03. November 2020 / 07:45 Uhr

Hoffnung auf Ausnahmen in Sachsen: Landessportbund tagt mit Ministerpräsident

Hoffnung auf Ausnahmen in Sachsen: Landessportbund tagt mit Ministerpräsident

Stephanie Riedel
Leipziger Volkszeitung
Wie geht es mit dem Sport in Sachsen weiter? Der Landessportbund um Generalsekretär Christian Dahms (li.) will mit Ministerpräsident Kretschmer (re.) sprechen.
Wie geht es mit dem Sport in Sachsen weiter? Der Landessportbund um Generalsekretär Christian Dahms (li.) will mit Ministerpräsident Kretschmer (re.) sprechen. © Dietrich Flechtner/dpa-Zentralbild
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Individualsport ist erlaubt, Fragen sind dennoch offen, bei Sportlern, Vereinen, Verbänden: Der Landessportbund Sachsen versucht diese Fragen zu beantworten - auch im Gespräch mit Ministerpräsident Michael Kretschmer.

Leipzig. Der Lockdown bedeutet seit Montag das zeitlich befristete Aus für den Amateur- und Breitensport, drinnen wie draußen. Die neue Corona-Schutz-Verordnung hat bei den Mitgliedsorganisationen des Landessportbundes (LSB) Sachsen für Verwirrung gesorgt. Teilweise wünschten sich die Sportler auch ein paar Ausnahmen mehr, wie sie für den Nachwuchs zum Beispiel in Berlin und Sachsen-Anhalt möglich sind.

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Individualsport ist erlaubt. Konkret heißt das: Alleine oder zu zweit Joggen gehen oder eine Runde auf dem Rad sind auch im November drin. Dennoch bleiben Fragen offen. Trainieren in der Muckibude und Tennis spielen zählen eigentlich in die Kategorie Individualsport. Doch Fitnessstudios sind genauso geschlossen wie Schwimmhallen und alle anderen Sportstätten.

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Thomas Flechsig ist sich mit seinen Mitarbeitern des Skyline Sportclubs und anderen Betreiben von Fitnessstudios in Leipzig einig: „Der Lockdown ist völliger Käse.“ Eine ganze Branche lahmzulegen sei Schwachsinn: „Wir haben ein halbes Jahr bewiesen, dass die Hygienekonzepte umsetzbar sind.“


Klare Worte vom „LSB-General“

LSB-Generalsekretär Christian Dahms: „Wir haben wenig Verständnis, dass dem organisierten Sport in Sachsen erneut die Grundlage entzogen wird.“ Seit Monaten werde diszipliniert mit Hygienekonzepten gearbeitet. „Die Maßnahmen wurden schnell eingeführt und haben sich bewährt. Der harte Einschnitt ist schwer nachvollziehbar. Der Breiten- und Freizeitsport ist nicht als Hotspot aufgefallen.“

Flechsig und andere Betreiber sind kreativ. „Den Mitgliedern wurden um Kleingeräte ausgeliehen – wie Sportmatten und Hanteln. Natürlich kostenfrei.“ Der 48-Jährige arbeitet wieder an der Realisierung von Online-Kursen: „Zu den offiziellen Kurszeiten sollen live-Übertragungen mit unseren Trainern via Zoom stattfinden.“ Der Studioleiter prüft derzeit auch rechtliche Schritte und will sich über eine Anwaltskanzlei an einer Sammelklage beteiligen. „Dabei geht es mir nicht ums Geld, sondern einfach um die Wiedereröffnung des Studios.“

Was wird ab 1. Dezember?

Auch Ronny Lindenberger, Vorsitzender des Rehasportvereins „Gesund in Leipzig“, bedauert die Entwicklung. Der 50-Jährige habe ein Stück weit Vertrauen, in die Regierenden verloren. „Diesmal sind sich Bund und Länder zwar einig. Trotzdem gibt es keinen Schlachtplan. Was soll ab dem 1. Dezember anders sein?“ Lindenberger hofft, dass es bei diesem Termin als Ende des Lockdowns bleibt: „Sonst wird es ganz bitter.“ In seinem Verein schlagen vorwiegend ältere Sporttreibende auf. „Sie fühlen sich geborgen und sicher.“ Außerdem gebe es kein besseres Medikament als ein gesundes Immunsystem. Bisher kann Lindenbergers Verein nicht von der Ausnahmeregelung medizinisch notwendiger Reha-Maßnahmen profitieren.

LSB-Spitze bei Kretschmer

Wie die Leiterin des Sport- und Rückenzentrum in Grünau. Annett Röpcke hat alle Sport- und Reha-Gruppen auf Eis gelegt. „Als Verein sind wir an den Breitensport angegliedert“, erklärt die 46-Jährige – obwohl ihre Gruppenleiter die gleichen Lizenzen wie Physiotherapeuten haben. In Sachsen-Anhalt ging zügig eine Freizeit-Verordnung raus. Darauf bauen nun Lindenberger und Röpcke auch im Freistaat.

Ein Hoffnungsschimmer im Wirrwarr der Bürokratie: Am Montag gab es ein Treffen der Landessportbund-Spitze mit Ministerpräsident Michael Kretschmer, über das der LSB am Dienstag informieren will.