17. April 2022 / 10:16 Uhr

Holstein Kiel II in Unterzahl zum Kantersieg

Holstein Kiel II in Unterzahl zum Kantersieg

Jan-Phillip Wottge
Kieler Nachrichten
KSV-Youngster Niklas Niehoff bejubelt seinen Treffer zum 2:0 mit Fingerakrobatik.
KSV-Youngster Niklas Niehoff bejubelt seinen Treffer zum 2:0 mit Fingerakrobatik. © Jan-Phillip Wottge
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Das Osternest der Jungstörche platzte aus allen Nähten: Vier Tore für drei Punkte. Ach, du dickes Ei! Dabei standen KSV-Coach Sebastian Gunkel im Duell mit dem VfV Borussia 06 Hildesheim lediglich 14 einsatzfähige Spieler zur Verfügung. Als Michel Stöcker nach 28 Minuten wegen einer Notbremse die Rote Karte sah, musste Holstein Kiel II über eine Stunde in Unterzahl spielen. Trotzdem siegten die U23-Störche souverän mit 4:0 (2:0).

„Wenn man die richtige Einstellung an den Tag legt, kann man auch mit zehn Leuten hervorragend Fußball spielen“, konstatierte KSV-Käpt’n Niko Koulis nach dem 4:0-Osterspaziergang gegen die Borussen aus Hildesheim. Doch der Spaziergang war einer im XXL-Format. Schließlich ließen zehn Jungstörche aufgrund ihres immensen Laufpensums kaum einmal das Gefühl aufkommen, dass sie über 60 Minuten einen Spieler weniger auf dem Feld hatten.

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Ostersonne, aber Personalknappheit: Dominique Ndure und Lucas Wolf in Dresden im Zweitligakader, die Torjäger Phillip König und Laurynas Kulikas noch im Aufbautraining, die Routiniers Manuel Schwenk und Tim Siedschlag angeschlagen auf der Tribüne und U19-Nationalspieler Jannic Ehlers nach Trainingsverletzung außer Gefecht. Wer laufen konnte, war dabei. Auf der Bank neben Coach Gunkel nahmen mit Leon Schmidt und U19-Knipser Ben Labes sowie Keeper Jarmain Ozuzu ledilich noch drei Spieler Platz. Dafür feierten Niklas Niehoff, Jan Wansiedler und Paul Witt feierten ihre Saisonpremiere in der Startelf.

Der ukrainische FIFA-Schiedsrichter Denys Shurman (li.) verwarnt Holsteins Paul Witt (re.). 
Der ukrainische FIFA-Schiedsrichter Denys Shurman (li.) verwarnt Holsteins Paul Witt (re.).  © Jan-Phillip Wottge

Und noch einer gab sein Kiel-Debüt: FIFA-Schiedsrichter Denys Shurman. Der Ukrainer, der zu Kriegsbeginn aus seiner Heimat nach Hamburg geflüchtet war, leitete souverän seine zweite Partie in der Regionalliga Nord und stand lediglich nach 28 Minuten im Blickpunkt, als er Holsteins Stöcker nach vermeintlicher Notbremse des Platzes verwies. Dieser beteuerte jedoch anschließend seine Unschuld: „Es war ein ganz normaler Zweikampf, kein Foul.“

Zu diesem Zeitpunkt führten die Jungstörche bereits mit 1:0. Nach einem Niehoff-Kopfball lenkte VfV-Keeper Antonio Brandt den Ball noch an die Latte, doch den Abpraller drückte Kasra Ghawilu über die Linie (25.). Es folgte der Platzverweis für Stöcker. Aus dem Kieler Dreieraufbau wurde eine Viererkette. Doch mehr Räume gab es für die Gäste trotzdem nicht. Holstein presste, lauerte und schlug erbarmungslos zu. Der starke Ghawilu steckte den Ball auf Niehoff durch und der deutsche U18-Nationalspieler vollendete eiskalt ins lange Eck zum 2:0-Halbzeitstand (35.).

Niko Koulis mit Sonntagsschuss am Ostersonnabend

Nach der Pause überraschte VfV-Coach Markus Unger mit dem Komplettaustausch seiner Defensive. Aus der anfälligen Fünferkette wurde ein Vierer-Riegel. Doch Stabilität strahlte auch dieser nicht aus. VfV-Keeper Brandt stand unter Beschuss, reagiert aber prächtig gegen Niehoff (65.), Schmidt (74.) und erneut Niehoff (74.). Chancenlos war er indes bei dem 25-Meter-Kracher von Niko Koulis, der von der Lattenunterkante hinter die Torlinie klatschte – 3:0 (76.).

Holsteins Kasra Ghawilu (li.) kommt mit der Steifelspitze vor Hildesheims Yannik Schulze (Mitte) an den Ball, doch VfV-Keeper Antonio Brandt (re.) pariert.
Holsteins Kasra Ghawilu (li.) kommt mit der Steifelspitze vor Hildesheims Yannik Schulze (Mitte) an den Ball, doch VfV-Keeper Antonio Brandt (re.) pariert. © Jan-Phillip Wottge

Hildesheim taute trotz der wärmenden Sonne nicht mehr auf. Zwei Drawz-Schüsse (86./87.) fanden den Weg auf das Tor des Kieler Torwart Noah Oberbeck, ehe sich dieser beim Schuss von Yusuf-Islam Akdas doch noch strecken musste (89.). Das letzte Ei legten jedoch die Jungstörche ins Osternest: Eric Gueye umkurvte im Alleingang VfV-Torwart Brandt und traf zum 4:0 (90.).


„Wir haben überragend gegen den Ball gearbeitet. Auch die Umstellungen nach der Roten Karte haben funktioniert. Das war stark“, lobte KSV-Coach Sebastian Gunkel und spendierte seiner Elf einen freien Ostersonntag, bevor es am Mittwoch (14 Uhr) mit einem Heimspiel gegen Werder Bremen II weitergeht.