26. September 2020 / 10:00 Uhr

Hoffenheim-Trainer trifft auf Ex-Klub: Uli Hoeneß wollte Neffe Sebastian beim FC Bayern nicht

Hoffenheim-Trainer trifft auf Ex-Klub: Uli Hoeneß wollte Neffe Sebastian beim FC Bayern nicht

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Familienduell: Vor dem Duell zwischen dem FC Bayern und 1899 Hoffenheim stehen Uli und Sebastian Hoeneß im Fokus. 
Familienduell: Vor dem Duell zwischen dem FC Bayern und 1899 Hoffenheim stehen Uli und Sebastian Hoeneß im Fokus.  © dpa/getty
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Vetternwirtschaft, Klüngelei und eine zu hohe Bürde: Ex-Präsident Uli Hoeneß sprach sich ursprünglich gegen ein Engagement von Neffe Sebastian beim FC Bayern aus. Nun trifft der neue Trainer von 1899 Hoffenheim auf seinen Ex-Klub.

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Seit über 50 Jahren ist der Name Hoeneß aus dem deutschen Profifußball nicht mehr wegzudenken – und daran wird sich wohl auch in den nächsten Jahren nichts ändern. 1970 lief Uli Hoeneß erstmals für den FC Bayern München auf, machte insgesamt 239 Spiele (86 Tore) für den Rekordmeister, den er ab 1979 managte und bis 2019 als Aufsichtsratsvorsitzender und Präsident führte. Sein jüngerer Bruder Dieter begann seine Profilaufbahn 1975 beim VfB Stuttgart und wechselte vier Jahre später ebenfalls zu den Bayern, für die er in 224 Partien 102 Treffer erzielte und bis 1987 kickte. Bis heute ist er unter anderem als Berater in der Branche unterwegs.

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Am Sonntag (15.30 Uhr, Sky) trifft nun Dieters Sohn auf seinen Onkel Uli. Sebastian Hoeneß sitzt seit Saisonbeginn bei der TSG Hoffenheim auf der Bank und trainiert den Klub als zweitjüngster Coach nach Leipzigs Julian Nagelsmann – mit 38 Jahren. „Wir müssen mit Herz und Leidenschaft spielen, nur so klappt es gegen die Bayern. Daher bin ich guter Dinge“, sagt er vor dem Duell mit seinem Ex-Klub, bei dem er 2017 zunächst die U19 und dann die Amateure übernahm. In der vergangenen Saison führte er die zweite Mannschaft des FC Bayern zur Meisterschaft in der 3. Liga und wurde zum „Trainer des Jahres“ gewählt.

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Doch wie der SPORTBUZZER erfuhr, wäre die Trainerkarriere von Hoeneß junior beinahe verhindert worden – und das ausgerechnet von seinem berühmten Onkel. Uli sprach sich nämlich zunächst gegen ein Engagement von Sebastian in der Nachwuchsabteilung der Münchner aus. Zum einen befürchtete Uli, dass es nach Vetternwirtschaft oder Klüngelei aussehen könnte. Zum anderen, dass der Nachname im Zusammenhang mit dem FC Bayern eine zu große Bürde sein würde. Auch Sebastian gab kürzlich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zu: „Ich weiß, dass der Druck bei mir erst mal größer ist als bei anderen Trainern. Und Uli wusste, was das mit sich bringen kann, dass da immer etwas mitschwingt.“ Doch Qualität setzt sich meistens durch – genau wie Hermann Gerland.

Der „Tiger“, Bayerns Kultfigur, der selbst lange Zeit die U23 trainierte, machte sich nämlich für eine Verpflichtung des kleinen Hoeneß stark und ließ so lange nicht locker, bis er die Verantwortlichen überzeugt hatte – inklusive Onkel Uli.

Sebastian Hoeneß: Karriereende mit 27

Gerland hatte Sebastian Hoeneß schon lange auf dem Radar. Dieser hatte den Durchbruch als Aktiver verpasst. Zwar wurde er mit der U17 des VfB Stuttgart deutscher Meister (damals saß ein gewisser Kevin Kuranyi auf der Bank), spielte auch noch für die zweiten Mannschaften von Hertha BSC und Hoffenheim. Doch nach mehreren Operationen an der Leiste und der Patellasehne musste er 2010 die Fußballschuhe mit 27 Jahren an den Nagel hängen – sogar ein Jahr früher als Uli.

Neben seinem Sportstudium machte Sebastian die Trainerscheine, arbeitete vor seinem Wechsel zu Bayern im Nachwuchs bei Hertha 03 Zehlendorf und RB Leipzig, wo Ralf Rangnick als sein großer Förderer galt. Bei Bayern war dies selbstverständlich Gerland, der sagt: „Sebastian ist wirklich ein großes Trainertalent.“ Auch deshalb wollte ihn der Rekordmeister nur ungern verlieren, doch die Anfragen häuften sich – und als in diesem Sommer die TSG anklopfte, wollte Hoeneß jr. die Chance unbedingt ergreifen. „Die grundsätzliche Philosophie des Klubs ist identisch mit meiner Idee von Fußball – offensiv, mutig, flexibel und immer aktiv“, sagte er bei seiner Vorstellung. Wohl wissend, dass das ruhige Umfeld auch perfekt zu jungen Trainern passt – wie man am Beispiel von Hansi Flick oder Nagelsmann sehen kann.

Dieter Hoeneß drückt seinem Sohn die Daumen

Und zu wem hält Dieter am Sonntag? Der Papa sagt im Gespräch mit dem SPORTBUZZER: „Es ist doch klar, dass ich bei diesem Spiel Sebastian die Daumen drücke. Andererseits habe ich nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich große Sympathien für den FC Bayern habe und mir natürlich wünsche, dass sie erneut deutscher Meister werden.“