04. August 2020 / 11:55 Uhr

Uli Hoeneß lässt Abteilung Attacke neu aufleben: Die Giftpfeil-Historie zwischen dem FC Bayern und dem BVB

Uli Hoeneß lässt Abteilung Attacke neu aufleben: Die Giftpfeil-Historie zwischen dem FC Bayern und dem BVB

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund ging es in der Vergangenheit nicht nur sportlich hoch her. Nachdem es zuletzt ruhig geworden war in Sachen verbalen Scharmützeln, hat Uli Hoeneß (M.) das Feuer nun neu entfacht. 
Zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund ging es in der Vergangenheit nicht nur sportlich hoch her. Nachdem es zuletzt ruhig geworden war in Sachen verbalen Scharmützeln, hat Uli Hoeneß (M.) das Feuer nun neu entfacht.  © imago images/Kirchner-Media/Jan Huebner/Sven Simon
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FC Bayern gegen Borussia Dortmund: Diese Rivalität hatte in der Vergangenheit nicht nur eine sportliche Qualität. Dass zwischen den Vereins-Verantwortlichen verbale Giftpfeile geflogen sind, hatte eine Zeit lang sogar gute Tradition. Und mit seinen Aussagen hat Uli Hoeneß diese nun neu aufleben lassen. Ein Blick zurück.

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Es gab Zeiten, da sind schon mal mehr verbale Giftpfeile zwischen München und Dortmund geflogen. Vor allem in den Jahren, in denen sich der FC Bayern und der BVB noch einen engeren Wettkampf um die deutsche Meisterschaft lieferten. Doch durch den mittlerweile achten Titelgewinn des Rekordmeisters in Folge war inzwischen fast so etwas wie Harmonie eingekehrt in der zuvor angespannten Beziehung zwischen den Rivalen. Bis Uli Hoeneß das Feuer nun in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung neu eröffnete.

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Der Ehrenpräsident des FC Bayern hatte die Transferpolitik von Borussia Dortmund in dem Interview scharf kritisiert. "Wenn Dortmund einen hochtalentierten Spieler kauft und er gut spielt, kann man wenige Monate später entweder aus dem Klub selbst oder von außerhalb hören, dass er irgendwann ein Verkaufsobjekt darstellen wird", sagte der 68-Jährige und fügte hinzu: "Wie soll ein Spieler die DNA eines Vereins hundertprozentig aufsaugen, wenn er das Gefühl hat, ein Verkaufsobjekt zu sein?" Eine Antwort seitens des BVB ließ natürlich nicht lange auf sich warten.

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Zunächst schoss Sportdirektor Michael Zorc zurück. "Ich finde die Aussagen ziemlich arrogant. Wenn man jedes Jahr 250 Millionen Euro mehr in der Tasche hat, lässt es sich mit vollen Hosen gut stinken", sagte er am Montag am Rande des Trainingsauftakts. Auch Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke störte sich an den Worten von Hoeneß und kritisierte ihn dafür, dass er wieder ein Störfeuer legte. "Karl-Heinz Rummenigge und ich bemühen uns seit Jahren darum, dass die beiden größten deutschen Klubs ein respektvolles Verhältnis miteinander pflegen", sagte er der Bild. "Ich finde es sehr schade, dass in regelmäßigen Abständen versucht wird, dies zu unterwandern."

Die Bosse um Rummenigge waren laut Bild von den Aussagen des Ex-Präsidenten genauso überrascht, wie die BVB-Verantwortlichen. Die Abteilung Attacke war in dieser Form schon lange nicht mehr aktiv. Dabei gab es durchaus schon Zeiten, in denen es zwischen Bayern- und Dortmund-Bossen hoch her ging. Der SPORTBUZZER wirft einen Blick auf die in der Öffentlichkeit ausgetragenen Streitereien zwischen beiden Klubs.

Jupp Heynckes vs. Jürgen Klopp: Nach sechs sieglosen Spielen gegen den BVB gewann der FC Bayern im März 2013 im DFB-Pokal-Viertelfinale erstmals wieder ein Spiel gegen den Rivalen. Klopp warf dem Rekordmeister anschließend vor, den Fußball seiner Mannschaft kopiert zu haben. "Im Moment hat das ja ein bisschen was davon, wie das die Chinesen in der Wirtschaft und der Industrie machen: Gucken, was die anderen machen, und es dann abkupfern. Und mit mehr Geld und anderen Spielern den gleichen Weg einschlagen - schon wird man wieder besser für den Moment", sagte er. Der damalige Bayern-Coach Jupp Heynckes entgegnete daraufhin: "Der FC Bayern besteht ja schon ein bisschen länger, als Jürgen Klopp Trainer ist. Es ist ganz wichtig, im Sieg und der Niederlage Größe zu zeigen. Wenn Jürgen irgendwann mal in den Genuss kommt, Bayern oder Real zu trainieren, wird er merken, was das bedeutet, in eine andere Welt zu treten. Das ist eine Sisyphusarbeit." Klopp meldete sich anschließend noch mal zu Wort, entschuldigte sich sogar: "Man kann mir vieles nachsagen - und möglicherweise auch, dass ich dummes Zeug rede. Aber dass ich verdiente Siege nicht anerkennen kann, das ist mir noch nie passiert!"

