17. Mai 2019 / 09:01 Uhr

Holstein Kiel: David Kinsombi und Kingsley Schindler im Doppel-Abschiedsinterview

Holstein Kiel: David Kinsombi und Kingsley Schindler im Doppel-Abschiedsinterview

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Zwei-Mann-Jubeltraube: Kingsley Schindler und David Kinsombi haben bei der KSV Spuren hinterlassen. Jetzt verlassen sie beide das Storchennest.
Die Zwei-Mann-Jubeltraube: Kingsley Schindler und David Kinsombi haben bei der KSV Spuren hinterlassen. Jetzt verlassen sie beide das Storchennest. © Uwe Paesler
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2016 kam Kingsley Schindler aus Hoffenheim zum damaligen Fußball-Drittligisten Holstein Kiel, ein Jahr später folgte David Kinsombi, der aus Karlsruhe zum frischgebackenen Zweitliga-Aufsteiger stieß. Gemeinsam haben sie die zurückliegenden Erfolgsjahre geprägt. Jetzt gehen sie, Schindler zum 1. FC Köln, Kinsombi zum Hamburger SV. Zeit für ein letztes Gespräch.

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Herr Kinsombi, Herr Schindler, am Sonntag steht Ihr letzter Arbeitstag an. Wird man Sie in Bielefeld noch einmal im KSV-Trikot sehen?

David Kinsombi: Wenn es Sinn macht und ich der Mannschaft helfen kann, dann ja. Ich fühle mich fit, aber ich muss in meine Abläufe kommen. Es gehört noch mehr dazu, als einfach nur körperlich fit zu sein.

Kingsley Schindler: Ich habe zuletzt nach meiner Verletzung ja schon einige Einsatzminuten bekommen und würde mich freuen, wenn ich noch ein letztes Spiel machen darf. Es war auf jeden Fall schön, dass ich mich gegen Dresden noch einmal gebührend von den Fans zu Hause verabschieden durfte.

Sie wurden beide vor dem letzten Heimspiel offiziell verabschiedet. Was ist Ihnen dabei durch den Kopf gegangen?

Schindler: Ich hatte die ganze Woche schon über den Moment nachgedacht. Es war ein schönes Gefühl, weil etwas Neues kommt, aber auch merkwürdig, zu wissen, dass ein Kapitel endet. Ich bin leicht emotional geworden, als ich ausgewechselt wurde. Da habe ich realisiert, was ich hier in den vergangenen drei Jahren erlebt habe.

Kinsombi: Es ist verrückt, wie schnell – wie in meinem Fall – zwei Jahre vorbeigehen können. Es ist der Wahnsinn, was wir hier erlebt haben. Das war nicht vorherzusehen. Ich war Teil zweier sehr unterschiedlicher, cooler Truppen.

Wurden beim Fußball-Zweitligisten Holstein offiziell verabschiedet: Kingsley Schindler, Matias Honsak, David Kinsombi, László Bénes, Masaya Okugawa und Kenneth Kronholm.
Wurden beim Fußball-Zweitligisten Holstein offiziell verabschiedet: Kingsley Schindler, Matias Honsak, David Kinsombi, László Bénes, Masaya Okugawa und Kenneth Kronholm. © Uwe Paesler
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An welche Momente werden Sie sich erinnern?

Kinsombi: Sportlich bleibt, dass wir mit einem Bein in der Bundesliga waren. Diese acht Tage zwischen dem Braunschweig-Spiel und dem Relegations-Rückspiel waren echt besonders. Die Fahrt nach Wolfsburg, abends das Training im Stadion bei Flutlicht. Und die Spiele waren einfach geil. Auch wenn Wolfsburg glücklich vom Platz gegangen ist. In dieser Saison gab es auch tolle Momente. Ich hatte nach dem Heimspiel gegen Köln den Eindruck: Okay, jetzt funktionieren wir immer mehr, wir verstehen uns immer besser. Das Gefühl auf dem Platz wurde immer geiler. Das Spiel in Paderborn war unfassbar, dazu die zweite Halbzeit gegen St. Pauli, das Spiel in Duisburg, als wir von der ersten bis zur letzten Minute überlegen waren. Nach hinten raus dann noch das Heimspiel gegen Hamburg – das war ein super Abschluss des gesamten Jahres 2018. Wir waren zuhause fast unschlagbar.

Schindler: Zwei Höhepunkte waren für mich als Hamburger Jung’ die Spiele gegen den HSV. Zwei Siege, dazu die beiden Siege gegen St. Pauli – so etwas passiert nicht oft. Ich hatte zwar Probleme, in die Saison zu kommen. Das ist damals aber etwas zu hoch gehängt worden. Man hat mal eine Phase, in der es nicht läuft. Vorher ging es zwei Jahre permanent nur bergauf. Dann kam das Transfer-Thema auf – das war nicht so leicht für meinen Kopf. Ich bin aber gestärkt zurückgekommen und habe meine Tore gemacht. Ärgerlich war dann die Verletzung in Magdeburg.

