22. Juni 2018 / 12:13 Uhr

Holstein Kiel: Fabian Wohlgemuth hat das Gespür für Nachhaltigkeit

Holstein Kiel: Fabian Wohlgemuth hat das Gespür für Nachhaltigkeit

Andreas Geidel
Ist von der Vereinsphilosophie der Störche überzeugt: Holstein-Sportchef Fabian Wohlgemuth.
Ist von der Vereinsphilosophie der Störche überzeugt: Holstein-Sportchef Fabian Wohlgemuth. © Andre Haase
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Der Neue Sportchef setzt beim Personalpuzzle der Störche auf Netzwerk, Videos und persönliche Gespräche.

„Aktuell könnte jeder Tag doppelt so lang sein“, sagt Fabian Wohlgemuth, der neue Geschäftsführer Sport des Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel. Und meint damit vor allem die Personalplanungen für das zweite Jahr der Störche im Bundesliga-Unterhaus, die er gemeinsam mit Chefcoach Tim Walter seit Wochen voran treibt.

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Mit Dominik Reimann (Torwart), Jannik Dehm (Außenverteidiger), Benjamin Girth und Janni Serra (beides Stürmer) haben bislang vier Neuzugänge bei den Nordlichtern angeheuert. 20 Profis umfasst zurzeit das Holstein-Aufgebot, zu dem die Defensiv-Routiniers Sebastian Heidinger und Niklas Hoheneder nicht mehr zählen werden, das am Montag (18 Uhr) mit der Saisonvorbereitung beginnt.Verpflichtet werden sollen laut Wohlgemuth noch ein dritter Torwart sowie ein Abwehrspieler– und „selbstverständlich wäre es schön, wenn noch ein Spezialist für das Angriffszentrum, der unserem Offensivspiel Struktur geben kann, in unser Budget passen würde“.

24 bis 26 Akteure stark soll der künftige Lizenzspielerkader bis zum Ende der Transferperiode am 31. August sein, dazu könnten noch der eine oder andere Perspektivspieler kommen, sagt der 39-jährige Sportchef. Ebenfalls neu bei den Störchen: Dem Trainingslager in Büsum vom kommenden Dienstag bis zum 29. Juni folgt noch ein zweites Camp zwecks Feinschliff und Teambuilding vom 16. bis 21. Juli im bayrischen Bad Gögging.

Wohlgemuth formuliert seine Sätze wohl überlegt. Definiert der Diplom-Kaufmann die Eckpfeiler der unter der Prämisse „Neuanfang“ firmieren den Vereinsphilosophie („Nachhaltigkeit schaffen, Spieler weiter entwickeln“), spürt der Gesprächspartner die Überzeugung und den Ehrgeiz des Mannes, der nach sieben Jahren als Leiter der Nachwuchsabteilung beim VfL Wolfsburg mit zwei deutschen Meisterschaften mit der U19 nun den nächsten Schritt auf seiner persönlichen Karriereleiter gemacht hat. Unter Wohlgemuth haben Profis wie Julian Brandt, Maximilian Arnold oder Robin Knoche den Sprung ins Fußball-Rampenlicht geschafft. Auch in Kiel heißt sein Ziel: Hochkaräter formen.

Wohlgemuth formuliert sein Credo so: „Tim Walter und ich haben nun das Glück, unsere langjährige Arbeit im Ausbildungsfußball großer Klubs effektiv in die aktuelle Findungsarbeit einbringen zu können. So können wir in jeder Position auf ein großes Kandidatenportfolio und das entsprechende Netzwerk zurückgreifen.“ Natürlich werde mit Unterstützung von Chefscout Carsten Wehlmann auch immer ein Auge auf Akteure der Zweiten und Dritten Liga sowie interessante Kandidaten aus dem Ausland gerichtet. Mit Hilfe des Analysesystems „Wyscout“ sei es möglich, so der gebürtige Berliner, von fast jedem Spieler bewegte Bilder zu sehen. „Doch mindestens ebenso wichtig wie balltechnische und spieltaktische Potenziale sind der Charakter, die Mentalität und die Intelligenz des Spielers. Diese Informationen liefern weder die Statistiken noch die schönsten Highlight-Videos. Diese Nachhaltigkeit bei einer Personalie zu ermitteln, funktioniert nur über viel Fleißrecherche sowie über persönliche Gespräche“, ergänzt derTrainer-A-Lizenz-Inhaber.

