31. März 2021 / 15:38 Uhr

Schock für Leipzigs Nachwuchssportler: Erneute Zwangspause bis mindestens 18. April

Schock für Leipzigs Nachwuchssportler: Erneute Zwangspause bis mindestens 18. April

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Feature / Weitwinkel / Totale / Überblick der Sportanlage des BSV Schönau am Leipziger Cottaweg am 28.08.2018 in Leipzig (Sachsen).
Auf Leipzigs Sportplätzen kehrt erst einmal wieder erzwungene Ruhe ein. © Christian Modla
Anzeige

Das Trainingsglück von Leipzigs Nachwuchssportlern war ein kurzes. Ab Donnerstag bleiben Außensportanlagen wieder verwaist, wird damit die eigentlich abgesagt Osterruhe nun auf andere Weise hergestellt. Und dabei bleibt es nicht. Die Stadt Leipzig will eine für inzidenzunabhängiges Nachwuchstraining nötige Allgemeinverfügung zunächst nicht erlassen.

Anzeige

Leipzig. Leipzig zieht die Notbremse und die Nachwuchssportler gucken in die Röhre. Wie Oberbürgermeister Burkhard Jung am Mittwoch in der Ratsversammlung mitteilte, dürfen Kinder und Jugendliche ab Donnerstag nicht mehr trainieren. Gleiches gelte für den Individualsport allein oder zu zweit im Freien. Dazu gehören zum Beispiel Tennis oder Golf. Ein entsprechender Brief des Amtes für Sport ging den Betreibern oder Pächtern von Außensportanlagen am Mittwoch zu. Inhalt: eine Nutzungsuntersagung. Und zwar nicht nur für die kommenden Tage, sondern gleich bis zum 18. April. Ausnahmen gibt es lediglich für Kadersportler. Otto-Normal-Sportler bleibt damit einmal mehr das einsame Joggen im Park, das Radfahren allein oder die Gymnastik in den heimischen vier Wänden.

Anzeige

Leipzig will keine Sonderregelung

Zwar erlaubt die ab Donnerstag gültige Sächsische Corona-Schutz-Verordnung für den Nachwuchssport inzidenzunabhängig das Training im Freien für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren. Allerdings ist das erst ab 6. April der Fall. Darüber hinaus ist eine separate Genehmigung der zuständigen Kommune bzw. des Landkreises, in diesem Fall der Stadt Leipzig, erforderlich. Diese müsste eine Allgemeinverfügung erlassen. Das wird die Kommune allerdings nicht tun.

Der Grund: Die Stadt darf nur dann eine Ausnahme verfügen, solange die Anzahl der mit Covid-19-Patienten belegten Klinikbetten auf Normalstationen in Sachsen insgesamt die Zahl von 1300 nicht übersteigt. "Wir haben im zuständigen Ministerium in Dresden angefragt. Uns wurde mitgeteilt, dass wir uns lieber nicht darauf verlassen sollen, dass das in der kommenden Woche noch der Fall sein wird", teilte Stadtsprecher Matthias Hasberg auf SPORTBUZZER-Anfrage mit. Deshalb habe man sich entschlossen, zunächst keine separaten Regelungen zu erlassen. Am Mittwoch lag die Zahl der belegten Betten bei 1054. "Wird der Betten-Grenzwert in der kommenden Woche nicht erreicht, müssen wir neu überlegen", so Hasberg. Dazu wird es nun offenbar nicht kommen, denn das Amt für Sport hat mit seinem Schreiben Tatsachen für die nächsten knapp drei Wochen geschaffen.

Nordsachsen macht es genau andersrum

Die Mitteilung des Oberbürgermeisters sorgt für Entsetzen bei Stadtrat Oliver Gebhardt (Die Linke). "Ich bin zutiefst enttäuscht und wütend, dass wir Kinder und Jugendliche wieder verstärkt isolieren und der Sport zum Stillstand kommt.", so Gebhardt, der sich im Ehrenamt als Vizepräsident des Fußballverbandes der Stadt Leipzig engagiert. "Ein vernünftiges, staatlich finanziertes Testkonzept und die Umsetzung der Hygienekonzepte hätten diese Situation vermieden. Die Verantwortung für dieses Desaster trägt alleine die Landes- und Bundesregierung."

Den umgekehrten Weg will der Landkreis Nordsachsen gehen. Dort waren Mädchen und Jungen in den Sportvereinen aufgrund der hohen Inzidenzwerte bisher zur Untätigkeit verdammt, herrschte ein striktes Trainingsverbot für Sportgruppen. Ab 6. April, also kommendem Dienstag, wollen die Verantwortlichen dort gemeinsame Einheiten von Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren in Gruppen von bis zu 20 Personen in Außenbereichen erlauben. Das geht aus einer internen Mitteilung hervor die Donnerstag oder Freitag veröffentlicht werden soll. Auch hier wird mit der Bettenbelegung in Sachsen Kliniken und der Grenze von 1300 argumentiert, allerdings in die andere Richtung. Motto: So lange die Grenze nicht erreicht ist, wird geöffnet. Die Rechnung in geht so: Pro Woche kommen etwa 100 Patienten hinzu (vorige Woche waren 940 Betten belegt). Am Mittwoch waren es 1054. So blieben den nordsächsischen Nachwuchsportlerinnen und -sportlern mindestens zwei Wochen.