06. Dezember 2019 / 13:45 Uhr

Hoffenheim-Blogger Marco Ripanti: Aufstieg von RB Leipzig "war prima für uns"

Hoffenheim-Blogger Marco Ripanti: Aufstieg von RB Leipzig "war prima für uns"

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
SINSHEIM, GERMANY - FEBRUARY 16:  Fans hold up scarfs prior to the Bundesliga match between TSG 1899 Hoffenheim and Hannover 96 at PreZero-Arena on February 16, 2019 in Sinsheim, Germany.  (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)
So manchem Hoffenheimer Fan war das Auftauchen von RB Leipzig gar nicht unrecht. © Getty Images
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Marco Ripanti ist Fan der TSG 1899 Hoffenheim und behält beim "Hoffenheimblog" Leipzigs kommenden Gegner im Blick. Warum der Abschied von Julian Nagelsmann nicht mehr schmerzt und warum er den Roten Bullen dankt, verrät er im Interview.

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Leipzig. Weil er sich mit Traditionsverein Waldhof Mannheim irgendwann nicht mehr identifizieren konnte, kam der rasante Aufstieg bei der TSG 1899 Hoffenheim für Marco Ripanti vom "Hoffenheimblog" nicht ungelegen. Seit der Zweitliga-Zeit schlägt sein Herz für die Kraichgauer. Vor dem Aufeinandertreffen mit RB Leipzig am Samstag (15.30 Uhr) erklärt der 47-Jährige, warum der Abschied von Julian Nagelsmann nicht mehr schmerzt, warum niemand weiß, wo die TSG aktuell steht und wieso es eine Verbindung zu den Fans der Roten Bullen gibt.

Herr Ripanti, wie enttäuscht sind Sie, dass Julian Nagelsmann am Samstag auf der anderen Seite sitzt?

Das war wenige Wochen nach der Verkündung des Wechsels schon verflogen. Das ist der Alltag im Fußballgeschehen. Kein Fan hat daran geglaubt, dass er bis ans Ende seiner Tage Trainer von Hoffenheim bleibt.

Sie nehmen es nüchtern hin?

Wenn er ein Engagement im Ausland angenommen hätte, wäre es vielleicht noch weniger schmerzhaft gewesen. Aber für den Schritt war es ein bisschen zu früh.

DURCHKLICKEN: Das 1:1 zwischen RB und Hoffenheim im Februar 2019

RB Leipzig - TSG Hoffenheim (1:1) Zur Galerie
RB Leipzig - TSG Hoffenheim (1:1) ©

Denken Sie, es ist ein Vorteil für RB, dass Nagelsmann die Hoffenheimer Mannschaft kennt?

Das ist ja gar nicht mehr so. Viele Spieler sind ja direkt mit ihm weitergezogen zu anderen Vereinen. Aber er kennt natürlich den Trainer. Sie haben viel Zeit zusammen auf der Bank verbracht. Er weiß, wie Alfred Schreuder spielt. Aber da kann man sich diese Saison eh nicht drauf verlassen, weil fast jeder Spieltag wie eine Überraschung ist. So oder so ist Julian Nagelsmann Profi genug, dass er seinen eigenen Stil spielt.

Was hat sich unter dem neuen TSG-Coach geändert?

Es war nach wenigen Spieltagen klar, dass wir nicht mehr diesen extrem attraktiven und risikoreichen Hurra-Fußball sehen werden. So liefen auch die ersten Partien. Dann haben sich trotz der gut überlegten Spielweise die Ergebnisse eingestellt und wir haben gesagt, dass wir lieber die Punkte statt den tollen Fußball nehmen.

Es blieb aber nicht so erfolgreich.

Ja, man hat zuletzt gegen Düsseldorf und Mainz gesehen, dass vielleicht das Personal und der Stil noch nicht ganz so zueinander gefunden haben. Da muss man noch ein bisschen geduldig sein.

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Wo steht Hoffenheim ihrer Meinung nach in der Entwicklung?

Es ist nahezu unmöglich, das nach dem jetzigen Verlauf zu sagen. Ich kann – Stand heute – nicht sagen, ob wir zu weit oben in der Liga stehen oder schlechter, als wir eigentlich sind. Da kommt auch die extreme Ausgeglichenheit in der Liga dazu.

Eine Prognose für die restliche Saison ist also unmöglich?

Wir werden nicht gegen den Abstieg spielen. Da gibt es deutlich schlechtere Mannschaften und die haben das auch mehre Spiele bestätigt. Aber ich kann nicht sagen, ob wir noch um Europäische Plätze spielen oder ob wir im sicheren Mittefeld landen.

Wie zufrieden sind Sie mit den Sommertransfers?

Wir haben uns vorn mit Ihlas Bebou und Sargis Adamyan gut verstärkt. Da sind wir zusammen mit Andrej Kramaric ordentlich aufgestellt. Im Mittelfeld hätte uns die ein oder andere Kreativkraft noch gut zu Gesicht gestanden. Da hatten wir mit den Abgängen von Kerem Demirbay und Nadiem Amiri schon etwas Aderlass. Ob die Verpflichtung von Diadie Samassékou, den wir bisher nicht so oft gesehen haben, wirklich so ein großer Schnapper war, wird sich in der Rückrunde zeigen. Er kann eine gute Rolle spielen.

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Welcher Profi hat das Potenzial, Spieler der Saison zu werden und Hoffenheim ins Internationale Geschäft zu führen?

Ein gesundbleibender Kramaric hat das Potenzial. Er gehört zu den Top-Leuten in der Bundesliga. Auch Benjamin Hübner, der letzte Saison überragend gespielt hat. Er strahlt Ruhe und Konstanz aus. Am Samstag wird er aber wahrscheinlich fehlen.

Fühlt man sich als Fan von Hoffenheim, das einen ähnlich steilen, aber auch kritisch bewerteten Aufstieg hingelegt wie RB, eigentlich mit den Roten Bullen verbunden?

Man kann ein bisschen dankbar sein. Alles, was wir in den ersten Jahren abbekommen haben, ist dann auf RB übergegangen. Das war prima für uns. Man muss sich auch mit beiden Vereinen arrangieren. Sie werden Teil der Bundesliga bleiben. Wir lassen die Traditionalisten weiterreden, aber ich denke, Leipzig und Hoffenheim tun der Bundesliga gut.

Was ist am Samstag für Ihre Mannschaft drin?

Wir werden es ein bisschen besser machen als Mainz. (lacht.) RB hat einen super Lauf und wir haben unsere Sicherheit ein Stück weit zu den Akten gelegt. Zurückblickend auf die letzten beiden Wochen gehe ich von einem 0:4 aus. Aber das war auch mein Gefühl, als wir zu den Bayern gereist sind und dann passiert auf einmal irgendwas.

Ihr Tipp?

Ich bin da Realist. Sollten wir früh in Rückstand geraten, kann das schmerzvoll werden. Ich tippe auf ein 2:0 für Leipzig.