04. Juni 2019 / 09:08 Uhr

Holstein Kiel: Geschäftsführer Wolfgang Schwenke über den Störche-Etat, die DFL-Frist und das Bekenntnis zum Stadion

Holstein Kiel: Geschäftsführer Wolfgang Schwenke über den Störche-Etat, die DFL-Frist und das Bekenntnis zum Stadion

Marco Nehmer
Kieler Nachrichten
Der Macher blickt nach vorne – mit Realismus, aber auch mit Optimismus: Holstein Kiels Kaufmännischer Geschäftsführer Wolfgang Schwenke.
Der Macher blickt nach vorne – mit Realismus, aber auch mit Optimismus: Holstein Kiels Kaufmännischer Geschäftsführer Wolfgang Schwenke. © Uwe Paesler
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Nach der Saison ist vor der Saison. Das weiß beim Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel kaum jemand so gut wie Wolfgang Schwenke. Der 51-Jährige geht in seine elfte Spielzeit als Kaufmännischer Geschäftsführer der KSV. Im Interview spricht Schwenke über die Klubfinanzen, Verbesserungen abseits des Platzes, eine ambitionierte Zielmarke bei den Dauerkarten – und über das Dauerthema Holstein-Stadion.

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Herr Schwenke, wie fällt Ihr sportliches Fazit der Saison 2018/19 aus?

Wolfgang Schwenke: Nach dem Umbruch, den wir erfahren haben, war die Situation schwierig. Die Verantwortlichen, Fabian Wohlgemuth und Tim Walter, hatten wenig Zeit, ein schlagkräftiges Team zusammenzustellen. Daher muss man sagen: Hut ab. Gerade nach dem zerfahrenen Anfang vor der Saison hätte jeder sofort Platz sechs unterschrieben. Wenn wir das eine oder andere Spiel mehr gewonnen hätten, wäre sogar der ganz große Wurf drin gewesen. Aber wir wollen nicht vermessen sein. Es gibt keinen Anlass zur Trauer. Erfreulich ist, dass der Zuspruch in Kiel enorm zugenommen hat. Wir haben Werbung für den Fußball in Schleswig-Holstein gemacht. Toll war das letzte Heimspiel, als wir parallel mit dem THW Kiel gespielt haben. Trotzdem war die Halle ausverkauft und bei uns waren mehr als 12000 Zuschauer. Da sieht man, wie begeisterungsfähig die Stadt Kiel in Bezug auf Leistungssport ist.

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Durch den sechsten Platz in der Abschlusstabelle steigen die TV-Einnahmen. Welche Auswirkungen hat das auf den Etat der Profimannschaft?

Wir nehmen über die Fernsehgelder etwa 1,2 bis 1,3 Millionen Euro mehr als im Vorjahr ein. Unser Etat lag in der abgelaufenen Saison bei 9,1 Millionen Euro. Uns ist klar, dass wir den anheben müssen. Wir haben noch keinen genauen Etat für die kommende Saison festgelegt, über Größenordnungen wurde aber schon gesprochen. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Lokomotive – die Ligamannschaft – möglichst viele Kohlen im Ofen hat. Wir wollen uns in dieser Liga etablieren. Also müssen wir auch einen ausreichenden Etat zur Verfügung stellen.

Der ist auch nötig, um den Neuaufbau der Mannschaft zu gestalten.

Dass es wieder so geballt kommt mit dem Abgang des Trainers und dem Wechsel einiger Spieler, das ist schon hart. Aber wir haben einen riesigen Vorteil gegenüber dem Vorjahr: Der sportlich Verantwortliche ist noch da. Fabian Wohlgemuth arbeitet akribisch daran, das Feld zu bestellen. Außerdem bleiben auch wichtige Spieler bei uns, wir haben noch eine intakte Achse. Für uns ist das Glas halbvoll. So gehen wir an die neue Saison heran.

Sportlich steht Holstein vor spannenden Zeiten. Was verändert sich abseits des Platzes zur neuen Saison?

Wir entwickeln uns weiter, arbeiten gerade an einer neuen Internetseite. Außerdem ist zum Saisonstart eine neue App geplant, die eine bessere Interaktion mit dem Fan ermöglichen soll. Zudem führen wir zur neuen Saison ein Mobile-Ticket fürs Smartphone ein, wie man es vom Flughafen kennt. Wir machen das, weil wir immer kreativ bleiben müssen. Wenn du stehenbleibst, ist das schon der erste Rückschritt.

Der Saisonverlauf von Holstein Kiel in der Zweitliga-Spielzeit 2018/19.

