportlern Verdruss, sondern auch zahlreiche Organisatoren in Schieflage. Die bundesweite Vereinigung German Road Races, unter deren Dach 100 Veranstaltungen stattfinden, darunter große Stadtrennen wie in Berlin, Köln, Paderborn und auch der HAJ Hannover Marathon, schlägt jetzt Alarm.

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"Fürchten um die Laufkultur in Deutschland"

„Wir fürchten um die Laufkultur in Deutschland“, sagte der Hamburger Karsten Schölermann, Gesellschafter von BMS die Laufgesellschaft Hamburg, die den Halbmarathon in der Hansestadt ausrichtet. Schölermann spricht für den Arbeitskreis Hilfsfonds Laufen in den German Road Races, dem auch die hannoversche Marathon-Organisationschefin Stefanie Eichel angehört.

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Auch die Prominenz darf bei so einem Mega-Event natürlich nicht fehlen. OB Stefan Schostok, Moderator Christoph Dannowski mit 96-Stürmer Niclas Füllkrug. Zur Galerie
Auch die Prominenz darf bei so einem Mega-Event natürlich nicht fehlen. OB Stefan Schostok, Moderator Christoph Dannowski mit 96-Stürmer Niclas Füllkrug. ©

German Road Races bittet Regierung um Soforthilfe

Deshalb wenden sich er und seine Mitstreiter an die Bundesregierung mit der Bitte um Soforthilfen in Höhe von 4,5 Millionen Euro. Laut German Road Races liegt der Jahresumsatz deutscher Volksläufe bei geschätzten 93 Millionen Euro. Die Vereinigung rechnet wegen der Corona-Krise in diesem Jahr mit der Absage von 50 Prozent der Rennen, das entspräche Umsatzeinbußen von 45 Millionen Euro.

Das erbetene Ausfallgeld würde 10 Prozent des zu erwartenden Verlustes abdecken. Die Einzelhilfe ist auf 10 Prozent des Vorjahresumsatzes einer Veranstaltung, die 2020 ausfällt, und maximal 150 000 Euro begrenzt. Organisatoren, die ihre Rennen in den Herbst dieses Jahres verschieben, erhalten diese Unterstützung nicht.

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Was passiert mit ausgefallenen Veranstaltungen?

Schölermann und seine Mitstreiter wollen verhindern, dass bei den derzeitigen Hilfen für den Sport insbesondere die privaten Veranstalter wie Sportagenturen, aber auch Vereine durch den Rost fallen. Die bisherigen Programme erlauben Soforthilfen für Klubs, wenn sie in ihrer Rolle als Arbeitgeber oder bei der Unterhaltung eines wirtschaftlichen Geschäftsbetriebes in Liquiditätsschwierigkeiten geraten. Nicht erfasst sind aber ausgefallene Veranstaltungen. Dieser Bereich wird nur teilweise regional abgedeckt – wie durch den Notfallfonds Hilfe Covid-19 der niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung. Sie unterstützt von Absagen getroffene Vereine und Organisationen einmalig bis maximal 500 Euro.

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Die Läufer-Bilder vom Sprengel-Museum. ©

"Haben Urkunden, Medaillen und Finishershirts, die nicht zu verwenden sind"

Eichel nannte Beispiele, inwieweit ihre Agentur und auch Vereine betroffen sind. „Wir haben Urkunden, Medaillen und Finishershirts gekauft, die nicht zu verwenden sind“, sagte die hannoversche Marathon-Cheforganisatorin. Auch in Bereichen wie Athletenverpflegung oder Anmeldewesen gab es Vorleistungen, die vergebens, aber keinesfalls umsonst waren. Eichel sorgt sich aber auch um Ausrichter von Läufen mit 1000 Startern oder weniger. „Gerade die kleinen Veranstalter trifft eine Absage ins Mark“, sagte sie. „Ich fürchte, dass ohne Soforthilfe mancher Organisator sich überlegen wird, ob er 2021 einen neuen Anlauf unternimmt.“

Region Hannover bangt um Vielfalt

Die Region Hannover mit dem bundesweit einzigartigen Sparkassen-Laufpass, der bis zu 40 Wettkämpfe umfasst, könnte dann ihre bisherige Rennvielfalt einbüßen.