06. Juni 2021 / 15:55 Uhr

Höchster Saisonsieg für Wolfsburg, aber Bayern ist deutscher Frauenfußball-Meister!

Höchster Saisonsieg für Wolfsburg, aber Bayern ist deutscher Frauenfußball-Meister!

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Meisterjubel in München, viele Tore in Wolfsburg: Bayern holt den Titel, der VfL den höchsten Saisonsieg.
Meisterjubel in München, viele Tore in Wolfsburg: Bayern holt den Titel, der VfL den höchsten Saisonsieg. © Roland Hermstein / dpa
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Die Überraschung blieb aus, der FC Bayern sicherte sich mit einem 4:0 gegen Eintracht Frankfurt die deutsche Frauenfußball-Meisterschaft. Verfolger VfL Wolfsburg feierte derweil seinen höchsten Saisonsieg.

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Die letzten Zweifel waren schnell beseitigt: Der FC Bayern ist zum vierten Mal nach 1976, 2015 und 2016 deutscher Frauenfußball-Meister. Verfolger VfL Wolfsburg gewann am Sonntag sein letztes Saisonspiel gegen Werder Bremen zwar souverän mit 8:0, die erhoffte Niederlage der Münchnerinnen gab's aber nicht. Der FCB sorgte vielmehr in seinem Saisonfinale gegen Eintracht Frankfurt früh für klare Verhältnisse, führte durch einen Doppelpack von Linda Dallmann schon nach 25 Minuten mit 2:0 und gewann am Ende mit 4:0.

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Nach vier deutschen Meistertiteln in Folge mussten nun die Wolfsburgerinnen erstmals wieder dem großen Rivalen den Vortritt lassen. Die Titel-Serie des VfL setzt sich allerdings dank des Triumphs im Pokalfinale vor einer Woche fort: Seit dem Triple-Gewinn 2013 kam in jedem (!) Jahr mindestens ein weiterer Titelgewinn dazu, von den insgesamt 27 seitdem möglichen Trophäen in Liga, Pokal und Champions League holte Wolfsburg satte 16.

Frauenfußball-Saisonfinale - Die Bilder

Die Schalke in München: Das Original ging an den Meister, eine sicherheitshalber in Wolfsburg wartende Kopie wurde nicht gebraucht. Zur Galerie
Die Schalke in München: Das Original ging an den Meister, eine sicherheitshalber in Wolfsburg wartende Kopie wurde nicht gebraucht. ©

Die Bayern sind durch die Meisterschaft automatisch für die Gruppenphase der neuen Champions League qualifiziert, der VfL muss als Vizemeister vorher durch eine Qualifikationsrunde, der Bundesliga-Dritte Hoffenheim durch zwei. Bevor der lukrative Teil der Königsklasse beginnt, droht dem VfL damit ein harter Brocken in einer K.o.-Runde - zu den möglichen Gegnern zählt beispielsweise Olympique Lyon, die CL-Dauersiegerinnen mussten in der französischen Meisterschaft erstmals seit 14 (!) Jahren wieder einem anderen Team den Vortritt lassen, Paris St. Germain feierte in der vergangenen Woche den Titelgewinn.



In Wolfsburg war es ein emotionaler Tag, und das nicht nur, weil sich erst am letzten Spieltag entschied, wer sich letztendlich Meister nennen darf. Die Niedersächsinnen verabschiedeten sechs Spielerinnen, darunter mit Lena Goeßling (stieß 2011 in die Autostadt) und Zsanett Jakabfi (kam 2009) zwei Identifikationsfiguren und Urgesteine des VfL. Auch Lara Dickenmann (kam 2015), Ingrid Engen, Fridolina Rolfö und Friederike Abt (alle 2019) sagten Tschüss. Aus dem Betreuerteam war es neben Cheftrainer Stephan Lerch auch für Co-Trainerin Ariane Hingst, Theresa Merk und Analystin Donna Newberry der letzte Spieltag für den VfL. Eine offizielle Verabschiedung vor dem Spiel gab es nicht, der VfL versammelt sich nach dem Spiel intern dafür.

