14. Januar 2021 / 00:36 Uhr

"Ekstase pur": Holstein Kiel schafft Pokal-Coup gegen FC Bayern – Schweinsteiger: "Historische Nacht"

"Ekstase pur": Holstein Kiel schafft Pokal-Coup gegen FC Bayern – Schweinsteiger: "Historische Nacht"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Kieler Fabian Reese und Jannik Dehm feiern die Pokal-Überraschung gegen Bayern mit Torwart Ioannis Gelios und dem Siegtorschützen Fin Bartels (verdeckt). Weltmeister Bastian Schweinsteiger lobte die Holstein-Profis.
Die Kieler Fabian Reese und Jannik Dehm feiern die Pokal-Überraschung gegen Bayern mit Torwart Ioannis Gelios und dem Siegtorschützen Fin Bartels (verdeckt). Weltmeister Bastian Schweinsteiger lobte die Holstein-Profis. © Getty
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Mit einer Energieleistung und dem nötigen Glück im Elfmeterschießen hat Holstein Kiel die vielleicht größte Sensation in seiner jüngeren Historie vollbracht. Über den Sieg gegen Bayern München waren die Protagonisten wenig überraschend hocherfreut. Auch Weltmeister Bastian Schweinsteiger lobte die Norddeutschen.

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Während die Spieler des FC Bayern München frustriert durch das dichte Schneetreiben in die Kabinen trotteten, feierten die Underdogs von Holstein Kiel begleitet von einem begeisterten Hupkonzert der eigenen Fans den wohl größten Erfolg in der jüngeren Vereinsgeschichte. Gerade hatten die Schleswig-Holsteiner den haushohen Favoriten aus München nach einer hochspannenden Partie und einem 2:2 nach Verlängerung im Elfmeterschießen bezwungen und sich damit das letzte verbliebene Achtelfinal-Ticket im DFB-Pokal gesichert. Entsprechend groß war die Euphorie, nachdem Fin Bartels den entscheidenden Strafstoß gegen Manuel Neuer verwandelt hatte.

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"Diesen Abend wird kein Mensch in Kiel, kein Spieler, kein Fan, jemals vergessen", jubelte Ioannis Gelios, der vor Bartels' goldenem Schuss gegen Marc Roca gehalten hatte und selbst vom enttäuschten Bayern-Coach Hansi Flick als "herausragend" gelobt wurde. Beim entscheidenden Versuch seines Teamkollegen hatte der Keeper "gar nicht hingeschaut, sondern nur auf den Jubel gewartet", gestand er bei Sky. Dass er ausgerechnet gegen die Bayern zum "Elfmeter-Killer" werden würde, hätte er "niemals gedacht. Umso schöner, dass es heute passiert ist".

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Auch sein Trainer Ole Werner konnte die Pokal-Überraschung, die sich seine Mannschaft schon vor dem Elfmeterschießen mit einer couragierten und mutigen Leistung durchaus verdient hatten, gar nicht richtig fassen - genau wie das Gros der Profis und Verantwortlichen: "Ich habe in der Kabine gerade viele verwirrte Menschen getroffen", bekannte der 32-Jährige, der die Dimension des Erreichten allerdings durchaus erfasste: "Es ist ein außergewöhnliches Erlebnis, das ist etwas, an das man sich in vielen Jahren noch erinnert."



Seine Mannschaft hatte in den 120 vorangegangenen Minuten den Bayern alles abverlangt und sich über weite Strecken sogar ebenbürtig präsentiert. Der frühere Münchner Bastian Schweinsteiger fand deshalb lobende Worte für die Norddeutschen. "Die Kieler haben eine überragende Leistung abgeliefert", sagte der Weltmeister in der ARD. "Sie haben es verdient, definitiv." Schweinsteiger freute sich mit Holstein über "eine historische Nacht" und adelte Werner für dessen gelungene Taktik.

Holstein-Matchwinner Bartels: "Haben immer daran geglaubt"

Überglücklich zeigte sich wenig überraschend auch Matchwinner Bartels, der bereits in der ersten Halbzeit der regulären Spielzeit das wichtige 1:1 erzielt und das Spiel damit nach der frühen Bayern-Führung durch Serge Gnabry (der klar im Abseits stand) offen gehalten hatte. "Ich glaube wir haben es alle zusammen geschafft als Team. Man hat gegen die Bayern immer Phasen, wo man etwas tief steht. Mit dem 1:1 sind wir mit Ball selbstbewusster geworden und haben immer dran geglaubt, dass wir doch die Überraschung schaffen können", sagte der frühere St. Pauli- und Werder-Profi, für den es im zehnten Anlauf tatsächlich der erste Sieg gegen die Bayern war. Der 33 Jahre alte gebürtige Kieler umschrieb seine Gemütsverfassung mit den Worten "Freude pur, Ekstase pur". Bei seinem Strafstoß habe er nach dem Roca-Fehlschuss den "positiven Druck" verspürt, "das Ding entscheiden zu können".

Abwehrchef Hauke Wahl, der mit der letzten Aktion der regulären Spielzeit in der fünften Minute der Nachspielzeit vor Neuer aufgetaucht war und das 2:2 geköpft hatte, war sehr stolz auf seine Mannschaft. "Wir haben da schon eine geile Band." Entscheidend war letztlich wohl auch die richtige Einstellung. "Vor dem Elfmeterschießen haben wir gesagt: Wir hauen die Dinger rein", sagte Bartels. "Wir haben nichts zu verlieren. Mit dieser Überzeugung haben wir die Elfmeter geschossen." Das war, so scheint es, im Schneetreiben von Kiel der Schlüssel zum Erfolg.