08. Oktober 2021 / 15:33 Uhr

Van-Bommel-Co-Trainer Hofland: "Dass es nach Wolfsburg geht, hat mir Mark nicht verraten"

Van-Bommel-Co-Trainer Hofland: "Dass es nach Wolfsburg geht, hat mir Mark nicht verraten"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Einst Spieler beim VfL Wolfsburg, jetzt Co-Trainer: Kevin Hofland.
Einst Spieler beim VfL Wolfsburg, jetzt Co-Trainer: Kevin Hofland. © Roland Hermstein
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Kevin Hofland ist zurück beim VfL Wolfsburg. Dass das mal so kommt, hat er sich immer gewünscht. Dass es am Ende wirklich der VfL wird, verriet ihm Mark van Bommel lange nicht...

Von 2004 bis 2007 hatte Kevin Hofland für den VfL Wolfsburg gespielt, im Sommer kehrte er als Co-Trainer im Team von Chefcoach Mark van Bommel zu den Niedersachsen zurück. Im großen SPORTBUZZER-Interview spricht der Ex-Profi über van Bommel, Felix Magath, eigene Ziele und die aktuelle VfL-Situation.

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Sie waren VfL-Spieler und sind jetzt Co-Trainer in Wolfsburg – wann werden Sie VfL-Cheftrainer?

(grinst). Darüber habe ich wirklich noch nicht nachgedacht. Ich bin auch keiner, der weit vorausschaut, ich lebe im Hier und Jetzt. Ich war ja schon mal Cheftrainer in Sittard. Natürlich möchte ich mal wieder Cheftrainer werden, aber auch in der Rolle jetzt unter Mark kann ich viel lernen und mich weiterentwickeln. Ich habe immer gesagt: Ich möchte noch mal nach Wolfsburg zurück, jetzt ist dieser Wunsch Wirklichkeit geworden. Ich wohne wie damals in Danndorf, nur etwa hundert Meter von unserem alten Haus entfernt.


Wer hatte die Idee mit der Rückkehr nach Wolfsburg?

(grinst erneut) Mark hat mich irgendwann mal angerufen und mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, mit ihm zu einem Verein zu gehen.

Zum VfL zu gehen?

Nein, das hat er mir lange nicht verraten. Er hat lediglich über einen möglichen Wechsel zu einem deutschen Verein geredet und hat gefragt: ,Hast du Lust, mitzukommen‘?

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Und wie war Ihr erster Gedanke dazu?

Ich habe gesagt, dass ich mir das überlegen muss, weil ich etwas überrascht war in dem Moment. In den Tagen danach haben wir öfter gesprochen, Mark hat mir weiterhin nicht gesagt, dass es um den VfL geht. Ich habe dann mit meiner Familie gesprochen und ihm gesagt: Ich gehe mit. Dann habe ich ihn wieder nach dem Verein gefragt, aber er hat nur gesagt: ,Das kann ich dir noch nicht sagen, aber ich würde mich freuen, wenn du mitkommst‘. So ist es gelaufen.

Und wann hat er Ihnen verraten, dass es sich um den VfL dreht?

Ein oder zwei Tage vor der offiziellen Bekanntgabe, also ziemlich spät. Ich habe dann zu meiner Frau gesagt: ,Es ist Wolfsburg‘. Sie hat dann gesagt: ‚Jetzt möchte ich mit‘.

Und ist Sie mitgekommen?

Nein, unsere Kinder Dylan (18), Milan (16), Levi (12) und Fay (7) und meine Frau bleiben in Holland. Wir haben eine Sportler-Familie. Unsere beiden mittleren Jungs spielen bei Fortuna Sittard in der Akademie, trainieren viermal in der Woche und spielen immer samstags. Unser ältester Sohn spielt in Brunssum, unsere Kleine turnt und reitet. Meine Eltern und meine Frau sind also immer unterwegs, sie sind ein bisschen auch Taxifahrer. Klar vermisse ich die Familie, aber durch Facetime und Whatsapp klappt das mit der Kommunikation ganz gut.

