13. Januar 2017 / 17:40 Uhr

Hobbykicker und Bundesligatrainer? Benjamin Duda macht's vor! 

Hobbykicker und Bundesligatrainer? Benjamin Duda macht's vor! 

Sascha Priesemann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hämelerwalds Benjamin Duda gegen Dominik Becker
Im Einsatz für die Adler Hämelerwald: Benjamin Duda. © Sascha Priesemann
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Benjamin Duda trainiert seit sechs Jahren die B-Junioren von Eintracht Braunschweig – und kickt auch noch in seiner Freizeit bei den Adlern Hämelerwald.

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Von morgens bis abends, von montags bis sonntags. Fußball bestimmt das Leben von Benjamin Duda. Der 28-Jährige spielt nicht nur in der Freizeit bei den Adlern Hämelerwald in der Bezirksliga Staffel 2. Nein, auch beruflich beschäftigt er sich mit dem runden Leder, denn der Peiner trainiert er in der Bundesliga Nord/Nordost die U17 von Eintracht Braunschweig – und das seit nunmehr sechs Jahren. 

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Viel Zeit für andere Dinge bleibt da kaum, selbst zum Training in Hämelerwald schafft er es nicht regelmäßig. „Ich bin so gut wie nie zweimal die Woche da. Das geht einfach nicht. Aber jeder weiß, dass ich in der Zeit nicht faul zu Hause auf dem Sofa liege“, sagt Duda.

60 Stunden Arbeit 

Der Job als professioneller Jugendtrainer sei ein sehr abstrakter Beruf. „Viele denken, das ist eine lockere Sache. Man macht viermal die Woche Training und am Wochenende ist ein Spiel. So ist das aber nicht“, erklärt der 28-Jährige. Videoanalysen, Gegnerbeobachtung, Spielergespräche, Trainingsvorbereitung aber auch Büroaufgaben wie etwa die Pflege der vereinsinternen Datenbank würden zum Job gehören. „Das können bis zu 60 Wochenstunden werden.“

Vor 14 Jahren legte Duda den Grundstein für seine Trainerlaufbahn. Als Jugendlicher übernahm er damals zusammen mit seinem Zwillingsbruder Michael, der heute die U 15 der Eintracht coacht, die F-Jugend des VfB Peine. 

Die Geschwister arbeiteten sich kontinuierlich voran, Benjamin Duda trainierte später eine Peiner Stützpunkt-Auswahl und war gerade mit seinem Sportstudium fertig, als der Anruf von der Eintracht kam. „Ich war überrascht, aber auch sehr froh, dass die Arbeit wahrgenommen wurde“, erinnert sich Duda. Die Braunschweiger waren damals von der dritten in die zweite Liga aufgestiegen, professionellere Strukturen im Nachwuchsbereich mussten her. Seit diesem Umbruch ist Duda dabei und führte die U 17 von der Regionalliga Nord in die Bundesliga.

Während bei Hannover 96 mit Steven Cherundolo ein früherer Nationalspieler und Ex-Profi die B-Junioren trainiert, hat Duda nie höher als Bezirksliga gespielt. Ist das ein Problem? „Nein“, sagt Duda, „mir fehlt natürlich diese Erfahrung. Es ist aber heutzutage keine Voraussetzung mehr.“ Wichtig sei, dass der Trainer das Spiel verstehe und eine Mannschaft führen könne. Dudas Vorbild ist übrigens Jürgen Klopp: „Ich mag es, wie er selbst und seine Mannschaften fußballerisch auftreten.“

Die Hämelerwalder Benjamin Duda und Philipp Geyer freuen sich über das 1:0.
Die Hämelerwalder Benjamin Duda und Philipp Geyer freuen sich über das 1:0. © Sascha Priesemann

„Er kann das Spiel lesen“

Bei den Adlern nimmt sich Duda bewusst zurück, aber nicht weil etwa die Hälfte der Mannschaft den Roten die Daumen drücken. Als der 28-Jährige zusammen mit Sören Walther vor anderthalb Jahren von Bildung Peine kam, habe er mit Trainer Peter Wedemeyer direkt ausgemacht, dass das für ihn nur Freizeit sei. „Ich bin nicht sein verlängerter Arm auf dem Platz“, macht Duda deutlich. 

Wedemeyer, trainierte ihn bereits in der D-Jugend von Arminia Vöhrum: „Hin und wieder rufe ich ihn aber schon einmal an, um zum Beispiel eine taktische Grundausrichtung zu diskutieren.“ Für den Adler-Coach ist der offensive Mittelspieler enorm wichtig auf dem Platz. „Er kann das Spiel lesen“, sagt Wedemeyer.

Der Peiner fühlt sich jedenfalls pudelwohl in Hämelerwald. „Das ist mit Abstand meine beste Station im Amateurbereich gewesen.“ Daran ändere auch nichts, dass es für den Aufsteiger in dieser Saison bisher alles andere als rosig aussieht. Nach der Hinrunde sind die Adler Letzter.

„Die Euphorie ist noch da. Es sind nur vier Punkte auf einen Nichtabstiegsplatz. Von uns hat sicherlich niemand heulend unter dem Weihnachtsbaum gesessen“, sagt Duda, der seine Trainerkarriere irgendwann im Herrenbereich fortsetzen will. Ein Verein mit professionellen Strukturen von der ersten bis zur vierten Liga sei das Ziel, dafür arbeitet Duda – von morgens bis abends.