04. Februar 2019 / 10:55 Uhr

Holstein Kiel: „Fußballgott“ Patrick Herrmann wird unter Tränen verabschiedet

Holstein Kiel: „Fußballgott“ Patrick Herrmann wird unter Tränen verabschiedet

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Verabschiedung einer Ikone: Patrick Herrmann wurde noch einmal von den Fans gefeiert. Stadionsprecher York Lange nahm den Neu-Darmstädter in den Arm.
Verabschiedung einer Ikone: Patrick Herrmann wurde noch einmal von den Fans gefeiert. Stadionsprecher York Lange nahm den Neu-Darmstädter in den Arm. © Uwe Paesler
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Zweite Liga: Emotionaler Abschied von „Fußballgott“ Patrick Herrmann vor Holsteins 2:0-Sieg gegen Regensburg

Der Himmel strahlt an diesem Sonntagnachmittag – und trotzdem regnet es im Holstein-Stadion. Es sind die Tränen von Patrick Herrmann. Der als „Fußballgott“ gehuldigte Rechtsverteidiger, vergangene Woche von Fußball-Zweitligist Holstein Kiel nach Darmstadt transferiert, bekommt vor dem Anpfiff des ersten KSV-Heimspiels 2019 gegen Jahn Regensburg eine würdige Verabschiedung. „Kiel ist meine Heimat und wird immer in meinem Herzen sein“, sagt er. Als ein emotionaler Abschiedsfilm auf der Leinwand läuft, kann die langjährige Nummer 19 nicht mehr an sich halten. Es sind Tränen aus aufrichtiger Verbundenheit. Für immer.

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Wiedersehen an neuer Wirkungsstätte

Am 9. März gibt es beim Spiel der Störche am Böllenfalltor das Wiedersehen. Wahrscheinlich wird dann mit der KSV ein Spitzenteam nach Hessen reisen. Denn dafür hat die Elf von Trainer Tim Walter gegen den Jahn alles getan: 2:0-Sieg, drei Punkte. Die Aufstiegsränge sind jetzt ganz nah. Dabei gibt es vorm Spiel leise Zweifel am Erfolg zum Heimauftakt. In Heidenheim hatte die KSV dominiert, hinten aber Fehler begangen. Und: Leistungsträger Hauke Wahl fehlt gelbgesperrt. Für ihn läuft Stefan Thesker in der Innenverteidigung auf – und wird am Ende zu einem der Hauptdarsteller.

Hand in Hand an die Spitze: Stefan Thesker (li.) lässt sich für sein 2:0 von Kingsley Schindler (hinten) und Dominik Schmidt feiern.
Hand in Hand an die Spitze: Stefan Thesker (li.) lässt sich für sein 2:0 von Kingsley Schindler (hinten) und Dominik Schmidt feiern. © Uwe Paesler

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82. Minute, Holstein bekommt einen Freistoß auf der linken Seite. Neuzugang Lászlo Bénes, bei seinem Heimdebüt gleich in der Startelf für den geschonten Jonas Meffert, tritt an – und schweißt den Ball auf den Kopf von Thesker im Zentrum. Links schlägt es ein, 2:0. Es ist die Entscheidung in einem Spiel, in das Holstein zu Beginn schwer hineinkommt. Regensburg verdichtet das Zentrum, schiebt hoch, läuft die Kieler Abwehrkette früh an. Der Spielaufbau, durch Wahls Fehlen seiner Dynamik beraubt, ist fehlerhaft.

Allheilmittel Konter

Doch die Störche haben einen Plan: Sie kontern im eigenen Stadion. Kenneth Kronholm faustet einen der vielen hohen Bälle weg, Masaya Okugawa sichert den Ball, legt ab auf Johannes van den Bergh. Und der Linksverteidiger zieht im Vollsprint an, spielt einen großartig getimten Pass auf Bénes, der das Laufduell gegen zwei Verteidiger gewinnt. Ein weiterer perfekter Pass in die Gasse vors Tor auf den einlaufenden Kingsley Schindler – 1:0 (12.). Eine Kombination mit der Präzision eines Uhrwerks. In die Lászlo Bénes wie beim späteren 2:0 entscheidend eingreift.

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Volles Lob für Neuzugang

„Er hat Musik im Fuß, das ist unglaublich“, sagt Walter über seinen Neuen, dem längst noch nicht alles gelingt. Der aber jetzt schon die Standards mit seinem linken Zauberfuß treten darf. Und für den ein starker Atakan Karazor absichert, wenn mal etwas schief geht. Und es geht etwas schief. Nicht nur bei ihm. Holstein verliert die zweiten Bälle. Und hat Glück. Einmal lässt sich Dominik Schmidt an der Grundlinie düpieren, Marco Grüttner tifft aus spitzem Winkel das Aluminium (34.). Kurz vor der Pause ist es dann eine Ecke, in deren Folge Asger Sörensen den Außenpfosten anköpft (42.).

Holstein Kiel in Noten gegen Jahn Regensburg

Kenneth Kronholm. Note 3. Stark in seinem Kerngeschäft als Torhüter. Im Spielaufbau mit einigen Unsicherheiten. Zur Galerie
Kenneth Kronholm. Note 3. Stark in seinem Kerngeschäft als Torhüter. Im Spielaufbau mit einigen Unsicherheiten. ©

Walter reagiert, stellt taktisch um. Halbzeit zwei gehört der KSV, die den Sack aber nicht zumacht. Serra vergibt zweimal aus bester Position, Okugawa rauscht einmal über den Ball. Das Comeback des Jahn verhindert dann Jannik Dehm mit einer Aktion (85.), die auch dem Gegner Respekt abnötigt. „Wir haben einen überragenden Gegenstoß. Dehm sprintet volle Kanne zurück und köpft den Ball übers Tor. Die Szene ist symptomatisch dafür, dass Holstein dieses Spiel unbedingt gewinnen wollte“, sagt Jahn-Trainer Achim Beierlorzer. Recht hat er. Die Störche wollten den Sieg um jeden Preis, auch um den des schönen Spiels. Und sie haben ihn. Der Fußballgott ist weg, der Erfolg bleibt.