Der VfL damals und heute…

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...das kann man nur ganz schwer vergleichen. Der Klub ist unglaublich gewachsen. Damals war der VfL vielleicht eine graue Maus, aber schon ein Verein mit ganz großen Möglichkeiten. Bevor ich Wolfsburg im Sommer 2007 verlassen musste, habe ich mit Leuten von VW über eine mögliche VfL-Zukunft hier geplaudert. Damals habe ich gesagt: Man kann hier viel Geld investieren, allerdings muss es richtig investiert werden. Ich habe den VfL nach meinem Wechsel nach Rotterdam weiterhin verfolgt. Zwei Jahre später hat Wolfsburg die Meisterschaft gewonnen.

VfL-Meistertrainer Felix Magath, der 2007 übernahm, wollte Sie nicht mehr, obwohl Sie mit Wolfsburg sich schon auf einen neuen Fünfjahres-Vertrag geeinigt hatten. Sind Sie heute noch sauer auf Magath, dass er Ihnen diese Meisterschaft „geklaut“ hat?

Nein, gleichwohl kann ich sagen: Wir haben uns damals hier sehr wohl gefühlt und wollten länger bleiben. Wir hatten uns bereits eine Option auf ein Grundstück gesichert. Aber manchmal ist Fußball eben so: Es kommt ein neuer Trainer und entscheidet halt anders. Das ist ja auch okay, aber die Art und Weise, wie es gelaufen ist, kann ich mit meinen Werten nicht vereinbaren, zumal er ja auch noch meinen Wechsel nach Leverkusen verhindert hat. Nachdem er mir gesagt hatte, er will mich hier nicht mehr, kam es zur Einigung mit Bayer. Dass das am Ende nicht geklappt hat, hat mich sauer gemacht. Ich konnte mir nichts vorwerfen, weil ich in den drei Jahren in Wolfsburg alles für den Verein gegeben habe, ich durfte hier Kapitän sein.

Hatten Sie danach noch mal Kontakt zu Magath?

Nein, nie.

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Sie haben mal gesagt, dass Sie und Mark van Bommel sehr ähnlich über Fußball denken. Wie meinen Sie das konkret? Und wo gibt es vielleicht auch Unterschiede?

Es geht um das System, wir beide mögen das 4-2-3-1 oder eben das 4-3-3, was ja sehr ähnlich ist, zudem wollen wir viel den Ball haben. So habe ich schon als Spieler am liebsten gespielt, er auch. Mark achtet verstärkt darauf, dass wir viel den Ball haben und ich beobachte als ehemaliger Verteidiger unsere Abwehr. Es geht da um Fragen wie: Wie stehen wir insgesamt? Wie ist unsere Rest-Verteidigung? Was passiert, wenn wir den Ball verlieren? Natürlich denken wir auch mal unterschiedlich, was aber auch gut ist. Dann besprechen wir das in unserem Trainerteam und finden eine Lösung.

Gibt es auch mal Zoff zwischen Mark und Ihnen?

Ja, klar.

Wird es dann laut?

Es kann schon mal passieren, dass es laut wird. Aber das gehört doch dazu und ist gut. Ich finde, man muss etwas aufpassen, dass es nicht eintönig wird und man einschläft. Man muss die Dinge immer hinterfragen. Mark sieht die Dinge manchmal anders, als ich sie sehe. Dann frage ich mich schon? Hat er Recht? Oder hat er nicht Recht? Wie auch immer: Entscheidend ist, dass man über die Dinge spricht und sie danach vom Tisch sind. Und dann ist auch gut. Schon als wir beide noch Spieler waren, waren wir nicht immer einer Meinung. Nach den Trainings habe ich mich über ihn auf dem Heimweg geärgert, aber am nächsten Tag war das auch schon wieder vergessen.

Bayern, Barcelona, AC Mailand – warum hat er so eine Top-Karriere als Spieler hinbekommen und Sie nicht?