1. Spieltag: Holstein Kiel startet mit einem Paukenschlag in die Saison und gewinnt beim Hamburger SV mit 3:0. Die Tore für die Störche erzielen Jonas Meffert (56.), David Kinsombi (78.) und Mathias Honsak (90.+3). Zur Galerie
1. Spieltag: Holstein Kiel startet mit einem Paukenschlag in die Saison und gewinnt beim Hamburger SV mit 3:0. Die Tore für die Störche erzielen Jonas Meffert (56.), David Kinsombi (78.) und Mathias Honsak (90.+3). ©
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Eher nach Rückschritt als nach Fortschritt sah es lange beim Thema Stadion aus. Wie blicken Sie auf die monatelange Hängepartie zurück?

Wir haben die Ostkurve relativ früh in der Saison abgerissen – und dann begann das Desaster mit den gescheiterten Ausschreibungen für die neue Tribüne. Das hat zu Verzögerungen geführt. Wir wurden auch gefragt: Warum habt ihr nicht gleich die Tribüne in ihrer jetzigen Form gebaut? Im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer. Was ich aber bei allen Verantwortlichen bemerkenswert fand: Wir haben uns kurz geschüttelt, mit dem Provisorium Plan B aus der Tasche geholt – und die ganze Situation auf einmal gedreht. Da ist Tolles geschaffen worden, vor allem von den Handwerkern. Alle haben an einem Strang gezogen bei Tag und Nacht. Jeder war lösungsorientiert, keiner war genervt. Die Baustellen von Holstein Kiel haben immer ein besonderes Flair (lacht).

Seit Anfang der Woche läuft der Dauerkartenverkauf für die kommende Saison. Wie wirkt sich die gesteigerte Stadionkapazität hier aus?

Wir haben im letzten Jahr 6000 Dauerkarten abgesetzt. Jetzt streben wir an, 10000 bis 11000 Dauerkarten zu verkaufen. Wir sind im Moment in der Phase, in der die bisherigen Dauerkartenbesitzer ihr Ticket wandeln können. Danach haben die Mitglieder Vorkaufsrecht. Der Rest geht dann ab dem 1. Juli in den freien Verkauf. Wir wollen möglichst viele Leute glücklich machen.

Klickt euch durch die Bildergalerie der neuen Osttribüne im Holsteinstadion:

Der Sitzplatzbereich der neuen Osttribüne im Holsteinstadion wird gegen den SC Paderborn erstmals geöffnet. Zur Galerie
Der Sitzplatzbereich der neuen Osttribüne im Holsteinstadion wird gegen den SC Paderborn erstmals geöffnet. ©

Stichwort 1. Juli: Bis zu diesem Tag fordert die Deutsche Fußball-Liga (DFL) von Holstein Kiel ein Konzept für den weiteren Ausbau des Holstein-Stadions. Was genau will die DFL sehen?

Wir haben der DFL nach dem Zweitliga-Aufstieg aufgezeigt, was wir mit dem Stadion vorhaben. Dass die Ausschreibung für die neue Tribüne gescheitert ist, ist der DFL natürlich nicht entgangen. Unser Masterplan war dann: Wir setzen auf Plan B, die provisorische Tribüne, um uns einen zeitlichen Vorsprung zu verpassen, damit wir das Stadion in Gänze und bis ins Detail planen, modulartig ausschreiben und schließlich bei laufendem Spielbetrieb bauen können. Die DFL hatte allerdings die Befürchtung, dass wir es jetzt beim Provisorium belassen. Sie ist im Sinne ihrer Premiumprodukte Erste und Zweite Liga daran interessiert, möglichst neue Stadien mit moderner Infrastruktur zu haben. Was wir nun tun müssen: unsere Pläne zu Papier bringen, eine Absichtserklärung hinterlegen und die DFL auf diesem Weg mitnehmen. Wer in dieser Liga mitspielen will, muss gewisse Auflagen erfüllen. Das wird uns nicht in den Grundfesten erschüttern.

Ein Neubau an einem anderen Standort ist also vom Tisch?

Die Entscheidung, dass das Holstein-Stadion unsere Spielstätte bleiben wird, ist schon vor Jahren getroffen worden. Von daher sind alle Überlegungen, woanders zu bauen, sinnlos. Und bei allen Widrigkeiten: Der Standort ist toll, er ist historisch. Er unterstreicht das Traditionsbewusstsein des Vereins. Die Lage ist hervorragend, man ist dicht am Ortskern, nah am Wasser – das sind alles Attribute, die wir als Verein leben. Wir gehören zu dieser Stadt, und die Stadt zu diesem Verein.

Diese Spieler haben Holstein Kiel in der Vergangenheit geprägt:

28 Spiele, 4 Tore und 5 Torvorlagen - diese Bilanz im Holstein-Trikot vorweisen kann der Österreicher Mathias Honsak, der für die Saison 2018/19 von Red Bull Salzburg nach Kiel verliehen wurde. Zur Galerie
28 Spiele, 4 Tore und 5 Torvorlagen - diese Bilanz im Holstein-Trikot vorweisen kann der Österreicher Mathias Honsak, der für die Saison 2018/19 von Red Bull Salzburg nach Kiel verliehen wurde. ©

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