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Matthias Sammer vs. Jürgen Klopp: Bereits im Mai 2013 gingen Bayern-Sportdirektor Sammer und BVB-Coach Jürgen Klopp an der Seitenlinie aufeinander los, geigten sich Kopf-an-Kopf während des Spiels ihrer Mannschaften die Meinung. Der Höhepunkt der Fehde folgte dann im März 2014, als Sammer die Trainingsgestaltung der Konkurrenz in Frage gestellt hatte: "Vielleicht sind wir von der Qualität, aber auch von der Mentalität im Moment anderen überlegen. Wird denn woanders auch jeden Tag akribisch trainiert, als würde es kein Morgen geben?" Klopp reagierte gereizt: "Als Matthias Sammer würde ich jeden Tag Gott danken, dass man ihn dazugeholt hat. Ich glaube nicht, dass Bayern München einen Punkt weniger hätte, wenn Matthias Sammer nicht da wäre."

Karl-Heinz Rummenigge vs. Hans-Joachim Watzke I: Auch Bayern-Boss Rummenigge meldet sich im März 2014 zum "Thema Sammer" zu Wort. "Erst war ich über den Satz erschrocken, dann entsetzt: Matthias war mit Borussia Dortmund als Spieler Champions-League-Sieger, als Trainer Meister. Niemand vom FC Bayern würde sich je erlauben, einen solchen Satz über jemanden zu sagen, der früher bei uns war und jetzt für Dortmund arbeitet." Sein BVB-Pendant Watzke schoss verbal zurück: "Als ich das gelesen habe, sind mir spontan Sätze zum Beispiel über Jürgen Klinsmann, Felix Magath und Lothar Matthäus eingefallen. Über Matthäus, der mit Bayern - glaube ich - siebenmal Meister wurde, hat Uli Hoeneß gesagt: 'Der taugt in unserem neuen Stadion nicht mal zum Greenkeeper.' Das reicht denke ich als Antwort."

Karl-Heinz Rummenigge vs. Hans-Joachim Watzke II: Das traditionelle Mittagessen der Klub-Verantwortlichen vor direkten Aufeinandertreffen wird vom BVB abgesagt, und soll künftig auch nicht mehr stattfinden. "Das Verhältnis war schon mal besser", meinte Watzke. Und Rummenigge entgegnete angesichts eines großen Vorsprungs im Meisterrennen: "Ich glaube, dass mich der morgendliche Blick auf die Tabelle auch nicht fröhlich stimmen würde."

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Karl-Heinz Rummenigge vs. Michael Zorc: Als es im Sommer 2014 darum geht, ob Marco Reus vom BVB zum FC Bayern wechseln könnte, sagt Rummenigge über eine mögliche Ausstiegsklausel in Dortmund: "Für Borussia Dortmund wird es schwer, die Klausel für Reus rauszukaufen. Der Spieler hat eine hohe Nachfrage." Nach Watzke ("Ich weiß nicht, was ihn bewegt, sich Gedanken über den BVB zu machen") reagiert auch Sportdirektor Zorc genervt: "Wir stellen fest, dass er sich mittlerweile im Drei-Tage-Rhythmus über angebliche BVB-Interna äußert. Das hat leider eine völlig neue Qualität. Es wäre schön, wenn er einfach mal den Mund halten würde." Rummenigge kontert nochmals: "Ganz ehrlich: Ich für meinen Teil finde den Schlagabtausch amüsant, ich bin da ganz und gar nicht genervt. Ich muss vielmehr immer schmunzeln, wenn ich etwas Neues lese, mich ärgert da nichts."

Uli Hoeneß vs. Hans-Joachim Watzke: Nachdem beide Klubs im November 2016 eine Art öffentlichen Frieden (Watzke: "Wir haben eine zu große Verantwortung für den deutschen Fußball") vereinbart hatten, knistert es trotzdem immer mal wieder. Zwei Jahre später merkte Hoeneß an, dass der BVB nach der Verpflichtung von Sebastian Kehl als Leiter der Lizenzspielerabteilung und Matthias Sammer als Berater des Vorstands für seinen Tross an Unterstützern alsbald einen Gelenk-Bus brauche: "Ich bin immer für klare Verhältnisse, weil am Ende muss einer den Hut aufhaben, ein Sportdirektor." Daraufhin hatte Watzke auf die Frage, ob er sich wundere, dass Hoeneß einen starken Sportdirektor befürworte, auf die legendäre PK der Bayern-Bosse verwiesen: "Nein, hat man doch bei der PK gesehen, oder?" Neben seinen Bossen war Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic kaum zu Wort gekommen.