07. Juli 2019 / 19:54 Uhr

Holstein Kiel: Erste Trainingseinheit mit zwei Testspielern

Holstein Kiel: Erste Trainingseinheit mit zwei Testspielern

Andrè Haase
Kieler Nachrichten
Erstes Training in Bad Tatzmannsdorf.
Erstes Training in Bad Tatzmannsdorf. © Uwe Paesler
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Interview mit KSV-Coach André Schubert - Nico Donner im Test

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Mit voller Kapelle rückte Zweitligist Holstein Kiel im Trainingslager in Bad Tatzmannsdorf (Österreich) am Sonntag an. 24 Feldspieler und 4 Torhüter waren um Punkt 16.30 Uhr auf dem Sportplatz des SC Bad Tatzmannsdorf zur ersten Trainingseinheit versammelt. Neben Testspieler Philipp Müller (ehemals Preußen Münster) gab ein weitere Spieler seine Visitenkarte bei den Kielern ab.

Linksaußen Nico Donner, beim Nordost Regionalligisten VSG Altglienicke unter Vertrag, trainierte mit den Störchen. Der 20-Jährige zeichnet sich durch eine enorme Geschwindigkeit aus und hofft, die KSV-Verantwortlichen überzeugen zu können. Zudem komlettiert U19-Keeper Julius Schmid das Torhüter-Quartett. Auch Innenverteidiger Stefan Thesker (Muskelfaserriss in der Wade) trainierte individuell.

Erste Trainingseindrücke vom Trainingslager in Bad Tatzmannsdorf

Trainingslager Holstein Kiel in Bad Tatzmannsdorf

Jae-Sung Lee (re.) massiert Hauke Wahl. Zur Galerie
Jae-Sung Lee (re.) massiert Hauke Wahl. © Uwe Paesler
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Trainingslager in Bad Tatzmannsdorf und Trikot-Präsentation

Vor der Abreise ins Trainingslager in Bad Tatzmannsdorf (Österreich) nahm sich Andre Schubert, Cheftrainer des Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel, noch Zeit für ein Interview. Schubert-Interview. Der 47-Jährige erklärte, warum defensive Stabilität und offensiver Fußball für ihn kein Widerspruch ist. Dass die aktuelle 4-3-3-Grundordnung nur die Basis für die angedachte taktische Flexibilität der Störche ist. Und dass er sich auf den Video-Beweis in der kommenden Saison freut.

Frage: Sie legen großen Wert auf defensive Stabilität, wollen aber auch offensiven Fußball bieten. Ein Widerspruch?

Schubert: Nein, überhaupt nicht. Wir wollen selbst aktiv sein, wollen den Gegner vor Aufgaben stellen und ihn schon im Aufbau stören. Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte sind optimal, der Weg zum Tor ist dann kurz. Natürlich wird immer wieder versucht werden, ein hohes Pressing zu überspielen, daher ist auch eine gute defensive Organisation notwendig. Das sich beides gut vereinbaren lässt, zeigen internationale Topmannschaften wie Bayern, Barca, Liverpool oder Manchester City auf höchstem Niveau, aber auch Teams wie Aufsteiger Paderborn in der zweiten Liga der vergangenen Saison. Wir wollen aber auch einen Plan B und C in der Tasche haben, um situativ reagieren zu können. Und natürlich wollen wir gerne einen guten Kombinationsfußball spielen, möchten unsere spielerischen Möglichkeiten auch nutzen.

Sportchef Fabian Wohlgemuth hat angekündigt, noch zwei bis drei neue Spieler in dieser Transferperiode verpflichten zu wollen. Wo sehen Sie noch Baustellen in Ihrem mit vielen jungen wilden U23-Akteuren besetzten Kader?

Wir werden den Kader noch verstärken. Die Besetzung einzelner Positionen wird allerdings intern besprochen. Aber auch das aktuelle Aufgebot ist sicher konkurrenzfähig in der Zweiten Liga.

Wagen Sie zu diesem frühen Zeitpunkt bereits eine Saisonprognose?

