25. Januar 2021 / 12:04 Uhr

Hochspannung an der Spitze, schwächelnde Favoriten: Die Kreisliga 4 im Check

Hochspannung an der Spitze, schwächelnde Favoriten: Die Kreisliga 4 im Check

Tobias Kurz
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Pattenser Reserve mit Trainer Sebastian Franz (links) und die Hemminger Reserve mit Trainer Benjamin Weißschuh (rechts) kämpfen um den Staffelsieg - die besten Karten hat aktuell der BSV Gleidingen (Mitte).
Die Pattenser Reserve mit Trainer Sebastian Franz (links) und die Hemminger Reserve mit Trainer Benjamin Weißschuh (rechts) kämpfen um den Staffelsieg - die besten Karten hat aktuell der BSV Gleidingen (Mitte). © Mirko Haendel / Dennis Michelmann
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Der Ball ruht in der Kreisliga seit über drei Monaten - und daran wird sich auch erstmal nichts ändern. Wir nutzen die Pause, um in der Staffel 4 einmal den Check zu machen: Wer spielt oben mit? Wer steckt im Abstiegskampf? Und wer hat sich wie verstärkt?

Ende Januar würden die ersten Kreisligateams normalerweise schon in die Rückrundenvorbereitung starten. Das wird nichts, auch mit einer Rückkehr auf den Platz im Februar rechnet kaum ein Klub. Die Mannschaften aus der Kreisliga 4 gehen sehr unterschiedlich mit der Situation in der XXL-Winterpause um.

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Der TSV Pattensen II ist schon in die „Vorbereitung auf die Vorbereitung“ gestartet – ohne Kontakt. Zweimal die Woche treffen sich die Pattenser virtuell und arbeiten gemeinsam im Taktik- und Fitnessbereich. Zusätzlich bekommen die Spieler ein individuelles Programm, das sie wöchentlich dokumentieren müssen. Der TSV geht nicht ohne Grund hoch motiviert in die zweite Saisonhälfte. Immerhin steht die Pattenser Landesligareserve punktgleich mit Spitzenreiter TuS Wettbergen auf Platz zwei. „Wir haben einen weiteren Entwicklungsschritt gemacht und verinnerlichen immer mehr den Fußball, den wir spielen wollen“, lobt Trainer Sebastian Franz.

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BSV Gleidingen legt nach

Härtester Konkurrent ist neben Wettbergen der BSV Gleidingen, der sich mit einem Sieg im Nachholspiel wieder an die Spitze setzen könnte. Nach Abstiegskampf in der Vorsaison durchaus etwas überraschend – nicht aber für Trainer Dimitri Kiefer. „Ich habe es am Anfang der Saison gesagt, dass wir definitiv oben mitspielen können“, sagt er. Die Ambitionen untermauerte der BSV mit seinen Wintertransfers. Seleman Nuri (zuletzt TuSpo Schliekum) und Daifallah Mane Awad (SV Arnum) stoßen zum Team, beide sind bezirksligaerprobt.

"Wir hatten richtig geile Spiele..."

Ebenfalls mit dabei im engen Vierkampf um den ersten Platz ist der SC Hemmingen-Westerfeld II, der nach einer soliden ersten Kreisligasaison noch mal einen Satz gemacht hat. Dennoch fällt das Zwischenfazit von Trainer Benjamin Weißschuh gemischt aus. „Wir hatten richtig geile Spiele und konnten dann eine Woche später nicht daran anknüpfen“, hadert er. „Ich denke, das ist unserem Durchschnittsalter geschuldet.“

Hillerns zurück in Hemmingen

Mit Lennart Hillerns, bis 2019 für die Landesligamannschaft des SCH am Ball, soll deshalb ein reaktivierter Routinier für mehr Ruhe im Spiel sorgen. Zudem kehrt Leon Trakowski vom Koldinger SV zurück. Viktor und Ferdinand Grötz (beide nach Hamburg gezogen) stehen dafür nur noch sporadisch bereit. Mit einem baldigen Restart rechnet Weißschuh nicht. „Ich glaube an eine Fortsetzung frühestens im April – wenn überhaupt.“

Springer Lauf jäh gestoppt

Ähnlich pessimistisch ist André Buchholz, Trainer des FC Springe. „Wenn der Lockdown bis Ostern geht, werden wir nicht mehr viele Spiele haben“, sagt Buchholz. Mit der Entwicklung seiner neu formierten Mannschaft ist er zufrieden. „Vor der Pause hatten wir einen kleinen Lauf, deshalb ist es für uns doppelt bitter, dass die Saison unterbrochen wurde“, sagt er. Verstärkt haben sich die Springer mit Hendrik Garbe vom Ligakonkurrenten SG 05 Ronnenberg, Jan Buchholz ist dagegen zur SG Kirchwehren/Lathwehren zurückgekehrt.


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Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. ©

Wilkenburg verstärkt sich - Grasdorf hat neuen Co-Trainer

Unverhofft im Abstiegskampf statt im Rennen um die vorderen Plätze stecken der SV Weetzen, Germania Grasdorf und der SV Wilkenburg. Gerade die Grasdorfer liefen ihren eigenen Aufstiegsansprüchen in der Hinserie hinterher. „Das lag an mehreren Faktoren, vor allem aber an der Einstellung und der fehlenden absoluten Leistungsbereitschaft“, kritisiert Trainer Jan Hentze. Der Chefcoach muss in der Rückrunde ohne seinen spielenden Co-Trainer Ali Kara auskommen, der aus persönlichen Gründen aufhörte. Ein Nachfolger ist aber schon gefunden. Alexander Kocijasevic, zuletzt Jugendtrainer bei der Germania, probiert sich erstmals im Herrenbereich. "Er wird unseren Jungs gut tun und weitere Reize auf und neben dem Platz setzen", freut sich Hentze.

In Wilkenburg sieht man die bisherige Ausbeute weniger kritisch, obwohl die Ansprüche wie in Grasdorf höher als das Erreichte waren. Doch die lange Verletztenliste stimmt versöhnlich. Enrico de Marco (vom TuS Davenstedt) und Jared Fröhnel (Döhren) sollen die personellen Möglichkeiten für Trainer Rüdiger Hoffmann in der Rückrunde erhöhen.

SG05-Coach Lüders fürchtet Saisonabbruch

Vorerst ohne Neuzugänge gehen der FC Eldagsen II und die SG 05 Ronnenberg in die zweite Saisonhälfte. Das Duo belegt aktuell die Abstiegsränge, liegt aber nur knapp hinter der Konkurrenz. „Wir haben uns schnell an das hohe Tempo der Kreisliga gewöhnt und viele Spiele auf Augenhöhe geführt. Das war so nicht zu erwarten“, sagt FCE-Coach Karsten Bürst.

Auch Ronnenbergs Henning Lüders will nicht klagen. „Wir hätten zum Ende hin gerne noch ein zwei Punkte mehr gesammelt, insgesamt geht das aber so schon in Ordnung“, sagt er. Beim Thema Restart beschäftigt sich der SG-05-Trainer mit allen Szenarien. „Ich befürchte, dass wir vermutlich erst frühestens Ende April wieder spielen können, wenn es optimal läuft – oder dass die Saison wieder abgebrochen wird.“ Es bleibt ein Hoffen und Bangen für den kleinen Fußball.