04. Februar 2019 / 22:36 Uhr

Holstein Kiel: Atakan Karazor hat sich zur tragenden Säule entwickelt

Holstein Kiel: Atakan Karazor hat sich zur tragenden Säule entwickelt

Marco Nehmer
Kieler Nachrichten
Kniet sich seit Wochen richtig rein: Atakan Karazor (Mitte) ist derzeit kaum aus der Startformation der KSV wegzudenken.
Kniet sich seit Wochen richtig rein: Atakan Karazor (Mitte) ist derzeit kaum aus der Startformation der KSV wegzudenken. © Uwe Paesler
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Pep Guardiola hat einen Gegner. Einen, der größer ist als jeder Rivale in kurzen Hosen. Guardiola, aktueller Coach von Manchester City, Schöpfer der katalanischen Ballbesitzmaschine, des FC Barcelona der vergangenen Dekade, geistiger Vater des schönen Spiels auch in Deutschland seit seinen Bayern-Jahren, hasst den Zufall. Er will ihn minimieren, in die Ecke drängen, ausmerzen. Gewinnen wird er diesen Kampf nie. Aber er wird ihn immer führen. Um den Fußball berechenbar zu machen.

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Mit seinen Prinzipien, seiner Philosophie, der Idee vom Fußball der Wahrscheinlichkeiten, hat der Spanier auch Tim Walter maßgeblich beeinflusst. Walter, Trainer von Holstein Kiel, hat zwölf Monate mit Guardiola im selben Verein verbracht, übernahm in Peps letztem Vertragsjahr bei den Profis die U17 des FC Bayern. Ein Hauch Pep umwehte dann auch seine Worte, als nach dem 2:0-Sieg über die Möglichkeiten von Jahn Regensburg referierte. „Wie die Chancen zustande kommen, ist Zufall. Solche Dinge können passieren. Das ist nicht kalkuliert. Wir wollen Dinge kalkulierbar machen. Wir wollen Fußball spielen.“ Und für diesen Anspruch hatte Walter am Sonntagnachmittag den perfekten Spieler auf dem Feld: Atakan Karazor. Das Kieler Rechenzentrum für die Kalkulation Fußball.

Die Marktwerte der Spieler von Holstein Kiel - Die GEWINNER (Stand: 08.01.2019, Quelle: transfermarkt.de)

Janni Serra: 2 Mio. (zuvor: 750.000) Zur Galerie
Janni Serra: 2 Mio. (zuvor: 750.000) ©
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„Ata war super heute“, lobte Walter seinen Strategen im defensiven Mittelfeld. „Er hat in Heidenheim in der zweiten Hälfte schon besser agiert als in der ersten.“ Und nun also der nächste Schritt. Die Zahlen untermauern die Einschätzung des Trainers: Karazor führte die meisten Zweikämpfe aller Spieler, gewann dabei mehr als 70 Prozent seiner Duelle. Karazor lief 11,2 Kilometer – die zweitmeisten nach Kingsley Schindler. Und Karazor war zweifellos das spielerische Hirn der Mannschaft, kam am Ende auf starke 90 Ballaktionen.Vor allem in der Luft war der 1,90 Meter große Karazor nicht zu bezwingen. Und in der Balleroberung ist er ohnehin bärenstark. Mit diesem Profil ist Atakan Karazor derzeit unverzichtbar. In Abwesenheit von Kapitän David Kinsombi logischer Stammspieler. Und das: ohne Qualitätsverlust. Dreimal in Folge hat er jetzt 90 Minuten gespielt. In der gesamten Hinrunde waren es nur 172 Minuten. In den ersten zehn Spielen: keine einzige.

Die Marktwerte der Spieler von Holstein Kiel - Die TOPWERTE (Stand: 08.01.2019, Quelle: transfermarkt.de)

David Kinsombi: 3 Mio. (vorher: 1,25 Mio.) Zur Galerie
David Kinsombi: 3 Mio. (vorher: 1,25 Mio.) ©

„Ich war in einem Loch“, sagt Karazor selbst über die schwierige Phase zu Saisonbeginn. Dann habe er seine Einstellung verändert. „Ich gebe im Training viel mehr Gas. Das habe ich vorher auch versucht, aber da es hat einfach nicht geklappt. Jetzt fühle ich mich besser, der Trainer vertraut mir. Das gibt mir so viel Selbstvertrauen, dass ich im Moment gute Spiele abliefern kann.“ Ein sich selbst verstärkender Prozess: gute Trainingsleistungen, Vertrauen, gute Spiele, noch mehr Vertrauen. So viel, dass Walter den 2017 von der Dortmunder Reserve nach Kiel gewechselten 22-Jährigen derzeit zu seinem zentralen Spieler macht. Im Wortsinne. Als Regensburg immer besser in Spiel kam, vor der Pause dem Ausgleich nahe war und zweimal den Pfosten traf, zog Walter seinen Sechser noch konsequenter ins Zentrum, um das Regensburger Mittel der hohen Bälle – der verachtete Zufall lässt grüßen – unschädlich zu machen. Und Karazor lieferte, köpfte nahezu jeden Ball aus der Gefahrenzone, sicherte auch einige zweite Bälle.

„Es wurde mir schon oft vorgeworfen, dass ich zu zart in die Zweikämpfe gehe. Aber ich finde, ich habe meine Rolle gefunden“, sagt Karazor. „Es läuft gut – und ich hoffe, alle sind zufrieden.“ Davon ist derzeit auszugehen. Und wovon ist am Mittwoch auszugehen? Karazor jedenfalls ist vorsichtig optimistisch, dem FC Augsburg im DFB-Pokal-Achtelfinale (18.30 Uhr) das eigene Spiel aufdrücken zu können. „Auch wenn es ein Erstligist ist: Wir werden vom Trainer gut aufs Spiel vorbereitet sein“, sagt Karazor. „Es wird Spaß machen.“ Man könnte auch sagen: Er wird Spaß machen. Er, Atakan Karazor. Der Mann wider den Zufall.

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