Das wäre nicht seriös. Eine Prognose vor dem Transferschluss macht wenig Sinn, ohnehin geht es für uns nicht vordergründig um Tabellenplätze, auch wenn natürlich der Klassenerhalt an oberster Stelle steht. Für uns steht auch die Performance der Mannschaft, die Attraktivität der Spielweise im Blickpunkt. Stimmen die Leistungen und die Performance, werden wir auf Dauer auch Punkte holen. Darüber hinaus gilt es, junge Spieler weiter zu entwickeln. Holstein Kiel hat in den beiden vergangenen Jahren eine Reihe sehr guter Spieler abgegeben, die sich bei Kiel entwickelt haben. Ich nenne als jüngste Beispiele Kinsombi, Karazor, Schindler oder auch Kronholm. Auch jetzt haben wir wieder viele junge Spieler im Kader, die gerne den nächsten Schritt bei uns machen wollen. Das ist für uns alle eine große Herausforderung, darin liegt aber auch ein ganz spezieller Reiz. Ich habe großes Vertrauen in Fabian Wohlgemuth und dessen Netzwerk und Fähigkeiten bei der Kaderplanung, wir werden eine gute Mannschaft haben und sie weiterentwickeln.

Sie waren nach Ihrem vorzeitigen Aus in Mönchengladbach am 21. Dezember 2016 bis zum 10. Oktober 2018 ohne Verein, haben dann den akut abstiegsgefährdeten Drittligisten Eintracht Braunschweig übernommen. War die äußerst heikle und erst am letzten Spieltag mit dem Klassenerhalt erfolgreich endende Mission in Braunschweig der Rettungsanker, um als Profitrainer nicht aufs Abstellgleis zu geraten?

Ich bin sehr dankbar dafür, im Leben auch Glück gehabt zu haben und habe keine existenziellen Ängste. Ich kann ohne Stress und aus Überzeugung Aufgaben und Herausforderungen annehmen. In meiner Pause hatte ich Gelegenheit, mich viel mit der Entwicklung des Fußballs und meiner eigenen Spielidee zu beschäftigen und irgendwann wollte ich einfach wieder arbeiten. Schon vor Braunschweig gab es die ein oder andere Anfrage, daher musste ich mir auch keine Sorgen machen, nicht wieder einsteigen zu können. Auf Braunschweig fiel die Wahl, weil der Verein tolle Strukturen, großes Potenzial und eine fantastische Fan-Base hat. Und weil ich nicht zufrieden war, wie ich in Gladbach die Krisenzeit moderiert habe, bot sich mir nun die Gelegenheit, unter größtem Druck genau das noch einmal besser zu machen. Ich habe schon vor Jahren gesagt, dass ich kein spezielles Karriereziel verfolge, daran hat sich nichts geändert. Ich bin dankbar für alles Erlebte, ich bin jedem Verein dankbar für die Möglichkeiten, die sie mir boten. Die Bereiche, in die ich mit Gladbach vorstoßen durfte, zeigten mir, was alles mit Mut und Überzeugung möglich ist. Auf unsere Champions-League-Spiele werde ich immer wieder mit Begeisterung angesprochen, diese tollen Erlebnisse bleiben im Gedächtnis. Diese Begeisterung möchte ich gerne vermitteln, Spieler weiter entwickeln, Freude machen und Spaß am Job haben. Und im Idealfall natürlich auch Erfolge feiern.

Ihre Spieler hier bei der KSV Holstein und auch Sie selbst erleben in der kommenden Saison erstmals den Video-Beweis am eigenen Leib. Was überwiegt: Vorfreude oder Skepsis?

Ich bin ein klarer Befürworter des Video-Beweises, man darf aber keine Perfektion erwarten. Bei der praktischen Umsetzung besteht sicher noch Optimierungsbedarf, vor allem wann eingegriffen wird und wann nicht. Aber der Video-Beweis reduziert ohne jeden Zweifel die Anzahl der klaren Fehlentscheidungen.

Als Trainer stehen Sie im Fokus der Öffentlichkeit. Wie reagieren Sie auf Kritik – speziell auf die in den Medien?

Ich habe nun schon einiges erleben dürfen, das härtet etwas ab und von Jahr zu Jahr begreife ich zunehmend, dass ich am besten damit fahre, ganz bei mir zu bleiben und mich nicht mit dem ganzen Zirkus drum herum zu beschäftigen. Weder in guten noch in schlechten Zeiten. Ich lese keine Zeitungen mehr, zumindest nichts, was mich direkt betrifft. Auch mit Foren und Netzwerken beschäftige ich mich nicht mehr. Ich habe einen Super-Staff und ein gutes Umfeld. In diesem tauschen wir uns aus und hinterfragen uns kritisch, aber sachlich. Zum Fußball hat halt jeder seine Meinung, die er auch äußern darf, alle diskutieren, manchmal auch hoch emotional und das ist gut so. Davon lebt der Fußball auch ein Stück weit. Aber am Ende des Tages müssen wir die Entscheidungen treffen, von denen wir überzeugt sind und dürfen uns nicht von außen treiben lassen.

Interview von Andreas Geidel

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