Bereits vor Anpfiff versammelten sich einige Fans vorm AOK-Stadion, in dem eine begrenzte Anzahl von Familienangehörigen sowie LebenspartnerInnen von Spielerinnen und Trainerteam vor Ort sein durften, und trommelten für die Mannschaft und stimmten Lieder an. Goeßling (lief mit der Kapitänsbinde auf), Abt und Engen standen in ihrem letzten VfL-Spiel in der Startelf, Jakabfi und Dickenmann nahmen vorerst auf der Bank Platz, wurden später eingewechselt. Rolfö musste aufgrund einer Verletzung aus dem DFB-Pokal-Finale hingegen passen.

Sportlich war die Partie gegen den Tabellenneunten aus Bremen, die ihren Klassenerhalt bereits gesichert hatten, eine klare Angelegenheit. Ausgerechnet die gebürtige Bremerin Pia-Sophie Wolter eröffnete den Torreigen für den VfL, die Gäste hielten zwar mutig dagegen, wurden aber überwiegend in ihre eigene Hälfte gedrängt und zum verteidigen gezwungen. Nach einer Ecke von Goeßling haute Werder-Verteidigerin Wichmann die Kugel ins eigene Tor (19.), wenig später erhöhte Pajor mit einem Doppelpack (23./25.). Der Pokalsieger war in Baller-Laune!

Engen schoss nach einer Ecke noch vor dem Halbzeitpfiff ihr Abschieds-Tor, in der 50. Minute wurde die Norwegerin dann ausgewechselt. Auch für Spielmacherin Svenja Huth war Schluss, am Spielfeldrand bereit standen Dickenmann und Jakabfi bereit. Die Spielerinnen des VfL versammelten sich kurz im Kreis, es folgte eine Gruppenumarmung für die scheidende Norwegerin. Langsam ging die Nationalspielerin danach vom Platz, von den anwesenden Personen im Stadion gab es Standing Ovations. Und das auch für Jakabfi und Dickenmann, die für die letzten Spielminuten ihrer aktiven Karrieren, auf den Platz kamen.

Das persönliche Happy End für Jakabfi folgte nur einige Augenblicke später: Sofie Svava, die verletzungsbedingt für Sara Doorsoun kam, bediente in der 55. Minute die Ungarin, die mit einem wuchtigen Kopfball zum 6:0 einnetzte - ihr wettbewerbsübergreifend siebzehnter Treffer, keine VfLerin schoss in dieser Saison mehr Tore! Pajor komplettierte nach tollem Solo in der 68. Minute ihren Dreierpack, van de Sandens Tor zum 8:0 kurz vor Schluss unterstrich die Machtverhältnisse einmal mehr. Dickenmann hämmerte den Ball mit einem sanften Schuss noch an die Latte, der VfL musste anschließend zu zehnt zu Ende spielen. Die eingewechselte Rebecka Blomqvist verletzte sich am Fuß, auf der Bank saß mit Almuth Schult nur noch eine Torfrau. Am Ergebnis änderte das jedoch nichts.

VfL: Abt – Doorsoun (53. Svava), Goeßling, Janssen, Rauch – Engen (50. Dickenmann), Oberdorf – van de Sanden, Huth (51. Jakabfi), Wolter - Pajor (72. Blomqvist).

Bremen: Pauels (46. Borbe) - Timmermann, Hausdorff (70. Walter), Ulbrich, Toth, Lührßen - Walkling (62. Kofler), Gidion, Wichmann - Goddard, Keles (56. Zimmer).

Tore: 1:0 (2.) Wolter, 2:0 (19.) Wichmann (Eigentor), 3:0 (23.) Pajor, 4:0 (25.) Pajor, 5:0 (40.) Engen, 6:0 (55.) Jakabfi, 7:0 (68.) Pajor, 8:0 (79.) van de Sanden.

Schiedsrichterin: Duske (Leverkusen).