07. Juni 2019 / 11:15 Uhr

Holstein Kiel: Die Tops und Flops der Saison 2018/19

Holstein Kiel: Die Tops und Flops der Saison 2018/19

Marco Nehmer
Kieler Nachrichten
Die Holstein-Spieler bedanken sich bei den Fans für den Support.
Die Holstein-Spieler bedanken sich bei den Fans für den Support. © Uwe Paesler
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Wenn sich der Rauch verzieht, sieht man klarer. Seit knapp drei Wochen ist die Saison 2018/19 nun Geschichte – und mit etwas Abstand wird erst so richtig fassbar, was Fußball-Zweitligist Holstein Kiel in dieser bewegten, intensiven, rastlosen Spielzeit eigentlich geleistet hat, was in und um den Verein los war. Und wie das alles zu bewerten ist. Ein Blick auf die Tops und Flops aus zwölf Monaten Holstein Kiel.

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Tops

Furioser Förde-Fußball

Zu allererst: Im Kerngeschäft der Störche, dem Fußball, lief es nahezu optimal. Und das, obwohl die Vorzeichen denkbar schlecht waren. Trainer weg, Sportchef weg, Spieler weg – und die KSV nach dem zweiten Zweitliga-Jahr auch weg? Ja, danach sah es eine Zeit lang aus. Aber auf andere Weise als die Skeptiker vermutet hatten: Der Aufstieg in die Bundesliga war phasenweise in Reichweite. Holstein spielte innovativen, spektakulären, aber auch riskanten Fußball. Das 4:4 in Paderborn war das vielleicht absurdeste Spiel der gesamten Saison. Eines, das in Erinnerung bleiben wird. Und damit ist schon eine ganze Menge erreicht. Aber auch der nüchterne Blick auf die Zahlen stimmt positiv. Mehr noch: Die Saison 2018/19 war die zweiterfolgreichste seit mehr als 50 Jahren. Wunderbar. Die Betonung liegt auf Wunder.

Auswärts zu Hause

Die blau-weiß-rote Invasion im Volkspark zum Saison-Auftakt, als 6000 Störche-Fans mit nach Hamburg gereist waren, sollte kein Einzelfall bleiben. Vielmehr war sie ein Fanal, das davon kündete: Auch auswärts ist die KSV zu Hause. 1100 Kieler in Berlin, knapp 3000 auf St. Pauli, mehr als 4200 in Köln, am Ende noch einmal fast 2000 beim bedeutungslosen Spiel in Bielefeld – wer solche Anhänger hat, muss kein fremdes Stadion fürchten. Am Ende waren es mehr als 21000 Fans, die mit den Störchen durch die Liga zogen. Das ist Rekord im schleswig-holsteinischen Fußball. Und angesichts der Kieler Randlage in der Zweitliga-Republik umso beeindruckender.

Die blaue Wand

Die Kieler Skyline hat Zuwachs bekommen. Wo über weite Strecken der Saison eine hässliche, mithin schmerzende Wunde klaffte, ist im Frühling endlich Heilung eingetreten: Die neue Osttribüne, in sattem Sitzschalen-Blau mit weißem KSV-Schriftzug erstrahlend, bietet 7500 Zuschauern Platz, überragt die anderen Dächer des Holstein-Stadions um Längen. Ein weithin sichtbares Trostpflaster für den gescheiterten Bau einer festen Tribüne (siehe Flops). Die neue Ost ist eindrucksvoll, laut und pusht die Mannschaft zusätzlich. Und kann so in Zukunft der Störche-Elf vielleicht sogar den einen oder anderen Punkt gewinnen.

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Flops

Im Osten nichts Neues

Der Tribünen-Top ist gleichzeitig auch der Tribünen-Flop. Denn vor der Errichtung des Provisoriums gab es den monatelangen Eiertanz um eine dauerhafte Lösung. Eine Hängepartie, die sich vor allem in der Außendarstellung nicht wirklich positiv auswirkte. Für den Bau einer festen Osttribüne wollte sich partout kein Generalunternehmer finden lassen. Zwei Ausschreibungen – zwei Enttäuschungen. Vielleicht lag es am ambitionierten Zeitplan der KSV, vielleicht an den vollen Auftragsbüchern in der Baubranche. In jedem Fall aber gehörte das Tribünenthema zu den nervigen Episoden eines sportlich erfolgreichen Jahres.

Arroganz-Anfälle

Du bekommst den Trainer aus München, aber du bekommst München nicht aus dem Trainer. Eine Erfahrung, die Verantwortliche, Spieler und Fans im Umgang mit Tim Walter machen mussten. Der neue Störche-Chefcoach, von der Regionalligamannschaft des FC Bayern losgeeist, ließ an der Förde reichlich Rekordmeister-Attitüde heraushängen. Scharmützel mit Schiedsrichtern, vollmundige Sieg-Ankündigungen, verbale Geringschätzung gegnerischer Spielideen – Walter machte sich nicht immer und überall Freunde. Er war hart in der Sache, selbstbewusst, bisweilen ins Arrogante abgleitend. Aber: Der Erfolg gab und gibt ihm recht. Und seine Mannschaft verteidigte er bis zuletzt konsequent und kompromisslos. Also fast schon wieder ein Top.

Auf der letzten Rille

Die Luft ist raus, der Tank ist leer, der Ofen ist aus – an Metaphern und Umschreibungen der Leistungsfähigkeit der Störche in den finalen Wochen der Saison mangelte es nicht. Streckenweise ging wirklich gar nichts mehr. Sieben Niederlagen in den letzten elf Saisonspielen trüben das hübsche Bild einer guten Saison ein wenig ein. In der Formtabelle ab dem 24. Spieltag belegt die KSV den 16. Platz, nur einen Punkt vor dem 1. FC Magdeburg und dem FC St. Pauli. Jetzt ist endlich Sommerpause. Akkus aufladen, neu aufstellen, und dann geht es wieder los. Auf viele Tops und möglichst wenige Flops in der Saison 2019/20.

Mehr zu Holstein Kiel

Der Saisonverlauf von Holstein Kiel in der Zweitliga-Spielzeit 2018/19.

1. Spieltag: Holstein Kiel startet mit einem Paukenschlag in die Saison und gewinnt beim Hamburger SV mit 3:0. Die Tore für die Störche erzielen Jonas Meffert (56.), David Kinsombi (78.) und Mathias Honsak (90.+3). Zur Galerie
1. Spieltag: Holstein Kiel startet mit einem Paukenschlag in die Saison und gewinnt beim Hamburger SV mit 3:0. Die Tore für die Störche erzielen Jonas Meffert (56.), David Kinsombi (78.) und Mathias Honsak (90.+3). ©
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