18. Februar 2019 / 21:43 Uhr

Holstein Kiel: Heimnachteil Stadionrasen

Holstein Kiel: Heimnachteil Stadionrasen

Marco Nehmer
Störche-Trainer Tim Walter scheint auf die Beschaffenheit des Rasens zu schimpfen.
Störche-Trainer Tim Walter scheint auf die Beschaffenheit des Rasens zu schimpfen. © Sonja Paar
Anzeige

Durch Witterung und Belastung: ramponierter Stadion-Rasen sorgt für Ärger bei Holstein Kiel – Neuverlegung ist Thema

Anzeige
Anzeige

Die Verletztenliste bei Holstein Kiel wird länger. Aber diesmal ist es kein Spieler, der den Verantwortlichen des Fußball-Zweitligisten Sorgen bereitet. Es ist der Rasen im Holstein-Stadion. Oder das, was davon noch übrig ist. Wunden zeichnen den Platz, kahle Stellen, mit Sand aufgeschüttet. Das Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth hat gezeigt: An gepflegten, temporeichen Fußball – an Walter-Fußball – ist hier im Moment nicht zu denken.

Die Bedingungen im Stadion sind ein klarer Nachteil

Und so waren die sportlichen Protagonisten nach dem Auftritt, der gerade vor der Haupttribüne in Teilen an eher ungelenken Strandfußball erinnerte, auch bedient. Nur die Störche-Fans rechtfertigen derzeit noch das Label „Heimvorteil“ bei Spielen im eigenen Stadion. Die Bedingungen: ein klarer Nachteil. „Man hat es gesehen“, sagte Atakan Karazor, Torschütze zum zwischenzeitlichen 1:1. „Sobald du den Ball angenommen hast, musstest du erst einmal darauf achten, dass er nicht verspringt. Dann ist alles ein bisschen langsamer.“

Bilder von der Zweitliga-Partie zwischen Holstein Kiel und der SpVgg Greuther Fürth

Kiels Patrick Kammerbauer (li.) wird von Fürths Kenny Prince Redondo vom Ball getrennt. Zur Galerie
Kiels Patrick Kammerbauer (li.) wird von Fürths Kenny Prince Redondo vom Ball getrennt. ©
Anzeige

"Schwierig, schnellen Fußball zu spielen"

Dabei lebt das Holstein-Spiel von Tempo, von Präzision, von sauberem Spielaufbau. „Wir wollen schnellen Fußball spielen, aber es ist schwierig“, sagte Torwart Kenneth Kronholm, gleich zweimal während des Spiels vom Zustand des Rasens unmittelbar betroffen. Fabian Reese, der im ersten Durchgang frei vor ihm aufgetaucht war, sprang der Ball dank der Unebenheiten im Strafraum über den Fuß. Und beim von Kronholm verschuldeten 1:2 nach gescheitertem Solo gegen Marco Caligiuri hatte der Schlussmann den Ball auf der sandigen linke Seite verloren. Wenngleich das Tor dennoch voll auf seine Kappe geht.

Tim Walter: "Das Thema ist leidig"

„Ich will mich nicht über die Verantwortlichen auslassen“, sagte er, „aber es wäre schon geil, wenn wir ein geiles Geläuf hätten.“ Von „geil“ kann derzeit wirklich keine Rede sein. Entsprechend angefressen war Trainer Tim Walter, ein ausgewiesener Fußball-Ästhet. „Das Thema ist leidig“, sagte er, und schob sarkastisch nach: „Dann müssen wir in Zukunft auch hoch und weit spielen wie die anderen. Es ist sehr deprimierend, auch für meine Mannschaft. Da muss ich sie auch in Schutz nehmen.“

Mehr über Holstein Kiel

Schuld ist vor allem das Wetter

Schuld sind andere. Vor allem: das Wetter. Der Rasen ist großen Belastungen ausgesetzt, besonders in der Zeit ohne Graswachstum zwischen November und März. Dann ist intensive Pflege gefragt. Dafür zuständig: die Firma Galabau Erwin Rumpf aus Nortorf. Geschäftsführer Ingo Rumpf und seine Mitarbeiter tun alles, um das Spielfeld zu verarzten: düngen, wässern, lockern, nachsäen. Und eben mit Sand versehen. „Das machen andere Bundesligisten auch“, sagt Rumpf.

Der Rasen braucht Erholung

Was der Rasen aber in erster Linie braucht, ist Erholung. Nur gab es die zuletzt praktisch gar nicht. Das Testspiel gegen Hansa Rostock, die Liga-Heimspiele gegen Regensburg und Fürth, dazu der Pokal-Auftritt gegen Augsburg – auf dem Acker wird ununterbrochen geackert. Mit der jetzt sichtbaren Konsequenz. Was ist also der Ausweg? Ein neuer Rasen? Oder erholt sich das momentan als Flickenteppich daherkommende Geläuf? „Erst in vier Wochen setzt das Wachstum ein, sofern wir keinen erneuten Wintereinbruch haben werden“, sagt Ingo Rumpf. Im Idealfall also könnte erst bis zum Heimspiel gegen den FC St. Pauli am 6. April Besserung eintreten. Wohlgemerkt: könnte.

Der Saisonverlauf von Holstein Kiel in der Zweitliga-Spielzeit 2018/19.

1. Spieltag: Holstein Kiel startet mit einem Paukenschlag in die Saison und gewinnt beim Hamburger SV mit 3:0. Die Tore für die Störche erzielen Jonas Meffert (56.), David Kinsombi (78.) und Mathias Honsak (90.+3). Zur Galerie
1. Spieltag: Holstein Kiel startet mit einem Paukenschlag in die Saison und gewinnt beim Hamburger SV mit 3:0. Die Tore für die Störche erzielen Jonas Meffert (56.), David Kinsombi (78.) und Mathias Honsak (90.+3). ©

Neuverlegung ist Thema

„Sollte der Rasen sich nicht wie erwartet entwickeln, denken wir darüber nach, ihn gegen einen neuen auszutauschen, um bestmögliche Bedingungen für unsere Ligamannschaft zu gewährleisten“, sagt KSV-Präsident Steffen Schneekloth. „Kosten und Dringlichkeit müssen dabei aber in einem vernünftigen Verhältnis stehen.“ Die Kosten lassen sich beziffern: Sie liegen zwischen 100000 und 150000 Euro. Geld, das der Verein zuletzt im Januar 2018 für einen erneuerten Rasen in die Hand genommen hatte. Und doch könnte die Investition sinnvoll sein – aus sportlicher Dringlichkeit. Für erfolgreichen Fußball braucht Holstein Kiel ideale Bedingungen. Sind die nicht gegeben, kann das am Ende wichtige Punkte kosten. Punkte, die am Ende für den Aufstieg fehlen?

Am Sonnabend geht es zunächst einmal zum VfL Bochum. Schonzeit fürs eigene Spielfeld. Und die Chance auf attraktiven, erfolgreichen Kombinationsfußball: Der Rasen im Ruhrstadion wurde erst Ende August erneuert.

ANZEIGE: #GABFAF-Hoodie für 20 Euro! Der Deal of the week im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus Kiel
Sport aus aller Welt