08. September 2019 / 14:47 Uhr

Historischer Auftritt von Chemie Leipzig in Frankfurt

Historischer Auftritt von Chemie Leipzig in Frankfurt

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
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Die Leutzscher in Frankfurt/Main. © Christian Donner Photography
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Für den Regionalligisten aus Leutzsch gab’s eine 1:5-Niederlage, allerdings auch Euphorie und einen Scheck über 100 000 Euro.

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Leutzsch. Was für ein Tag in der Geschichte der BSG Chemie: Historisch! Einmalig! Unfassbar! So lauteten die Kommentare der euphorisierten Leutzscher Gemeinde. Über 2000 grün-weiße Fans waren nach Frankfurt am Main gekommen, um das Freundschaftsspiel ihrer BSG Chemie gegen Bundesligist Eintracht Frankfurt zu erleben.

Per Fahrrad, Sonderzug, ICE, Auto, Bus oder Flugzeug – so ziemlich jedes Transportmittel war dabei. Sogar eines der legendären Krause-Duos war an den Main gereist, allerdings auf einem Autoanhänger. Das mit den Logos beider Vereine beklebte und mit einem Adlerkopf verzierte Kult-Gefährt aus DDR-Zeiten war das Gastgeschenk der Leipziger.

Die meisten Chemiker kamen natürlich aus Leipzig, aber auch aus der Schweiz, den USA und vielen Städten Deutschlands waren „Exil-Chemiker“ angereist. Ein gigantischer Festtag, an dessen Ende eine 1:5-Niederlage und ein 100 000-Euro-Scheck für das so ersehnte Flutlicht standen. Schatzmeister Florian Berger: „Das ist ein riesengroßer Schritt. Inzwischen haben sich etwa 320 000 Euro auf dem Flutlichtkonto angesammelt.“

DURCHKLICKEN: Fotos des kultigen Geschenks der BSG Chemie

So sieht das grün-schwarze Vehikel aus. Zur Galerie
So sieht das grün-schwarze Vehikel aus. ©
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Denn auch die Sondertrikots, die eigens für das Spiel angefertigt worden waren, wurden dem Fanshop förmlich aus den Händen gerissen. 700 Stück gingen innerhalb einer Stunde über den Tresen, dann hieß es: Ausverkauft! Im Onlineshop sind allerdings noch Exemplare erhältlich. Aber auch die restlichen Artikel gingen wie geschnittenes Brot – die Fanfreundschaft der Chemiker mit den Frankfurtern ist längst über eine reine Ultra-Freundschaft hinaus gewachsen. Überall standen die Fanlager vermischt, wurde auf hessisch und sächsisch gebabbelt und dem Äbbelwoi, dem hessischen Nationalgetränk, gefrönt.

Geschichten um den Bockenheimer Bembel

Dabei wurde manche Story ausgetauscht, unter anderem die: Frankfurts Fan-Urgestein Tommy Kummetat brachte in den 80er Jahren das Fanzine „Bockenheimer Bembel“ heraus. Das wurde blattweise per Post zu Jens Heeg nach Leipzig geschmuggelt und rege herumgereicht. So landete es auch beim Fanclub West, der sich daraufhin in dem Blättchen vorstellte und alsbald Antwort bekam – aus Bonn. Kurz darauf standen dann 20 junge Bonner SC-Fans in Leipzig auf der Matte – aber das ist wieder eine andere Geschichte...

Highlights vom Benefizspiel zwischen BSG Chemie und Eintracht Frankfurt

Inmitten des 90-minütigen Dauersupports der 9000 Zuschauer(!) zelebrierten Eintracht-Neuzugang Silva und die anderen Bundesliga-Asse einen schönen Spielzug nach dem anderen, Chemie hielt tapfer dagegen und stürmte seinerseits, was das Zeug hielt. So konterten die Gäste nach dem 1:0 der Eintracht durch Silva (16. min) selbstbewusst, Nikolajewski spielte rechts auf Petracek durch, der schüttelte seinen Gegenspieler trotz harter Bedrängnis ab und vollendete aus spitzem Winkel mit einem echten Hammer zum 1:1. Fast wäre den Leutzschern gar der Führungstreffer gelungen, als der Torschütze nach einer Balleroberung den Ball aus 35 Metern über den Torwart an die Latte lupfte (38. min).

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Statt der Sensation traf der Bundesligist im Gegenzug zur erneuten Führung durch Durm und gewann letztendlich klar mit 5:1. „Am Ende hat man den Unterschied klar gesehen, aber wir haben einige tolle Momente gehabt, wollen jetzt in Halberstadt auch was mitnehmen“, erklärte Trainer Miro Jagatic. Das Sportgericht hat indessen getagt, den Einspruch der Leutzscher zurückgewiesen und den fan- und amateurfeindlichen Mittwoch (11. September 2019) als Spieltag bestätigt.

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Impressionen von der Fanfahrt der BSG Chemie zu Eintracht Frankfurt Zur Galerie
Impressionen von der Fanfahrt der BSG Chemie zu Eintracht Frankfurt ©

Nach dem Spiel wurde noch fast eine Stunde im Stadion weitergefeiert, die Spieler drehten mehrere Ehrenrunden, Chemie-Vorstandsvorsitzender Frank Kühne zeigte stolz den 100 000-Euro-Scheck in den Fanblock. Um Mitternacht startete die große, von den Ultras organisierte Fanparty, die bis in die frühen Morgenstunden andauerte. Da waren die Chemie-Spieler längst wieder auf den Beinen und auf der von der Eintracht organisierten Stadionführung. Und im Bus zurück begann die Aufarbeitung eines großartigen Tages – und die Vorbereitung auf Halberstadt.

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