Sie sprechen es an: Sie beide hatten in dieser Saison schwere Verletzungen.

Schindler: Ganz ehrlich? Das war wirklich schlimm. Wenn man im Flow ist und sich aus heiterem Himmel durch solch ein hartes Foul verletzt – das ist bitter. Aber es gehört zum Fußball dazu.

Kinsombi: Verletzungen kommen nie zu einem günstigen Zeitpunkt. Dass es uns beide relativ zeitgleich erwischt hat, in einer Phase, in der wir gut drauf waren und Verantwortung für die Mannschaft übernommen haben, war hart. Wir haben beide versucht, so schnell wie möglich zurückzukommen. Für mich hat es noch nicht gereicht, aber es war schön, miterleben zu können, wie Kingsley im letzten Spiel rausging und den Applaus bekommen hat, den er verdient.

Schuften für die Rückrunde: Schindler (vorne) und Kinsombi im Wintertrainingslager im spanischen Oliva Nova. Kurz darauf verletzten sich beide in kurzer Abfolge.
Schuften für die Rückrunde: Schindler (vorne) und Kinsombi im Wintertrainingslager im spanischen Oliva Nova. Kurz darauf verletzten sich beide in kurzer Abfolge. © Uwe Paesler

Gegen Sie gab es Pfiffe bei der Verabschiedung.

Kinsombi: Jeder kann seine Meinung äußern, solange es gewisse Grenzen nicht überschreitet. Die Pfiffe kamen auch nur aus einer bestimmten Ecke des Stadions. Ich kann es irgendwo nachvollziehen, dass der eine oder andere das vielleicht nicht versteht oder traurig ist. Ich nehme das auch nicht persönlich. Ich habe mich eher über die positiven Reaktionen gefreut, die mir die Menschen nach dem Spiel und in den Wochen davor entgegengebracht haben. Und man darf bei allem Unmut auch nie vergessen, was wir, was alle Spieler und Verantwortlichen für den Verein geleistet haben. Die ganze Mannschaft hat die Stadt Kiel sportlich noch einmal auf ein neues Level gehoben.

Herr Schindler, wie viele Kreuze haben Sie gemacht, als der Aufstieg des 1. FC Köln feststand?

Schindler: Ein paar auf jeden Fall (lacht). Ich war aber schon früh zuversichtlich. Dass es am Ende ein bisschen enger geworden ist – da musste ich durch. Jetzt spielt Köln in der Bundesliga, und ich kann meinen Kindheitstraum erfüllen.

Zum Wiedersehen mit Ihrem entlassenen Ex-Trainer Markus Anfang kommt es nicht.

Schindler: Ich hätte mich natürlich gefreut, auf meinen alten Trainer zu treffen. Aber das Geschäft ist so schnelllebig, das gehört dazu. Ich muss einfach von mir überzeugt sein, meine Leistung bringen – dann ist es egal, welcher Trainer an der Seitenlinie steht. Ich habe mich nicht für den Trainer, sondern für den 1. FC Köln entschieden.

Herr Kinsombi, wie bitter ist der Nicht-Aufstieg Ihres neuen Arbeitgebers HSV?

Kinsombi: Wenn ich eine Entscheidung treffe, ist es eine Grundsatzentscheidung. Da geht es nicht um momentane Umstände. Ich habe abgewogen, was für mich persönlich die richtige Entscheidung ist. Man muss wissen, dass es immer in beide Richtungen gehen kann. Dessen war ich mir bewusst. Ich hätte mich darüber gefreut, wenn der HSV es gepackt hätte. Jetzt ist es anders gekommen.

Und wie wird es bei Holstein weitergehen?

Schindler: Ich bin gespannt, wie sich der Umbruch gestaltet. Ich wünsche dem Verein alles Gute und würde mich freuen, wenn es so läuft wie im letzten Jahr, dass gute Jungs und ein guter Trainer dazukommen. Dass man hier weiter in Ruhe arbeiten kann, ohne eine zu große Erwartungshaltung. Dass hier an die Zeit angeknüpft werden kann, die wir mitgeprägt haben. Und: dass Holstein Kiel eine etablierte Größe im Norden wird.

Kinsombi: Die Situation ist ähnlich wie im letzten Sommer, es werden neue Spieler dazu kommen, die sich erst einmal finden müssen. Die Jungs sollen ihren Freiraum bekommen. Die Erwartungshaltung sollte daher nicht allzu hoch sein, auch wenn die Stadt in den letzten drei Jahren sehr schönen und erfolgreichen Fußball erlebt hat. Ich werde als Zuschauer, aber auch als Fan aus der Ferne beobachten, wie es weitergeht.

Interview: Marco Nehmer

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