26. September 2021 / 19:07 Uhr

Holstein Kiel II mit Torspektakel bei Zuschauerrückkehr

Holstein Kiel II mit Torspektakel bei Zuschauerrückkehr

Jan-Phillip Wottge
Kieler Nachrichten
Mit der Stiefelspitze klärt Norderstedts Juri Marxen (li.) vor KSV-Torjäger Laurynas Kulikas (re.).
Mit der Stiefelspitze klärt Norderstedts Juri Marxen (li.) vor KSV-Torjäger Laurynas Kulikas (re.). © Jan-Phillip Wottge
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Holstein Kiel II muss sich nach fünf Siegen in Folge wieder mit einem Unentschieden in der Fußball-Regionalliga Nord begnügen. Gegen Eintracht Norderstedt stand es nach 90 Minuten 4:4. Neuer Spitzenreiter nach dem Kieler Remis ist Teutonia 05 Ottensen.

Wildwildwest in Projensdorf: Die Regionalliga-Duellanten Holstein Kiel II und Eintracht Norderstedt lieferten sich ein Wettballern nach bester Pistolero-Art. Acht Treffer zählten die knapp 200 Zuschauer bei ihrer Rückkehr in den Citti Fussball Park. Nach 90 unterhaltsamen Minuten trennten sich die verschwitzten Helden bei sommerlichen Temperaturen mit 4:4. Die Jungstörche verloren durch das Remis ihren Platz an der Sonne und gaben die Tabellenführung an Teutonia 05 Ottensen, das in zwei Wochen Gastgeber der KSV ist, ab.

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„Wir haben den Zuschauern ein echtes Spektakel geboten. Allerdings hätte ich bei acht Toren lieber 7:1 gewonnen als 4:4 gespielt. Heute war das für meinen Geschmack etwas zu wild“, bekannte KSV-Capitano Tim Siedschlag nach dem Ende der fünf Spiele währenden Siegesserie. Holstein-Coach Sebastian Gunkel musste seine Erfolgself der vergangenen Wochen auf drei Positionen umbauen. Abwehrchef Niko Koulis musste wegen muskulärer Probleme passen. Eric Gueye fehlte nach seiner Ampelkarte bei St. Pauli gesperrt. Zudem nahm Jannis Voß zunächst auf der Bank Platz. Liam Giwah, Jonas Sterner und Lucas Wolf rückten anstatt ihrer in die Startformation.

Die Eintracht aus Norderstedt setzte die Jungstörche auf Anweisung ihres Coaches, dem ehemaligen Kieler Jens Martens (1995-97), mit hohem Pressing von Anfang an unter Druck. Es entwickelte sich ein Spiel ohne Kontrolleur. Permanent forderte KSV-Coach Sebastian Gunkel jedoch diese Spielkontrolle von seiner Elf ein. Ping-Pong-Ping! Ball gewonnen, Ball verloren. Chancen blieben in den ersten 20 Minuten Mangelware, aber dann legten die Kicker den Hebel um. Es wurde geballert, was das Zeug hielt. Nach einem Doppelpass mit Noah Awuku legte Dominique Ndure den Ball an den Fünfmeterraum, wo Phillip König lauerte und zum 1:0 (21.) vollendete.

Die Zurückhaltung wurde spätestens nach der Trinkpause (23.) abgelegt. Norderstedts Jasper Hölscher konnte in der Box nur noch per Foul von Ndure gestoppt werden – Eintracht-Abwehrboss Fabian Grau verwandelte den Elfmeter zum Ausgleich (29.). Keine 60 Sekunden später jubelten wieder die U23-Störche. Nach dem Anstoß steckte Wolf den Ball auf Awuku durch, der aus vollem Lauf vorbei an Eintracht-Keeper Lars Huxsohl zum 2:1 (30.) einnetzte. Atempause? Nein! Hölscher knallt den Ball aus kurzer Distanz an den Pfosten. Der wackelt noch, als Norderstedts Jonas Behounek die folgende Flanke zum 2:2 (33.) einköpft. Kurz vor der Halbzeit lag die Kieler Führung in der Luft, doch Awukus Kopfball tropfte von der Unterkante der Torlatte nur auf die Torlinie (43.).

Die Norderstedter Ballermänner hatten in der Kabine nochmals am Zielwasser genippt: Elias Saad sorgte mit einem abgefälschten Schuss für die erste Gästeführung (51.). Mit einem fulminanten Linksschuss aus 25 Metern glich Präzisionsschütze Michel Stöcker zum 3:3 (63.) aus. Es ging hoch und runter. Wieder jubelte die Eintracht, weil Dylan Williams plötzlich völlig frei vor KSV-Torwart Timon Weiner zum 3:4 (76.) einschieben kann. Die letzte Patrone hatte jedoch die KSV: Jannis Voß köpfte in einem verrückten Spiel zum 4:4 (81.) ein.

„Erste Halbzeit war es zu wild. Wenn wir mehr Kontrolle reinbekommen, fressen wir keine vier Gegentore. Wir waren heute im Gegenpressing nicht gut. Alle Gegentore fallen nach Fehlern, da haben wir heute zu viele von gemacht“, ärgerte sich KSV-Verteidiger Liam Giwah nach dem Schlusspfiff. KSV-Coach Sebastian Gunkel lobte indes: „Es war imponierend, wie wir immer wieder zurückgekommen sind.“


Holstein Kiel II: Weiner – Giwah (79. Schmidt), Carrera, Stöcker – Ndure, Siedschlag (60. Voß), Wolf (71. Mai), Sterner – Awuku (60. Schwenk), Kulikas, König.

Eintracht Norderstedt: Huxsohl – Marxen, Nuxoll, Grau, Kummerfeld – Behounek – Igwe (90. Karschau), Hölscher (73. Bojadgian), Williams, Saad – Lüneburg.

Schiedsrichter: Theodor Potiyenko (FC Hude) – Tore: 1:0 König (21.), 1:1 Grau (29./FE), 2:1 Awuku (30.), 2:2 Behounek (33.), 2:3 Saad (51.), 3:3 Stecker (63.), 3:4 Williams (76.), 4:4 Voß (81.) – Gelbe Karten: Carrera, Wolf – Zuschauer: 200.