25. September 2020 / 11:06 Uhr

Platzverweis! Ist es unsportlich, sich hinter die Freistoßmauer zu legen?

Platzverweis! Ist es unsportlich, sich hinter die Freistoßmauer zu legen?

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Joshua Kimmich legt sich im Länderspiel gegen die Niederlande hinter die deutsche Freistoßmauer. Der Schiedsrichter hat damit kein Problem.
Joshua Kimmich legt sich im Länderspiel gegen die Niederlande hinter die deutsche Freistoßmauer. Der Schiedsrichter hat damit kein Problem. © Getty Images
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Bei Profis sieht man es immer häufiger, und auch Amateure gucken sich die Idee ab: Ein Spieler legt sich hinter die Mauer, um den Ball abzufangen, wenn die Mitspieler hochspringen. Aber ist das erlaubt? Im Harz bekam ein Kreisklasse-Kicker für eine solche Aktion Gelb-Rot. Zu Unrecht, sagt #GABFAF-Supporter und Ex-Fifa-Schiedsrichter Babak Rafati.

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[Update vom 29. September: Der NFV-Kreis hat die Sperre gegen den Spieler aufgehoben.]

Gleich am ersten Spieltag hat die 1. Fußball-Kreisklasse A Göttingen-Osterrode eine Szene erlebt, die für mächtig Gesprächsstoff sorgt. Es lief das Harz-Derby zwischen FC Merkur Hattorf und SV Rot-Weiß Hörden. Die Gastgeber führten mit 1:0. In der 69. Minute verloren die Hördenern kurz vor dem eigenen Strafraum den Ball. Die Gastgeber wollten schnell nach vorne spielen, Hördens Kapitän Mehmet Celik unterband den Pass mit einem Handspiel und sah folgerichtig Gelb.

Beim folgenden Freistoß stellten die Hördener ihre Mauer, und ein Teamkollege gab Celik den Tipp, sich dahinter zu legen. „Im Fernsehen habe ich das schon ein paar Mal gesehen, Joshua Kimmich hat das gemacht und auch der Sabitzer von Leipzig. Auch im DFB-Pokal war das gerade erst zu sehen. Die Hattorfer haben ein paar clevere Spieler dabei, denen so ein Schuss unter der Mauer durchaus zuzutrauen ist, also hab ich mich hingelegt.“

Doch zum Freistoß kam es erstmal nicht: Der Schiedsrichter schritt ein und zeigte Celik ohne Vorwarnung die gelb-rote Karte. „Ich habe gedacht, ich bin im falschen Film“, sagt der. „Wenn der Schiri das als Unsportlichkeit sieht, hätte er mich zumindest auffordern können aufzustehen, ich wäre natürlich aufgestanden.“

Celik selber suchte im Anschluss an die Begegnung das Gespräch mit dem Schiedsrichter, fand aber wenig Gehör. „Ich habe ihm gesagt, dass so eine Aktion gerade erst im DFB-Pokal zu sehen war, das hat ihn aber nicht interessiert. Er meinte, er pfeift nach FIFA-Regeln“, berichtet der Hördener. Auch Trainer Uwe Lauenstein bezweifelt, dass sein Spieler gegen eine Regel verstoßen hat. „Ich wüsste nicht, dass irgendwo steht, dass das verboten ist.“

Babak Rafati: Mauertrick ist regelkonform

Für diese Sichtweise bekommt er prominente Unterstützung. Der frühere Fifa-Schiedsrichter Babak Rafati bestätigt auf #GABFAF-Nachfrage: "Die Spielweise, sich hinter die eigene Mauer hinzulegen, ist regelkonform und daher nicht strafbar." Rafati geht deshalb davon aus, dass Rot-Weiß Hörden mit einem fristgerechten Protest Erfolg hätte. Das Spiel müsste dann wiederholt und der Platzverweis revidiert werden.

Auch Björn Maertens, Schiedsrichterlehrwart für den Bezirk Braunschweig, sieht bei einer solchen Aktion „keinen Regelkonflikt“. Ihm sei „nicht bekannt, dass man das nicht darf. Der Spieler muss lediglich 9,15 Meter Abstand zum Ball haben“, so Maertens zu #GABFAF. „Für das Hinlegen an sich darf der Spieler nicht bestraft werden.“ Allerdings müsse man den Spielbericht abwarten. Es könnte ja auch sein, dass der Gäste-Kapitän für etwas anderes vom Platz gestellt wurde.

Von Robert Koch, Milan Ott und Robin Jantos