Auf eine Summe zwischen neun und zehn Millionen Euro beziffert der kaufmännische Geschäftsführer Wolfgang Schwenke den vom Aufsichtsrat abgesegneten Personaletat für das kommende Spieljahr. „Sollten wir investieren müssen, dann allein nach Dringlichkeiten und ohne übertriebenes Risiko“, erklärt Wohlgemuth. Dass das Privatleben derzeit zu kurz kommt, versteht sich ob der anstehenden Aufgaben fast von selbst. Wohlgemuths Lebensgefährtin und die beiden Töchter (fünf und zwei Jahre alt) wohnen noch in Berlin. Der KSV-Sportchef lebt aktuell aus Koffern im „Hotel Birke“. Ist eine passende Wohnung gefunden, kann sich der ehemalige Verteidiger, der seine aktive Laufbahn 2003 wegen Komplikationen nach einer Kreuzbandverletzung beenden musste, gut vorstellen, dass die Familie zu ihm an die Förde kommt: „Das wird zu gegebener Zeit durchdiskutiert.“


Anders ist die Situation bei Walter. „Meine Familie bleibt in München, wir sehen uns in den Ferien“, so der der 42-jährige Coach. „Die großen Mädchen sind beide schulpflichtig. Von daher ist es schwierig, sie aus dem Umfeld rauszuziehen.“ Die Töchter sind sieben und acht Jahre jung, dazu kommen die Gattin, der fünfjährige Sohn sowie Labrador Struppi. Geht es nach Wohlgemuth, könnte bei Walter irgendwann doch noch ein Sinneswandel eintreten. „Wir wollen gemeinsam etwas aufbauen bei der KSV Holstein. Unsere Zusammenarbeit ist auf Langfristigkeit ausgerichtet“, sagt der KSV-Sportchef.

Steckbrief von Fabian Wohlgemuth

Geburtsort/-datum: Berlin/April 1979.

Familienstatus: Lebensgefährtin, zwei Töchter (fünf und zwei Jahre alt).

Ausbildung: Vier Jahre Studium an der TU Berlin mit Abschluss Diplom-Kaufmann; Trainer-A-Schein.

Aktive Karriere: Union Berlin, FC Berlin, Croatia Berlin, Lichterfelde 47, TB Berlin, Hansa Rostock II, Chemnitzer FC.

Karriere abseits der Kreidelinien: ab 2008 HSV (Jugend-Trainer und -Chefscout); ab Januar 2011 Jugend-Chefscout beim VfL Wolfsburg; ab Juni 2011 Leiter der Nachwuchsabteilung in Wolfsburg.

Kommentar von KN-Sportredakteur Andreas Geidel

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Holsteins Ziel heißt jetzt Nachhaltigkeit

Das Vertraute so lange wie möglich zu bewahren, liegt in der Natur des Menschen. Besonders dann, wenn das Vergangene extrem erfolgreich war. Doch das Karussell des Lebens dreht sich schnell, speziell im Bereich des Profifußballs. Auch beim Zweitligisten Holstein Kiel sind nach dem Fußball-Märchen der zurückliegenden zwei Jahre Veränderungen unumgänglich. Sogar zwingend erforderlich.

Denn die Helden Markus Anfang, Rafael Czichos, Dominick Drexler oder Marvin Ducksch sind Kieler Geschichte. Das Team um Kingsley Schindler, Dominick Schmidt und Co. muss sich mit neuen Kollegen neu definieren. Dafür zuständig sind Cheftrainer Tim Walter und Sportchef Fabian Wohlgemuth – zwei Männer, die sich im Elite-Nachwuchsbereich einen Namen gemacht haben und den Kredit der Fans verdienen. Sie stehen als Galionsfiguren für die Neuausrichtung des Klubs und sollen hoch veranlagte Jungprofis an den Verein binden und im Kollektiv zu Hochkarätern veredeln.

Die KSV Holstein bietet im Jahr eins nach der Sensationsspielzeit 2017/18 eines der spannendsten Projekte auf nationaler Fußball-Ebene. Risiken inklusive. Denn schlussendlich zählen nur Ergebnisse. Niemand sollte von einer Wiederholung des dritten Tabellenplatzes träumen. Gelingt den Störchen eine sorgenfreie Saison, gekrönt im Optimalfall vom frühen Klassenerhalt, wäre dies auch mit Blick auf die angestrebte Nachhaltigkeit ein großer Erfolg und würde der Marke Holstein Kiel weiteren Glanz verleihen.

andreas.geidel@kieler-nachrichten.de

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Von 2018 bis 2021 stand Janni Serra bei Zweitligisten Holstein Kiel unter Vertrag. In dieser Zeit kam der Stürmer 91 Mal zum Einsatz und erzielte 35 Tore. Nach seinem Vertragsende bei Holstein Kiel wechselt Serra zur Saison 2021/22 in die Bundesliga zu Arminia Bielefeld. ©
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