26. September 2021 / 19:59 Uhr

Historische Pleite: FC Eilenburg wird von Energie Cottbus überrollt

Historische Pleite: FC Eilenburg wird von Energie Cottbus überrollt

Susan Stephan
Leipziger Volkszeitung
Heftige Niederlage: Der FC Eilenburg verliert 0:9 bei Energie Cottbus.
Heftige Niederlage: Der FC Eilenburg verliert 0:9 bei Energie Cottbus. © imago images/Steffen Beyer
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Die ersatzgeschwächte Knaubel-Elf kommt bei Energie Cottbus unter die Räder und verliert mit 0:9. Die Fans aber überraschen das Team bei Ankunft und spenden Mut.

Cottbus. Das war bitterböse und tat verdammt weh: Der FC Eilenburg ist am Sonnabend von Energie Cottbus überrollt worden und verlor vor mehr fast 3.700 Zuschauern unfassbar mit 0:9 (0:3). Die „Rote Walze“ vom FC Energie rollte erbarmungslos über den FCE und war einfach nicht satt zu kriegen. „Ich habe gehofft, dass es nicht zweistellig wird“, sagte Eilenburgs Trainer Nico Knaubel nach dem Spiel noch sichtlich geschockt.

„Lasst euch von diesem Ergebnis nicht vom Weg abbringen“

Die Lausitzer, die zwei Wochen in Corona-Quarantäne waren, drehten auf und ließen nicht locker. Eilenburg fiel in der zweiten Halbzeit auseinander. „Ich wollte nie eine Mannschaft so zum Fraß vorwerfen. Wir wollten Charakter auf den Platz bringen und den Gegner vor Probleme stellen, das haben wir nicht geschafft“, so der Coach, der nicht nach Ausreden suchen wollte und mit keiner Silbe die Personalnot erwähnte. Neben den ohnehin Verletzten meldeten sich auch noch Philipp Sauer und Alexander Vogel verletzt, dazu fehlte Lok-Torschütze Adam Fiedler, der Vaterfreuden entgegenblickt. Damit waren neun (!) Spieler nicht dabei und auf der Bank saß neben Tzonatan Moutsa eine U19-Brigade.

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Die Mannschaft, die in Cottbus auf dem Platz stand, war an diesem Tag nicht wettbewerbsfähig. Ob sie sich „ergeben haben“ oder „qualitativ chancenlos waren“, wusste Knaubel so kurz nach dem Spiel. Wahrscheinlich war es eine Mischung aus beiden. Und dann hatte man das Pech, dass die jungen Talente von Energie nach zwei Wochen Quarantäne so richtig heiß liefern, jedes Tor frenetisch feierten und direkt nach dem zehnfachen Anstoß der Eilenburger aggressiv pressten. Energie-Trainer Claus-Dieter „Pele“ Wollitz schien sich auf der Pressekonferenz für die Torgala fast ein wenig zu schämen, versuchte die Eilenburger aufzubauen.

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„Als Spieler mit Schalke habe ich mal 1:8 gegen die Bayern verloren und am nächsten Wochenende haben wir 5:0 gewonnen. Lasst euch von diesem Ergebnis nicht vom Weg abbringen“, sagte er in Richtung der geknickten Eilenburger, die nur in den ersten zehn Minuten dagegenhalten konnten. Nach dem 1:0 (13.) – einem Strahl von Kapitän Axel Borgmann aus 20 Metern – nahm das Dilemma seinen Lauf. Cottbus traf innerhalb von 15 Minuten drei Mal und sorgte schon zur Pause für einen klaren Vorsprung. Nach dem Wechsel wurde es aus Eilenburger Sicht streckenweise peinlich.

„Wir halten auch in diesen schweren Zeiten fest zusammen“

Die Bälle flogen Andreas Naumann im Eilenburger Tor nur so um die Ohren, schlugen rechts und links ein. Die Eilenburger kamen nicht mehr in die Zweikämpfe, wirkten wie Statisten gegen eine beflügelte Energie-Elf, die den höchsten Heimsieg in einem Punktspiel in der Vereinshistorie feierte. Eilenburg ist ein Eintrag in die Geschichtsbücher des Ex-Bundesligisten sicher, auch wenn man auf diesen gern verzichtet hätte. Mut und ein kleines Lächeln ins Gesicht zauberten schließlich die Fans, die die Eilenburger mit Plakaten im Sparkassen-Nachwuchs-Fußballzentrum empfingen. „Wir stehen hinter euch“, skandierten die Anhänger.

Übrigens ist die aktuelle Mannschaft nicht die Erste, die im Punktspiel eine derartige Schlappe einstecken musste. Vor Jahrzehnten – kurz nach der Wende - kassierte der Vorgängerverein des FC Eilenburg, der SV Mörtitz, beim VFC Plauen eine 0:9-Packung. Der Vorteil: Damals gab es noch kein Internet, keine Live-Bilder. Das Dilemma Ergebnis blieb im „Dorf“ und die Spieler von einst sind heute noch beste Freunde. „Man gewinnt zusammen, man verliert zusammen. Und fest steht: Wir halten auch in diesen schweren Zeiten fest zusammen und hoffen, dass die Verletzten schnell zurückkehren“, sagte Eilenburgs Teamchef Stephan Hofmann. Schon am Sonntag wartet in Chemnitz der nächste dicke Brocken.


FCE: Naumann, Nathe (46. Pascal Sauer), Majetschak, dos Santos, Michael, Wadewitz, Kim, Dimespyra (65. Meseberg), Assaf (46. Moutsa), Baumann, Stelmak