27. März 2019 / 22:00 Uhr

Hoheneder vor dem Duell zwischen dem 1. FC Lok und dem CFC: "Leipzig gibt mir Kraft"

Hoheneder vor dem Duell zwischen dem 1. FC Lok und dem CFC: "Leipzig gibt mir Kraft"

Fabian Held
Leipziger Volkszeitung
Niklas Hoheneder
Niklas Hoheneder spielt am Sonntag mit seinen Chemnitzern beim 1. FC Lok Leipzig. © SB
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Er gehörte zu den beliebtesten Kickern bei RB Leipzig. Jetzt spielt Niklas Hoheneder für den Chemnitzer FC. Mit den Himmelblauen gastiert er am Wochenende in der Messestadt. Im Gastspiel beim 1. FC Lok Leipzig feiert der Verteidiger eine Premiere.

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Leipzig. 86 Spiele absolvierte Niklas Hoheneder zwischen 2012 und 2015 für RB Leipzig. Er war Teil des Aufstiegs von Liga vier in Liga zwei. Jetzt kehrt er mit 32 Jahren zurück nach Leipzig. Über die Stationen Paderborn und Kiel landete er beim Chemnitzer FC, der am Sonntag beim 1. FC Lok Leipzig zu Gast ist. Der Wahl-Leipziger spricht über seinen Bezug zu Stadt, das Spiel im Bruno-Plache-Stadion und den Nazi-Skandal beim CFC.

DURCHKLCIKEN: Bilder aus Niklas Hoheneders Zeit bei RB Leipzig

Fußball Regionalliga 12/13: Niklas Hoheneder jubelt nach seinem Treffer zum 1:0. Zur Galerie
Fußball Regionalliga 12/13: Niklas Hoheneder jubelt nach seinem Treffer zum 1:0. ©
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Am vergangenen Wochenende hat Ihre Mannschaft 1:0 gegen Bautzen gewonnen. Wie wichtig war dieser Sieg nach der Niederlagen-Serie?

Ganz wichtig! Vor allem, weil wir endlich wieder mal in unser Spiel gefunden haben. Man hat gemerkt, dass Frahni (Daniel Frahn, der für das Hochhalten eines T-Shirts für zwei Spiele gesperrt wurde, d.R.) uns gefehlt hat. Er macht einfach viele wichtige Laufwege und vorn die Bälle fest. Dass er wieder dabei war, hat uns ein bisschen mehr Selbstvertrauen gegeben. Dazu kommt, dass es ein Heimspiel war und eine Art Wiedergutmachung. Dieser Sieg war ganz wichtig für die Seele.

Am Sonntag geht’s zu Lok Leipzig. Was erwartet Ihre Mannschaft da?

Lok spielt eine sehr, sehr gute Rückrunde. Das wird sicherlich ein schweres Spiel. Für Lok sind die beiden Partien gegen uns in der Liga am Sonntag und danach im Landespokal mit die wichtigsten Spiele in der Saison, echte Highlights. Wir werden alles reinwerfen müssen.

Mit RB haben Sie im September 2012 schon mal gegen Lok gespielt. Wie sind ihre Erinnerungen an das Spiel?

Das war super! Es waren, glaube ich, 27 .000 Leute da, wir haben 3:1 gewonnen. RB hat damals noch um die Anerkennung in der Stadt gekämpft. Wir hatten gezeigt, wer in Zukunft die Nummer eins in Leipzig sein wird. Das war für uns als Spieler und den Verein damals sehr wichtig.

Premiere im "Bruno"

Diesmal spielen Sie aber nicht im ehemaligen Zentralstadion, sondern im Bruno-Plache-Stadion.

Das ist eines der wenigen Stadien in der Umgebung, in denen ich noch nicht gespielt habe. Da freue ich mich drauf. Klar ist: Lok will uns ärgern. Es wird sicher hitzig werden. Die Stimmung ist ja immer gut in dem Stadion, habe ich gehört. Das sind genau die Spiele, auf die man sich als Fußballer freut.

