11. Juli 2019 / 06:22 Uhr

Holstein Kiel: Jae-Sung Lee und Young-Jae Seo bilden neue Korea-Connection

Holstein Kiel: Jae-Sung Lee und Young-Jae Seo bilden neue Korea-Connection

Marco Nehmer
Kieler Nachrichten
Young-Sae Seo und Jae-Sung Lee (re.) posieren auf einem Steg am Schwimmteich auf der Anlage im Teamhotel.
Young-Sae Seo und Jae-Sung Lee (re.) posieren auf einem Steg am Schwimmteich auf der Anlage im Teamhotel. © Paesler
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Im Trainingslager helfen sie sich gegenseitig

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Young-Jae Seo hat den Schalk im Nacken. Erstes Trainingslager, Kremmen. Umringt von kleinen Fans, einer Vorschulgruppe, die auf Autogrammjagd ist, sagt er mit schelmischem Grinsen ob so viel Aufmerksamkeit: „Ich bin Lee!“ Nein, er ist natürlich Seo. Und nach seinem Wechsel vom MSV Duisburg neuer Mannschaftskollege von Jae-Sung Lee. Holsteins Kiels Korea-Connection – jetzt, im zweiten Trainingslager in Österreich, ist sie auch endlich vereint. Zeit für ein Gespräch im Doppelpack.

„Es ist sehr, sehr gut, einen Landsmann in der Mannschaft zu haben“, sagt Lee, zwischen Teichrosen und Sonnenliegen, im Thermenbereich des Störche-Hotels in Bad Tatzmannsdorf. Der 26-Jährige, im Sommer 2018 aus Südkorea ziemlich überraschend zum Fußball-Zweitligisten gekommen, hatte während des ersten Trainingslagers in Brandenburg noch Sonderurlaub, nachdem seine Saison Mitte Juni noch in die Verlängerung gegangen war: Zwei Freundschaftsspiele mit der südkoreanischen Nationalmannschaft standen noch auf dem Programm. Und dann: endlich Urlaub. Endlich abschalten.

Lee hatte zuvor Monate, eigentlich Jahre durchgespielt. Belastungen, die ihren Tribut fordern. Über weite Strecken der Saison wirkte er schlapp, ausgezehrt. Einfach überspielt. Die lang ersehnte Auszeit verbrachte Lee mit Freunden und Familie in Japan. Seit vergangener Woche ist er zurück. Und muss direkt wieder aufholen. Aber: Es läuft. „Ich merke, dass es Schritt für Schritt besser wird“, sagt Lee.

Trainingslager Holstein Kiel in Bad Tatzmannsdorf

Jae-Sung Lee (re.) massiert Hauke Wahl. Zur Galerie
Jae-Sung Lee (re.) massiert Hauke Wahl. © Uwe Paesler
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Auch mit der Integration wird es besser. Lees Deutsch, anfangs nicht vorhanden, ist dank harter Arbeit in der Sprachschule, recht passabel. „Das mit dem Verstehen klappt schon ganz gut“, sagt er, „nur das Sprechen ist schwer.“ Er lacht verlegen und schaut zu Seo. Nicht ohne Grund: Der 24-Jährige ist Lees doppelter Boden, wenn es mal hakt. Denn Seo ist nun schon im fünften Karrierejahr in Deutschland. Von 2015 bis 2018 spielte der für den HSV, wurde in der zweiten Mannschaft eingesetzt. Dann kam der Wechsel nach Duisburg. Nächster Halt: Kiel.

Für den Linksverteidiger eine neue Situation. Aber: Für die Unterstützung bei der Sprache gibt es eine Gegenleistung von Lee, die wiederum Seo hilft. „Er kann mir helfen, den Verein und die Spielweise kennenzulernen“, sagt Seo, der Lee seit dem Spiel der Störche beim MSV kennt. „Ich hatte ihm vorher eine Instagram-Nachricht geschickt. ