19. April 2018 / 10:54 Uhr

Holstein Kiel: Der harte Kampf um Ruhe

Holstein Kiel: Der harte Kampf um Ruhe

Andreas Geidel
Direktschaltung: Holstein-Sportchef Ralf Becker am Dienstag im Live-Interview des TV-Bezahlsenders „Sky“ am Seitenrand des Trainingsplatzes der Störche.
Direktschaltung: Holstein-Sportchef Ralf Becker am Dienstag im Live-Interview des TV-Bezahlsenders „Sky“ am Seitenrand des Trainingsplatzes der Störche. © Paar
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Medienauflauf beim Zweitligisten wegen des Anfang-Abschieds – Auch Störche-Kapitän Czichos bald ein Kölner?

Das kaiserliche Frühlingswetter an der Ostsee stand am Mittwoch im krassen Kontrast zum Rauschen im bundesweiten Blätterwald rund um die aktuellen Themen beim Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel. Zur Zielscheibe des für Störche-Verhältnisse medialen Großaufgebotes gerieten einen Tag nach der offiziellen Verkündung des Abschieds von Markus Anfang zum 1.FC Köln im Sommer naturgemäß der Trainer selbst und dazu Ralf Becker, der Geschäftsführer Sport der Kieler. Ihr Credo: Ruhe bewahren, nur keine unliebsamen, weil möglicherweise leistungsmindernden Nebengeräusche ob der Personalie Anfang, volle Konzentration auf die letzten vier Punktspiele dieser Saison.

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Ein verständlicher Wunsch, schließlich darf der bravouröse Zweitliga-Aufsteiger weiter von Gegnern wie Bayern München oder Borussia Dortmund im kommenden Spieljahr träumen. Am kommenden Montag (20.30 Uhr) können die Störche den nächsten Schritt zur sportlichen Sensation bewältigen und mit einem Heimsieg gegen den 1.FC Nürnberg den Sprung auf den direkten Aufstiegsplatz zwei machen.

Wohl auch aus Furcht vor interpretationsfähigen Formulierungen fügten sich die Spieler dem Wunsch des Klubs und legten bei Journalisten-Fragen nach aktuellen Befindlichkeiten den Zeigefinger auf die geschlossenen Lippen. Einzig Kapitän Rafael Czichos – offenkundig als Sprachrohr der Profis erwählt – stand öffentlich Rede und Antwort. Dass ausgerechnet Czichos ein Protagonist der ins Kraut schießenden Spekulationen ist, gehörte zu den pikanten Details dieses Mittwochs.

Der 27-jährige, vertraglich bis zum 30. Juni 2020 an die Störche gebundene Abwehrchef der Störche stehe im Fokus des 1.FC Köln, meldete unter anderem der „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Ich kann prinzipiell in diesem Geschäft gar nichts ausschließen. Viele Vereine haben Interesse an unseren Spielern. Ich bin aber auch noch nicht so stark in die Personal-Planungen der Kölner eingebunden. Mein Fokus liegt derzeit ausschließlich auf Holstein“, antwortete Anfang auf die Frage, ob er ein Engagement eines Kieler Profis beim „Effzeh“ im Sommer in Bausch und Bogen ins Reich der Märchen weisen könne.

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Der Saisonverlauf 2017/18 von Zweitligist Holstein Kiel

1. Spieltag: Holstein Kiel startet mit einem Remis gegen den SV Sandhausen in die Zweitliga-Spielzeit. Sukuta-Pasu (14.) und Klingmann (35.) bringen die Gäste zunächst in Führung, später schlagen die Störche durch Lewerenz (75.) und Ducksch (90+5.) zurück. Zur Galerie
1. Spieltag: Holstein Kiel startet mit einem Remis gegen den SV Sandhausen in die Zweitliga-Spielzeit. Sukuta-Pasu (14.) und Klingmann (35.) bringen die Gäste zunächst in Führung, später schlagen die Störche durch Lewerenz (75.) und Ducksch (90+5.) zurück. ©

Willkommen im Konzert des Haifischbeckens Profifußball. Wer besser zahlt, bestimmt die Musik – störende Disharmonien vom Rhein inklusive. Czichos selbst beschränkte sich verbal auf die Ist-Situation vor Ort. Der nun offizielle Abgang Anfangs sei „keine wirkliche Überraschung gewesen“. Auch deshalb befürchtet der Capitano keine negativen Auswirkungen: „Es wäre fahrlässig, wegen einer solchen Geschichte die ganze Saison vor den Karren zu fahren.“ Schon vor dem jüngsten 4:0-Triumph in Dresden habe es Spekulationen gegeben. Spielt der Name des neues Coaches eine Rolle in seinen Planungen? „Wenn man persönliche Entscheidungen zu treffen hat, sollte man die alleine treffen – und dies Trainer-unabhängig“, so Czichos.

Sportchef Becker ließ derweil keinen Zweifel daran, dass die KSV Anfang nur zu gerne längerfristig gehalten hätte. „Ich müsste lügen, wenn ich etwas anderes sagen würde. Markus ist ein wahnsinnig guter Trainer.“ Bereits im Januar habe es erste Kontakte mit dem Kölner Sportdirektor Armin Veh wegen Anfang gegeben, bestätigte Becker. Angedacht sei gewesen, die Verkündung des Anfang-Wechsels bis nach dem Saisonende hinauszuschieben. Eine Hoffnung, die auch der Trainer nach eigener Aussage gehegt hatte. Ein Wunsch,der aber wegen des öffentliches Druckes und der Absprachen mit den Geißböcken, so Becker, nicht erfüllbar gewesen sei.

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Details des Geschäftes mit den Kölnern mochte Becker nicht kommentieren. So bleibt vorerst offen, ob die Ablöse für Anfang bei 800000 Euro („Kicker“), bei einer Million Euro, so die Information des KN Sporbuzzers, oder doch bei 800000 Euro plus möglicher Erfolgsprämie beim sofortigen Wiederaufstieg („Bild“) liegt. Die vergleichsweise geringe Summe dürfte dem Umstand geschuldet sein, dass die KSV Holstein das Geld aus Köln unabhängig von der Ligazugehörigkeit kassiert. Hintergrund: Bei einem Erstliga-Aufstieg der Störche wäre Anfang vertragslos gewesen und hätte ohne finanzielle Gegenleistung den Arbeitgeber wechseln können.

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