Und mit einem 3:1 will der CFC diesmal zeigen, wer die Nummer eins in der Regionalliga Nordost ist?

Das müssen wir niemandem zeigen. Wir wollen gewinnen. Egal wie. Das ist ein Spiel, in das wir alles reinlegen.

Ihre Mannschaft ist sieben Punkte vor dem BAK, der aber keine Lizenz für die 3. Liga eingereicht hat. Herthas Bubis sind als Dritter bereits 14 Punkte weg. Ist die Aufstiegsfeier schon geplant?

Wir haben gar nichts geplant! Wir können jetzt nicht anfangen zu denken, dass wir noch nur auf einem Bein zu spielen brauchen. Dann verlierst du in dieser Liga jedes Spiel! Wir müssen unser Ding durchziehen. Das heißt: Wir wollen gewinnen, gewinnen, gewinnen...

Aufstieg das große Ziel

Wie wichtig wäre der Aufstieg für Sie aus persönlicher Sicht?

Ganz besonders wichtig! Ich habe das ja schon Mal erlebt. Damals bin ich aus der 2. Liga in Karlsruhe zu RB in die Regionalliga gegangen. Jetzt wieder von Kiel nach Chemnitz. Ich will auf jeden Fall noch mal dritte Liga spielen. Mein Ziel mit dem Wechsel war es, den Verein da unten wieder rauszuholen. Für den Verein wäre es natürlich auch wichtig, da er gerade in einer Insolvenz steckt.

Zeit für ein kleines Zwischenfazit: Sind Sie mit Ihrem Wechsel im Sommer zum CFC denn zufrieden?

Natürlich bin ich das. Ich wollte wieder Spaß am Fußball haben und viel spielen. Das hat in Kiel nicht mehr so geklappt. Außerdem wollte ich zu einem Verein gehen, der Ziele verfolgt und nicht einfach im Mittelfeld rumkickt. Das hat gepasst. Außerdem wohne ich wieder in Leipzig in meinem gewohnten Umfeld. Das gibt mir Kraft.

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Joshua Kimmich, Ante Rebic und Daniel Frahn spielten für RB Leipzig. Der SPORTBUZZER zeigt 50 ehemalige RB-Profis und was aus ihnen wurde. ©

Was meinen Sie mit „gewohntem Umfeld“?

Meine Frau ist Leipzigerin, meine Tochter wurde hier geboren und meine neue Familie lebt hier. Es gibt auch noch ein paar alte Kontakte zu RB, auch wenn nicht mehr viele von damals dabei sind. Mit Diego Demme habe ich noch guten Kontakt, mit Yussi Poulsen auch. Allerdings sehen wir uns selten, da sich die Trainingszeiten und die Spiele oft überschneiden. Ich war auch ein paar Mal im Stadion, zum Beispiel zur Europa League.

Mit welchem Gefühlen sitzen Sie dann im Stadion? Wehmut?

Wehmut weniger. Erstens, weil ich für mich weiß, dass ich ein Teil dazu beigetragen habe, dass der Verein da oben mitspielt. Auch wenn ich schon eine Weile weg bin, habe ich geholfen, den Verein von der vierten in die zweite Liga zu bringen. Es ist auch keine Wehmut, wenn ich die Spieler sehe, die auf meiner Position spielen, Dayot Upamecano oder Ibrahima Konaté zum Beispiel. So gut kann ich es nicht, so ehrlich muss ich zu mir sein. Das ist ein ganz anderes Niveau. Vielleicht hätte es bei mir noch für die Bundesliga gereicht, das weiß man heute nicht. Ich hatte aber leider nie die Chance.

Sie sind jetzt 32, haben vielleicht noch drei, vier Jahre im Tank – haben Sie sich schon Gedanken um die Zeit danach gemacht?

