04. April 2020 / 19:20 Uhr

Methadon für Ballsüchtige: So lief die erste historische Bundesliga-Konferenz bei Sky

Methadon für Ballsüchtige: So lief die erste historische Bundesliga-Konferenz bei Sky

Imre Grimm
RedaktionsNetzwerk Deutschland
<i>Sky</i> zeigte in der historischen Samstagskonferenz fünf Partien aus der Konserve.
Sky zeigte in der historischen Samstagskonferenz fünf Partien aus der Konserve. © imago images/Sven Simon
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Kein Live-Fußball wegen der Corona-Krise? Der Pay-TV-Sender Sky machte aus der Not eine Tugend – und zeigte die erste historische Bundesliga-Konferenz der Sportgeschichte. Das Ergebnis war sympathisch, aber überraschend bieder.

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Die Idee war charmant: Kein Live-Fußball? Seuchenpause ausgerechnet in der Schlussphase der Bundesliga? Na und? Dann basteln wir uns eben unseren eigenen Spieltag! Not macht erfinderisch. Und so gebar Sky eine Schnapsidee: Der Pay-TV-Sender zeigte am Sonnabend erstmals live ab 15 Uhr die „erste historische TV-Konferenz der Sportgeschichte“ - nachgebaut aus Konserven-Begegnungen exakt jener Spiele, die an diesem Tag gespielt worden wären: RB Leipzig gegen Hertha, Leverkusen gegen Wolfsburg, Hoffenheim gegen Köln, Augsburg gegen Paderborn und Mainz gegen Union Berlin. Ein Methadon-Programm für Ballsüchtige. Sportwetten wurden nicht angenommen.

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Erstes Problem: Ein Heimspiel von Mainz gegen Union hat es in der Bundesliga noch nie gegeben. Also zeigte Sky den Zweitliga-Knaller von 2002, als Mainz gegen die Berliner vergeblich um den Bundesliga-Einzug kämpfte, Frust-Tränen des damaligen 05-Trainers Jürgen Klopp inklusive. Das klang lustig, das sah lustig aus (kein HD!), und das war auch lustig (außer für Klopp und seine Spieler), jedenfalls zu Beginn, als der Ur-Mainzer und mittlerweile Ex-Coach Sandro Schwarz im Fake-Interview verkündete: „Die Vorfreude war gestern im Abschlusstraining schon groß.“ Ist klar. Blöd nur, dass er das falsche Trikot trug: Mainz spielte damals in Gelb, nicht in Weiß.

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Das alles hätte herrliches Gaga-Fernsehen werden können. Leider mangelte es an einer wichtigen Zutat: Humor. Mit heiligem Ernst arbeiteten sich die Kommentatoren wacker an ihren Partien ab, als gehe es um echte Punkte. Aber so ist das eben: Was ein gestandener Sportreporter ist, dem zeigst du ein paar rennende Fußballer, und er kann gar nicht anders, als die Sache in wohl dosierter Erregung reflexhaft wegzukommentieren.

Historische Sky-Konferenz: Ein bisschen mehr Trash hätte gut getan

Ein Schuss mehr Trash, ein bisschen mehr Mut zum Absurden hätte der Show gut getan (Ein paar erfundene Anekdoten? Weniger übliches Parlando? Zwei Partien, in denen ein Spieler zweimal gleichzeitig aufläuft? Oder – verrückte Idee - Schalke mal zum virtuellen Meister machen?). Lieber blieb man im sicheren Refugium der vertrauten Reporterbinsen. Der Versuch, auf der Glatze Locken zu drehen, war sympathisch und aller Ehren wert, im Ergebnis aber leider kaum spritziger als die „Tagesschau vor 20 Jahren“.

Fortsetzung oder Abbruch: So ist der Stand in den internationalen Topligen

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Was wäre die nächste Eskalationsstufe? Vorschlag: Die Spieler schicken per Playstation 3D-Hologramme ihrer selbst auf den Rasen und daddeln den Spieltag - noch realistischer als in der Virtuellen Bundesliga - an der Konsole aus. Überhaupt wird der Tag kommen, an dem sich die Liga einfach selbst aus dem Rechner generiert. Dann braucht sie keine Fans mehr. Und kann auf Plakate schreiben, was sie möchte.

Immerhin: Es gab 27 Tore in diesen fünf Spielen. Aber sicher ist nach diesem Nachmittag: Live ist live. Und frisch schmeckt einfach besser als aus der Dose (außer Mandarinen). Gewiss kann man große Spiele ergebnisunabhängig auch mal als Ballett genießen, als athletisches Tanztheater. Aber – sorry: Wir sprechen von der Bundesliga.