29. Juli 2020 / 11:39 Uhr

Hohe Hürden: Sportplatzsanierung für Leipziger Vereine kaum zu lösen

Hohe Hürden: Sportplatzsanierung für Leipziger Vereine kaum zu lösen

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Beim Lok Leipzig-Nordost (li.) gibt es Probleme mit der Nutzung des Fördergeld, bei Lok Engelsdorf stockt der Bau des neuen Kunstrasens - wer seinen Sportplatz sanieren möchte, muss oft hohe Hürden bewältigen.
Beim Lok Leipzig-Nordost (li.) gibt es Probleme mit der Nutzung des Fördergeld, bei Lok Engelsdorf stockt der Bau des neuen Kunstrasens - wer seinen Sportplatz sanieren möchte, muss oft hohe Hürden bewältigen. © Frank Müller/Kerstin Förster
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Geld, Strukturen, Bürokratie: Für einen normalen Verein ist die Sanierung des gepachteten Sportplatzes ein risikoreiches Unterfangen. Oft werden die Hürden nicht gemeistert.

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Leipzig. Der SV Lok Engelsdorf (Baustopp wegen Einspruch eines Anliegers), der LSC 1901 (Baugenehmigung hakt) und Lok Nordost (Ärger um Bauablauf und Fördergeld) erfahren es aktuell, andere Leipziger Vereine haben es schon durch: Die Sanierung und Modernisierung ihrer Sportgelände ist eine Riesenaufgabe. Erst recht unter dem Umstand, dass diese bei eher kleineren Vereinen von Ehrenamtlern bewältigt werden muss. Viele der Enthusiasten leisten quasi „nebenbei“ einen Vollzeitjob. Wer da nicht das Glück hat, Fachleute vom Bau und möglichst auch juristische Füchse in seinen Reihen oder unter den Sponsoren zu haben, sollte wohl lieber gleich die Finger von solchen Vorhaben lassen.

Drei Haupthürden verhindern offenbar die Reduzierung des nach wie vor massiven Sanierungsstaus auf Leipzigs Sportstätten: Trotz in letzter Zeit etwas verbesserter Förderbedingungen scheitern schon viele Vorhaben am Geld. Das zweite Hindernis ist strukturbedingt und hängt mit der dritten, der Bürokratie, zusammen. Beide sind für einen normalen Verein, der als Sportplatzpächter das volle Risiko trägt, kontraproduktiv.

10% - 20% Eigenmittelbedarf

Adam Bednarsky, Mitglied des Leipziger Sportausschusses, hat als Gründungsmitglied von Roter Stern an maßgeblicher Position einschlägige Erfahrung bei Baumaßnahmen seines Vereins gesammelt und bekennt: „Die Pachtverträge haben durchaus gewisse Vorzüge, geben Freiheiten und einen relativ starken Rechtsstatus. Daneben aber eben auch viele Pflichten.“

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Am Anfang steht der Antrag von Fördergeldern. Das ist unterdessen etwas einfacher, da der Anteil an Eigenmitteln ab 200.000 Euro Investitionssumme nur noch zehn Prozent beträgt. Bis zu dieser Summe müssen Vereine nach wie vor 20 Prozent aufbringen.

Starke Vereine werden immer stärker

Die Fördermittel kommen, falls sie reichen und genehmigt werden, von der Sächsischen Aufbaubank (SAB), dem Land und der Kommune. Federführend ist das Amt für Sport. Die hier vorhandene „Manpower“ und Kompetenz wird von nicht wenigen Vereinen und Architekten infrage gestellt. Bednarsky weiß: „Man muss erstmal positiv Bekloppte finden, die sich diese Tortur über Jahre antun. Selbst sehr aktive und rührige Vereine haben damit ein Problem, andere kommen gar nicht erst so weit.“

Damit existiere eine Art Ausleseprozess. Das bedeutet, dass starke Vereine immer stärker werden. Die Gelände der meisten anderen aber dümpeln mehr oder weniger vor sich hin. Bednarsky schätzt, dass trotz finanzieller Aufbesserung mit der gegenwärtigen Praxis etwa dreimal mehr an Wert verloren geht als investiert wird. Der Sanierungsstau wird schlimmer. Am in Leipzig praktizierten System der Sportplatzverwaltung nagen beträchtliche Zweifel.