11. April 2019 / 10:32 Uhr

Holstein Kiel-Gegner FC Ingolstadt: Hoffnung auf Klassenerhalt lebt

Holstein Kiel-Gegner FC Ingolstadt: Hoffnung auf Klassenerhalt lebt

Niklas Schomburg
Kieler Nachrichten
In Duisburg konnte Almog Cohen (vorn) mit dem FC Ingolstadt einen erstes Erfolgserlebnis feiern. 
In Duisburg konnte Almog Cohen (vorn) mit dem FC Ingolstadt einen erstes Erfolgserlebnis feiern.  © Imago/MaBoSports
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Zweite Liga: Kapitän Almog Cohen und der FC Ingolstadt haben schwere Zeiten hinter sich – Hoffnung auf Klassenerhalt lebt - Lachen kehrt zurück

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Während es für Holstein Kiel am Sonntag (13.30 Uhr) beim FC Ingolstadt darum geht, den Derbysieg gegen St. Pauli zu bestätigen und weiter an den Top Drei zu kratzen, kämpfen die Oberbayern ums Überleben. Fünf Punkte trennen die Schanzer vom rettenden Ufer der Zweiten Fußball-Bundesliga. Nicht nur deshalb ist die Saison für den FCI und seinen Kapitän Almog Cohen alles andere als ruhig.

„Die Stimmung ist nach dem Sieg in Duisburg sehr gut, aber wir wissen, dass das nur ein kleiner Schritt war“, sagt Cohen. „Es bricht daher keine Euphorie aus.“ Das 4:2 beim MSV war der erste FCI-Sieg nach fünf Niederlagen in Folge, deren unrühmlicher Höhepunkt die Last-Minute-Niederlage gegen SV Sandhausen (1:2) war. „Das war ein Rückschlag, aber wir glauben weiter an uns“, hakt Cohen das Spiel gegen den SVS ab. „Wir haben zuletzt großen Charakter gezeigt und gekämpft, ich bin sehr zufrieden mit dem Willen in der Mannschaft. Aber wir können noch besser spielen.“

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Der Sieg in Duisburg war zudem das gelungene Debüt von Trainer Tomas Oral (Cohen: „Ein sehr emotionaler Typ mit großer Motivationsfähigkeit“). Der 45-Jährige hatte am 2. April zu seinem zweiten FCI-Engagement (2011-2013) Jens Keller abgelöst – als Trainer Nummer vier dieser Saison nach Stefan Leitl, Alexander Nouri und eben Keller.

„Im Verein ist viel passiert, es hat sich vor allem personell viel verändert“, sagt Cohen. Neben drei Trainern verließen auch Sportdirektor Angelo Vier sowie der langjährige Geschäftsführer Harald Gärtner den Klub. Unruhe, die sich auf den Profi-Fußball auswirkt? „Nein, für uns als Mannschaft ist das nebensächlich. Wir haben ein großes Ziel vor Augen, das über allem steht“, sagt der 30-Jährige. „Ich sehe bei allem keine Probleme, nur Chancen.“

Cohen hat in Oberbayern seine zweite Heimat gefunden, seit Sommer 2013 hat der 27-malige israelische Nationalspieler 128 Spiele im Ingolstädter Mittelfeld gemacht, hat mit den Schanzern viel erlebt. Bundesliga-Aufstieg 2015, Wiederabstieg 2017, zehn Trainer, Tore und Verletzungspech, Freud und Leid. Doch in der aktuellen Saison ballt sich alles, vor allem das Schlechte.

„Für mich begann die Saison schon nicht gut, ich habe mich direkt vor dem ersten Punktspiel verletzt, das war nach der harten und guten Vorbereitung ein herber Schlag“, blickt Cohen zurück. Im Hinspiel gegen die KSV Holstein am zwölften Spieltag machte er erst sein zweites Saisonspiel.

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Im Februar starb seine Mutter. Und dann, Anfang März, sah er sich mit etwas ganz Neuem konfrontiert: Antisemitismus. Nachdem Cohen im Auswärtsspiel bei Union Berlin mit Rot vom Platz geflogen war, wurde er in einem Twittereintrag übel beleidigt, unter anderem als „Judenvieh“ beschimpft. Der 30-Jährige war schockiert, hatte so etwas in neun Jahren in Deutschland bisher nicht erlebt.

„Das war eine schwere Zeit“, sagt er. „Aber sie liegt hinter mir. Ich bin dem ganzen Verein sehr dankbar, jeder einzelne hat mir sehr geholfen, von der Mannschaft bis zur Geschäftsstelle und dem Medienteam. Jede kleine Unterstützung hat mir sehr geholfen. Ich bin glücklich, Kapitän dieser Mannschaft zu sein.“

Das Lachen ist zurück bei Almog Cohen. Auch weil er mit der israelischen Nationalmannschaft Erfolge feierte, zuletzt unter anderem gegen Österreich gewann. „Ich bin mit einem sehr guten Gefühl von der Nationalmannschaft zurückgekommen und wollte das mit nach Ingolstadt transportieren“, sagt er.

„Denn eins ist ja klar: Gewinnst du, ist auch Stimmung da. In Duisburg gewonnen zu haben, war ein sehr gutes Gefühl, das wir lange Zeit nicht hatten.“ Dieses Gefühl soll sich in den nächsten sechs Spielen möglichst häufig einstellen. Auch wenn die Gegner unter anderem Holstein Kiel, HSV und Heidenheim heißen. „Jedes Spiel ist schwer. Aber Magdeburg hat ja eben erst mit dem Sieg in Hamburg gezeigt, dass jede Mannschaft in dieser Liga schlagbar ist“, sagt Cohen.

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Teil eins der finalen Phase des Abstiegskampfs steigt am Sonntag gegen die Kieler Störche. „Kiel hat eine starke Mannschaft mit großem Talent, und sie spielen immer Fußball. Dagegen wollen wir aggressiv sein, auch wenn es wehtut“, gibt der FCI-Kapitän die Richtung vor. Ein Heimsieg soll her – es wäre erst der dritte für heimschwache Schanzer.

„Schwer zu sagen, woran das genau liegt“, sagt Cohen. „Vielleicht ist es ein bisschen der Druck, wir wollen zu Hause immer unbedingt gewinnen. Das hat man auch gegen Sandhausen gesehen: Ein Punkt wäre für uns sehr wichtig gewesen, aber wir wollten auf Teufel komm raus drei Punkte. Es war zu viel Wille und zu wenig Disziplin. Das müssen wir lernen.“

Cohens Erfahrung ist wichtig für den FCI. „Erfahrung hilft immer, aber am Ende zählt nur die Leistung auf dem Rasen“, sagt der 30-Jährige, der sich endlich wieder voll auf den Fußball konzentrieren kann. „Ich bin nach der schweren Zeit mit einem Lachen zurückgekommen“, sagt er. „Und ich werde alles dafür geben, mit Ingolstadt in der Zweiten Liga zu bleiben.“

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