Ich denke, dass er in der Zeit einfach mehr getan hat für seine Karriere als ich, was jetzt nicht heißt, dass ich gar nichts gemacht habe. Aber ich sage es mal so: Ich bin manchmal abends in die Disko gegangen, er wiederum hat das nie gemacht. Zudem hatte ich 2002 eine schwere Sprunggelenk-Verletzung und bin froh, dass ich trotz dieser Verletzung noch bis 2012 spielen konnte. Ich hätte nach meinem ersten Jahr bei der PSV Eindhoven zu Arsenal wechseln können, ein Jahr später war ich eine Option bei Milan, aber die haben damals Alessandro Nesta verpflichtet.

Schöne Vereine, die Sie da haben wollten…

...ja, aber ich habe da letztendlich nie gespielt, Mark wiederum hat es zu den ganz großen Klubs geschafft.

Waren Sie mit 21 Jahren auch schon so gut wie es Maxence Lacroix ist?

Ich habe mit 21 in der ersten Mannschaft bei der PSV Eindhoven gespielt und war bei der Nationalmannschaft. Aber ich war ein anderer Typ von Abwehrspieler als er es ist. Maxence hat eine überragende erste Saison in Wolfsburg gespielt, aber das zweite Jahr ist immer schwieriger. Jeder schaut jetzt auf ihn, er wird ganz genau beobachtet, Fehler werden anders bewertet. Aber eines sollte man bitte bei ihm nie vergessen: Er ist erst 21. Im Sommer, als es diese Leipzig-Spekulationen gab, hatte er im Training ein paar Probleme, doch jetzt ist das alles kein Thema mehr, Maxence ist stabil.

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Jetzt arbeiten Mark und Sie zusammen in Wolfsburg – in einem Team mit Michael Frontzeck, Vincent Heilmann, Alex Abresch und Pascal Formann. Wie funktioniert das neue Trainerteam beim VfL?

Wie Sie schon sagen, wir sind ein Team – eines, in dem ich mich als ehemaliger Abwehrspieler natürlich etwas mehr um die Abwehr kümmere. Aber Michael macht das ebenfalls, er redet aber auch mit anderen Spielern im Team und will ihnen wie ich auch, helfen. Bei Vincent ist das genauso. Mark und er sind es meist, die das Training vorbereiten – und dann kommen wir dazu und reden über die Einheit. Jeder will mit seiner individuellen Qualität der Mannschaft helfen. Nur darum geht es. Es passt in unserem großen Stab.

Hat es nach der Wechselpanne im Pokal und dem damit verbundenen Aus Krach gegeben?

Wir haben darüber gesprochen, ganz klar. Aber ruhig und sachlich. Ich habe letztendlich auch nicht aufgepasst, habe danach in den Spiegel geschaut und mich gefragt: Was für eine Sch… ist dir da passiert? Denn das Aus hat den Klub Geld gekostet, es kostete die Spieler Geld und es hat uns die Chance geraubt, diesen Pokal zu gewinnen. Doch wir konnten es nicht mehr ändern.

Nach dem Pokalaus wurden in der Liga die ersten vier Spiele gewonnen, jetzt hat der VfL fünf Pflichtspiele in Folge nicht gewinnen können – wie ordnen Sie die aktuelle sportliche Lage ein?

Ich weiß, wie gut wir sein können. Aber ich weiß auch, dass wir schlecht aussehen können, wenn nicht das umgesetzt wird, was wir als Trainerteam vorgeben. Wir haben einen guten Kader und wir hatten auch bei den Niederlagen in Hoffenheim oder gegen Gladbach gute Phasen im Spiel, aber wir müssen mehr zum „Killer“ werden. Wenn wir mit 3:0 zur Pause in Hoffenheim führen, dürfen sie sich nicht beschweren. Gegen Gladbach hatten wir trotz des frühen 0:2 Chancen, um auszugleichen. Etwa durch Ridle Baku oder Dodi Lukebakio, gegen Sevilla hatten wir zweimal die Chance zum 2:0, aber wir haben sie nicht genutzt. Das war nicht gut. Und trotzdem sage ich: Es gibt keinen Grund, unruhig zu werden. In der Bundesliga sind wir nur drei Punkte weg von der Spitze und in der Champions League haben wir noch alle Möglichkeiten.