05. November 2018 / 11:04 Uhr

Holstein Kiel: „Ich hatte immer das Gefühl, dass wir zurückkommen können.“, Stefan Thesker

Holstein Kiel: „Ich hatte immer das Gefühl, dass wir zurückkommen können.“, Stefan Thesker

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Hier, ich war’s! KSV-Verteidiger Stefan Thesker (re.) schlägt sich nach seinem Ausgleichstreffer auf die Brust. Schindler und van den Bergh (li.) folgen ihm.
Hier, ich war’s! KSV-Verteidiger Stefan Thesker (re.) schlägt sich nach seinem Ausgleichstreffer auf die Brust. Schindler und van den Bergh (li.) folgen ihm. © Uwe Paesler
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Die Kieler Störche holen nach schwacher Leistung und 0:2-Rückstand gegen Ingolstadt noch einen späten Punkt

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Wer schon immer wissen wollte, wie still 8300 Kehlen sein können, musste sich am Sonnabend nach etwas mehr als einer gespielten Stunde zwischen Holstein Kiel und dem FC Ingolstadt im Stadion aufhalten. Die Gäste hatten gerade das 2:0 erzielt. Ungläubiges Entsetzen auf der einen, ungläubige Freude auf der anderen Seite. Die Totenstille im Holstein-Stadion durchbrachen lediglich die sich überschlagenden Jubelschreie des Tabellenletzten und seines überschaubaren Anhangs aus Oberbayern. Die Störche meldeten Land unter.

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„Noch ein Eckball, dann mache ich ihn rein“

Dass am Ende doch noch alles einigermaßen gut wurde, erklärten sich die Akteure mit der Erzählung vom müden, aber zum finalen Kraftakt entschlossenen Kollektiv. „Moral und Wille waren absolut positiv“, sagte Kenneth Kronholm, am Mittwoch der gefeierte Pokalheld gegen Freiburg (2:1) nach dem Spiel. „Dass wir hier nicht mit leeren Händen vom Platz gehen, ist schon ein Ausrufezeichen.“ Und Innenverteidiger Stefan Thesker pflichtete bei: „Ich hatte immer das Gefühl, dass wir zurückkommen können.“ Dass das gelang, daran war Thesker selbst ganz entscheidend beteiligt. Dabei hatte er den größten Teil des Spiels auf der Auswechselbank erlebt.

Wie schneidet Holstein am Ende ab?

Doch als Dominik Schmidt in der 59. Minute signalisierte, dass es für ihn wegen Wadenproblemen nicht mehr weitergehe, schlug die Stunde des im Pokal noch von Beginn an aufgebotenen Thesker, der sich gut einfügte, in der Endphase dann bereits eine aussichtsreiche Chance hatte – und in der 88. Minute endlich stach. „Noch ein Eckball, dann mache ich ihn rein“, gab Thesker hinterher Einblick in seine Gedanken in den Schlussminuten. Und so kam es. Mathias Honsak, nach 56 Minuten für den diesmal blassen Masaya Okugawa gekommen und schon kurz danach am Fuß verletzt über den Platz humpelnd, warf noch einmal alles rein, erarbeitete jene goldene Ecke, die Kapitän David Kinsombi kurz auf Alexander Mühling spielte. Zentimetergenaue Flanke, Kopf Thesker, Tor (88.).

Kenneth Kronholm (li.) kann den zweiten FCI-Treffer durch Frederic Ananou (re.) nicht verhindern. Johannes van der Bergh auch nicht.
Kenneth Kronholm (li.) kann den zweiten FCI-Treffer durch Frederic Ananou (re.) nicht verhindern. Johannes van der Bergh auch nicht. © Uwe Paesler

Sieben Heimspiele ungeschlagen!

Und wer schon immer mal wissen wollte, wie laut 8300 Kehlen sein können, musste sich jetzt im Stadion aufhalten. Euphorie, vor allem Erleichterung. Und die Gewissheit: Der Nimbus hält, ist langsam fast unheimlich. In sieben Heimspielen sind die Störche noch ungeschlagen. In sechs dieser Spiele lag die KSV zurück. Und holte trotzdem noch sieben Punkte und ein Weiterkommen im Pokal. „Heute und gegen diesen Gegner hätte ich nicht akzeptiert, zu verlieren“, sagte Kinsombi und brachte damit zum Ausdruck: Die Störche 2018 haben Charakter. „Großen Respekt davor, was hier in Kiel passiert“, sagte dann auch FCI-Trainer Alexander Nouri, von 2008 bis 2010 als Profi bei Holstein unter Vertrag, im Anschluss anerkennend. Für ihn waren es am Ende zwei verlorene Punkte.

Dabei war Nouris Mannschaft von Beginn an wacher als die ermattete Heim-Elf, die das dritte Spiel binnen sechs Tagen absolvieren musste. Die Bayern agierten aggressiv gegen den Ball, mussten den Gegner aber gar nicht erst zu Fehlern zwingen. Die machten die Störche in zuverlässiger Regelmäßigkeit selbst. Bei der KSV, die ihren Mittelfeld-Abräumer Jonas Meffert schonte und auf der „Sechs“ auf Atakan Karazor setzte, kam besonders im ersten Durchgang praktisch kein Spielfluss zustande. Das Aufbauspiel? Ein Rinnsal. „Wir waren technisch viel zu schlecht. Da konntest du nicht zugucken“, sagte Trainer Tim Walter. Die offensiv recht harmlosen Gäste konnten daraus allerdings kein Kapital schlagen. Das änderte sich dann gerade in jener Phase, in der die Störche ein wenig aus ihrer Lethargie erwachten. Das 0:1: Ecke Konstantin Kerschbaumer, Kopfball Phil Neumann. Kronholm: zwar noch dran, aber machtlos.

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Dann fünf Minuten später die eiskalte Dusche: Osayamen Osawe auf Frederic Ananou, Flachschuss, 0:2 (61.). Es war der Moment, als Holstein endgültig erwachte. Drei weitere Minuten danach stand es bereits 1:2. Der eingewechselte Janni Serra holte einen Elfmeter raus, Kingsley Schindler trat an und verwandelte sicher zum Anschluss (64.). Danach klappte das, was eben noch zuverlässig schief ging, mit vermisster Leichtigkeit. Der Lohn: der späte Ausgleich.„Wir waren 70 Minuten müde und 20 Minuten wach“, sagte Walter. „Jetzt gilt es, die Phasen umzudrehen.“ Am Freitag beim bislang kecken Aufsteiger Padernborn (18.30 Uhr) kann die Mannschaft zeigen, ob sie dazu in der Lage ist.