28. Juni 2019 / 06:09 Uhr

Holstein Kiel: André Schubert und die „schüchternen Jungs“

Holstein Kiel: André Schubert und die „schüchternen Jungs“

Marco Nehmer
Kieler Nachrichten
KSV-Chefcoach André Schubert präsentierte sich gut gelaunt beim Interview.
KSV-Chefcoach André Schubert präsentierte sich gut gelaunt beim Interview. © Pat Scheidemann
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Störche-Trainer zieht Trainingslager-Fazit – Mannschaft ist noch vorsichtig, aber diszipliniert und lernfähig

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Donnerstag – das d steht für durchatmen. Endlich durchatmen. Der fünfte Tag im Trainingslager von Fußball-Zweitligist Holstein Kiel ist der erste nach dem Testspiel beim SV Falkensee-Finkenkrug (9:1), der erste nach der rekordverdächtigen Sahara-Hitze. Und der erste, an dem die Zügel etwas gelockert werden. Eine kurze, individuelle Einheit am Vormittag – das war‘s. Den Nachmittag haben die Spieler zur freien Verfügung. Einige fahren ins nahe Berlin, Dominik Reimann schwingt sich aufs Rad. Und André Schubert? Arbeitet, denkt nach. Über die Gestaltung des heutigen, des letzten Tages. Und über das, was bereits hinter ihm und den Störchen liegt.

„Es war ein Trainingslager zum Kennenlernen. Für mich, für das Trainerteam – und natürlich auch für die Jungs untereinander“, sagt Schubert, erst am Mittwoch vergangener Woche vorgestellt, am Tag darauf mit der KSV in die Vorbereitung eingestiegen. Und seit Sonntag mit dem Kieler Tross im brandenburgischen Kremmen. „Es war gut, um reinzukommen, um die Grundidee vom Fußball, den wir uns vorstellen, zu implementieren. Das ist alles noch sehr grob, ins Detail geht es dann erst noch. Die ersten Schritte haben wir aber gemacht.“

Schubert war an der Oberhavel direkt gefordert. Als Moderator, als Lehrer. Und als Anleiter – für eine ganz junge Truppe. Kurz vor dem Aufbruch nach Brandenburg stieß Emmanuel Iyoha, 21, zur Mannschaft, während des laufenden Trainingslagers noch Finn Porath, 22, und gestern dann schließlich David Atanga, ebenfalls erst 22. Von den weiteren sechs Neuzugängen ist keiner älter als 27, die meisten Anfang 20. „Das ist eine recht junge Mannschaft, deswegen sind sie alle noch etwas schüchtern und vorsichtig. Das entwickelt sich aber“, sagt Schubert, und lächelt dabei verständnisvoll.

Lautsprecher sucht man mit Ausnahme der Arrivierten – noch – vergebens. Das ist aber vorerst auch gar nicht nötig, wie Schubert beteuert: „Es ist eine sehr disziplinierte, engagierte Mannschaft, die versucht, die Dinge, die wir vorgeben, umzusetzen.“ Diese Dinge sind in ihrer Gesamtheit nicht weniger als die neue Holstein-DNA. Die neue Spielidee. Schuberts Spielidee.#

Darum geht es. Auch und vor allem in Kremmen. Das Grundgerüst ist noch lange nicht gefestigt. Aber es wird gerade zusammengefügt. „Wir haben am Spielaufbau gearbeitet, am Kombinationsspiel, haben das hohe Pressing trainiert und bei den Laufwegen eine Basis gelegt“, erklärt Schubert die Schwerpunktsetzung der Tage von Kremmen. Schränkt aber auch ein: „Wir sind noch sehr, sehr früh innerhalb der Vorbereitungsphase.“

Das zeigte sich am Mittwoch im Test in Falkensee. Es klappte längst nicht alles. „Zehn bis 20 Prozent“ des Erarbeiteten habe seine Elf umgesetzt, resümiert Schubert. Was freilich auch am Sechstligisten lag. „Der Gegner hat keinen Spielaufbau betrieben. Wir kamen deshalb weder in Pressing- noch in Gegenpressing-Situationen.“

Eine bessere Trainingseinheit gegen einen tapferen Sparringspartner, dem am Ende brutal die Kräfte ausgingen. Nicht mehr, nicht weniger. Nach dem Spiel liegt genauso viel Arbeit vor Schubert und seiner Truppe wie vorher. Die Agenda des Trainers ist umfassend: „Wir müssen die gesamte Spielidee entwickeln und es so organisieren, dass jeder weiß, was der andere macht.“

Teil dieser Spielidee ist auch eine möglichst breites Spektrum taktischer Herangehensweisen. Während sein Vorgänger Tim Walter nichts davon hielt, sich dem Gegner anzupassen, will Schubert der Mannschaft Flexibilität einimpfen. Der Fokus ist auf das Entwickeln des eigenen Spiels, auf Ballbesitz und hohes Pressing gerichtet. Aber, so Schubert: „Es wird sicherlich auch mal Mannschaften geben, die uns stark in die Defensive drängen. Wir müssen deshalb auch in der Lage sein, sehr kompakt zu verteidigen und auf Konter zu spielen.“

Das einzuschärfen, dafür reicht die nun endende Zeit in Kremmen nicht aus. Die nächste Stufe wird woanders gezündet. Spätestens in Bad Tatzmannsdorf, Österreich (7. bis 14. Juli). Aber: Ein Anfang ist gemacht.

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Emmanuel Iyoha lässt sich von Physio Sebastian Süß behandeln. ©
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