05. Oktober 2021 / 18:08 Uhr

Holm Pinder und der ZFC Meuselwitz gehen getrennte Wege: Ein Abgang mit Ansage

Holm Pinder und der ZFC Meuselwitz gehen getrennte Wege: Ein Abgang mit Ansage

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
ZFC-Trainer Holm Pinder während dem Achtelfinal-Spiel gegen Carl Zeiss Jena.
Holm Pinder wirkte gegen Ende seiner Amtszeit als Trainer beim ZFC Meuselwitz angeschlagen. © Mario Jahn
Anzeige

Seit Montagabend steht der ZFC Meuselwitz ohne Trainer und Sportlichen Leiter da: Für Ersatz soll so schnell wie möglich gesorgt werden. Im Fokus der Kritik stehen aber dennoch die Spieler.

Meuselwitz. Holm Pinder wirkte schon länger angeschlagen. Die Negativserie seines ZFC Meuselwitz nagte offenbar von Tag zu Tag mehr an ihm. Das 0:4 gegen Lok Leipzig brachte das Fass offenbar zum Überlaufen. 48 Stunden später trat der 50-Jährige von seinem Posten als Cheftrainer zurück. Man könnte auch sagen, er hat sich selbst entlassen, denn schließlich ist Pinder ZFC-Vizepräsident und als solcher nun auch in die Suche nach seinem eigenen Nachfolger eingebunden. Der soll „so schnell wie möglich und so langsam wie nötig“ her, wie Vereinspräsident Hubert Wolf dem SPORTBUZZER am Dienstag sagte.

Anzeige

„Wenn das kein Offenbarungseid war, dann war es mindestens grob fahrlässig“

Vorerst leitet der bisherige Co-Trainer Daniel Rupf das Training und wird wohl auch am Samstag während des Pokalspiels bei Oberligist Fahner Höhe auf der Bank sitzen. Der Rücktritt des Chefcoachs jedenfalls habe Wolf „vollkommen unvorbereitet“ getroffen. „Ich wurde am Samstagnachmittag erstmals mit diesem Gedanken konfrontiert“, so der ZFC-Boss. „Natürlich haben wir uns schon vorher über die Situation unterhalten und da hat Holm Pinder zu mir gesagt: ,Irgendwann geht der Verein vor’. Doch zum jetzigen Zeitpunkt hätte ich nicht mit seinem Rücktritt gerechnet.“

Mehr zum Fußball

Dabei sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Aber in Zipsendorf ticken die Uhren eben bisweilen etwas anders als anderswo. Denn während Pinder offenbar trotz sechs Punkten aus zwölf Spielen und dem vorletzten Tabellenplatz (19.) eine Jobgarantie hatte, war sein Vorgänger Koray Gökkurt nach zehn Spielen, acht Punkten und auf Platz 17 liegend entlassen worden. Andererseits besitzt Pinder nach Jahren im Verein und als Vizepräsident natürlich eine andere Halbwertszeit als der damals weitgehend unbekannte Gökkurt.

Vielmehr jedoch als der Übungsleiter stand damals wie heute die Mannschaft in der Kritik. Die zweifellos vorhandene individuelle Klasse bringen derzeit die Herren um Nils Miatke, Benjamin Förster, Amer Kadric, Tobias Becker oder René Eckardt selten bis nie auf den Platz – oder zumindest nicht zu einem zielführenden Ergebnis. Und nach zwei ordentlichen Auftritten gegen die Topteams Altglienicke und den Berliner AK, die am Ende doch unglücklich verloren gingen, folgte am Freitagabend das desolate Heim-0:4 gegen Lok Leipzig. „Wenn das kein Offenbarungseid war, dann war es mindestens grob fahrlässig“, schäumt Hubert Wolf noch immer.

Wie wäre es mit Ziegner?

Aber woran liegt es nur, dass vermeintliche Leistungsträger als solche nicht beziehungsweise nur in Ansätzen zu erkennen sind? Warum verfehlt die vermeintlich so gut besetzte Truppe das Klassenziel bislang so deutlich? Stimmt die Einstellung nicht? „Keine Ahnung“, sagt Wolf. „Manche Spieler denken, sie sind besser als sie sind, manche sind kritikunfähig.“ Auf den Betreuerstab trifft das offensichtlich nicht zu. Neben Holm Pinder hatte auch der Sportliche Leiter Frank Müller seinen Hut genommen. Ob diese Position neu besetzt wird oder ob sich die Verantwortlichen mit dem neuen Trainer den Job teilen, bleibt vorerst ebenfalls unklar. Das Tandem Müller/Pinder hatte die derzeitige Mannschaft gemeinsam zusammengestellt.

Kleiner Tipp für die Trainersuche am Rande: Jena-Legende Torsten Ziegner ist gerade als Coach der Würzburger Kickers geflogen. Vielleicht zieht es ihn ja wieder zurück in die thüringische Heimat...