20. Januar 2021 / 15:35 Uhr

Hinrunden-Bilanz von Wolfsburg-Manager Schmadtke: "29 Punkte – das ist gut"

Hinrunden-Bilanz von Wolfsburg-Manager Schmadtke: "29 Punkte – das ist gut"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Im Interview: VfL-Manager Jörg Schmadtke.
Freut sich für das Team des VfL Wolfsburg: Manager Jörg Schmadtke. © Swen Pförtner/dpa
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Mit dem 2:0 am Dienstagabend bei Mainz 05 hat der VfL Wolfsburg die Hinrunde in der Fußball-Bundesliga abgeschlossen. Was war gut? Wer war gut? Und was muss in der Rückrunde besser werden?

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Sieben Siege, acht Remis und nur zwei Niederlagen – der VfL mischt im Kampf um die internationalen Plätze voll mit. „29 Punkte – das ist gut“, lobt Manager Jörg Schmadtke, nachdem die Wolfsburger mit dem 2:0 am Dienstagabend in Mainz die Hinrunde erfolgreich abgeschlossen haben. Zurücklehnen dürfe man sich jetzt trotzdem nicht, denn: „Nach 17 Spieltagen hat man selten etwas für das, was man geleistet hat, bekommen.“

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Was war gut? „Nur zwei Niederlagen – und die bei den Bayern und in Dortmund, wo es möglich war, auch mit einem Punkt rauszugehen. Es passt einfach“, sagt der Manager, der gemeinsam mit Sportdirektor Marcel Schäfer diesen Kader zusammengestellt und Trainer Oliver Glasner geholt hat. Ein Kader, der sich trotz Last-Minute-Aus in der Europa-League-Quali in Athen oder Transfer-Zoffs (Glasner hätte gern einen Spieler mit Tempo und Tiefgang gehabt) nicht aus der Bahn werfen ließ. Ganz im Gegenteil: Offenbar war der Ärger nach Glasners Transfer-Kritik eher hilfreich als störend. Schmadtke: „Die Mannschaft war störungsresistent, sie hat ihren Job gut gemacht - egal, was passiert ist.“

<b>Koen Casteels</b>: Da, wenn er gebraucht wurde, wurde jedoch selten bis gar nicht gebraucht. - Note: 3. Zur Galerie
Koen Casteels: Da, wenn er gebraucht wurde, wurde jedoch selten bis gar nicht gebraucht. - Note: 3. ©

Wo ist noch Verbesserungspotenzial? In Sachen Tordifferenz (plus sieben) gebe es noch Luft nach oben. "Die ist ausbaufähig“, sagt Schmadtke. Denn: Wenn die Teams auch am Ende der Saison in der Tabelle so eng beieinander bleiben sollten, könnte eine gute Tordifferenz im Kampf um Europa ausschlaggebend sein. Schmadtke: „Da haben wir ja noch etwas vor...“ 26 Tore hat der VfL geschossen – und ist damit in den Top Ten der Liga Schlusslicht, andererseits hat er mit nur 19 Gegentreffern die drittbeste Abwehr aller Teams.

Wie groß ist der Anteil von Wout Weghorst? Der Top-Torjäger hat in Mainz sein zwölftes Liga-Tor geschossen – so viele hat in der Bundesliga-Historie des VfL noch kein Wolfsburger in einer Hinrunde erzielt. Bisheriger Rekordhalter war Grafite, der die Marke von elf Treffern nach den ersten 17 Spieltagen in der Meister-Saison 2008/09 aufgestellt hatte. Schmadtke: „Wout hat in seiner ersten Saison bei uns 17 Tore geschossen, in seiner zweiten 16, jetzt hat er zur Halbserie zwölf gemacht – das ist eine Entwicklung, die ihm zuzutrauen war und ist.“ Der Sturm-Riese sei „sehr fleißig“ und „sehr zielorientiert. Er hat in Mainz kein großartiges Spiel gemacht, nichtsdestotrotz läuft er nach einem Fehler eines Abwehrspielers auf den Torwart zu und sieht dann die Möglichkeit, den Ball ins Tor zu lupfen – das spricht für sein Selbstvertrauen.“

Wie groß ist der Frust bei Kapitän Josuha Guilavogui? Während Weghorst eine Top-Hinrunde hinter sich hat, war es für Guilavogui die schwerste in seiner VfL-Zeit. Der kampfstarke Mittelfeldspieler hat nach einer Verletzung zu Saisonbeginn seinen Stammplatz verloren. „Es kommt bei ihm wahrscheinlich das Gefühl auf, dass er nicht mehr so gebraucht wird, aber dem ist nicht so“, versichert der Manager. „Ich finde, dass er ein sehr wertvoller Spieler in unserem Konstrukt ist – das zeigt er, wenn er reinkommt, weil er gute Leistungen abliefert. Darüber hinaus ist er auch neben dem Platz ein wichtiger Bestandteil unserer Truppe, weil er viele Dinge im Sinne der Mannschaft und im Sinne des Leistungsgedanken regelt.“

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Hat er VfL-Shootingstar Maxence Lacroix solch eine Hinrunde zugetraut? Schmadtke und Schäfer hatten den Innenverteidiger im Sommer aus der zweiten französischen Liga aus Sochaux geholt, der Abwehrmann erkämpfte sich sofort einen Stammplatz und verteidigte den mit starken Leistungen. Obwohl Lacroix anfangs hier und da auch mal patzte, kämpfte er sich immer wieder in die Spiele zurück. Schmadtke: „In den Gesprächen mit ihm war zu spüren, dass wir da einen jungen Mann haben, der sich weiterentwickeln möchte.“ Natürlich habe Lacroix den einen oder anderen Fehler gemacht. „Die waren hin und wieder für ihn aber auch für den Verein schmerzlich, ich erinnere da an Athen“, sagt der Manager und denkt dabei ans EL-Quali-Aus. „Aber wie er dann mit solchen Dingen umgeht und wie resistent er dann auch bleibt, ist gut und spricht für ihn.“

Was wünscht er sich für die zweite Saison-Hälfte? „Die Kleinigkeiten verbessern und für die Rückrunde wäre es schön, wenn wir gegen einen der großen Fünf, Sechs gewinnen würden, damit dieses Thema endlich mal beendet ist“, so der 56-Jährige. Nach einem beachtlichen 0:0 zum Start in die neue Saison gegen Bayer Leverkusen hatte es sowohl in München (1:2) als auch in Dortmund (0:2) sowie gegen Union Berlin und gegen RB Leipzig (jeweils 2:2) kein Sieg gegen ein Team aus den Top Sechs gegeben.

Wo soll der VfL am Saisonende landen? „Das kann man jetzt noch nicht sagen, die Bundesliga ist manchmal ein komisches Konstrukt, weil Hochrechnungen in der Regel nicht immer funktionieren“, sagt der Manager. „Alle sind gut beraten, von Spieltag zu Spieltag zu schauen und sich weniger Gedanken darüber zu machen, was im Mai sein könnte.“ Das Ziel ist klar: Der VfL will nach Europa, am liebsten in die Champions League, „weil das für den Klub, für die wirtschaftliche Situation und auch für den Spaß-Faktor ein freudigeres Ereignis wäre als die Euro League, wobei die auch in Ordnung ist“, sagt Schmadtke und fügt schmunzelnd hinzu: „Wenn ich es mir aber aussuchen kann, nehme ich lieber das große Paket.“