Ich werde definitiv in Leipzig bleiben, das habe ich für mich beschlossen. Zurück nach Linz möchte ich nicht, da es mir hier in Leipzig sehr gut gefällt. Ob ich dem Fußball erhalten bleibe? Das weiß ich nicht. Ehrlich gesagt, habe ich mir darüber noch nicht so viele Gedanken gemacht. Dafür bin ich im Kopf noch zu sehr Fußballer. Aber die Uhr tickt (lacht).

Der Körper macht also nicht mehr alles mit?

Ja, früher habe ich mir ohne Aufwärmen den Ball geschnappt und von der Mittellinie ins Tor geschossen. Das geht heute nicht mehr (lacht). Da sagt der Körper dann schon: Hör auf damit!

In den vergangenen Wochen wurde der CFC durch einen Skandal um die Trauerfeier für einen Neonazi durchgerüttelt und war tagelang in den Schlagzeilen. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Ich fand’s natürlich auch nicht schön. Als wir 15 Spiele in Folge gewonnen haben, gab es weniger Nachrichten über uns, als in dieser einen Woche. Keiner hat mehr gesagt: ‚Geil, 15 Spiele gewonnen‘. Sondern alle haben gesagt: "Was ist das für ein Verein, für den du da spielst?". Ich habe schon einige Nachrichten von alten Weggefährten bekommen,und das war auch Thema in Gesprächen. Das ärgert mich vor allem deshalb, weil es eine Sache war, mit der wir Spieler eigentlich nichts zu tun hatten. Alle haben über den Skandal geschrieben; viel mehr, als über unseren sportlichen Erfolg. Klar, Frahni hat ein T-Shirt hochgehalten, das war nicht schlau und das weiß er auch. Aber an sich hatten wir Spieler damit nichts zu tun. Ich hatte auch gedacht, dass man uns das sportlich nicht anmerken wird, aber es hat uns dann doch getroffen.

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Daniel Frahn gehörte stets zu den beliebtesten Akteuren im Kader von RB Leipzig. Zur Galerie
Daniel Frahn gehörte stets zu den beliebtesten Akteuren im Kader von RB Leipzig. ©

Wie erleben Sie die Stimmung in und um den Verein gerade?

Doch eher gespalten. Die meisten Fans wollen einfach den Verein und uns Spieler unterstützen, sind nicht politisch. Der CFC ist gerade in einer schwierigen Phase. Es sind Entscheidungen getroffen worden, die manche der Fans gut finden, andere wenige schlecht und dem Rest ist es egal. Aktuell ist unser Insolvenzverwalter Klaus Siemon bei ein paar Fans der Buhmann. Wenn wir aufsteigen sollten, stellen dann aber vielleicht einige fest, dass seine Entscheidungen doch richtig waren. Genau wie bei unserem Sportdirektor Thomas Sobotzik, der dann vielleicht doch mit wenig Geld sehr gute Arbeit gemacht hat. Wir waren insgesamt auf einem guten Weg, hatten seit dem Sommer ein gutes Klima geschaffen. Da passt der Skandal natürlich gar nicht rein. Es wird sicher Zeit brauchen, bis alles wieder zusammenwächst.

Müssen Sie deshalb nun unbedingt aufsteigen?

Es ist niemand zu mir gekommen und hat gesagt: Ihr müsst aufsteigen. Es wäre schön, wenn wir es schaffen würden. Aber müssen tun wir nicht. Deshalb empfinde ich da auch keinen Druck. Höchstens insofern, dass wir gerne wieder den Fußball der Hinrunde spielen würden.

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Bis 2021 läuft Ihr Vertrag noch – was haben Sie noch für Ziele mit dem CFC?

Das erste Ziel ist, den Aufstieg in diesem Jahr zu schaffen! Wie wir uns in der 3. Liga dann zurechtfinden könnten, das ist noch zu weit weg und unklar. Es war ja im Sommer noch unklar, wie wir uns überhaupt in der Regionalliga zurechtfinden würden. Was ich auf jeden Fall sagen kann: ich will noch so viele Spiele für den CFC machen, wie möglich, damit ich am Ende sagen kann, dass ich diesem Verein geholfen und meinen Anteil habe.

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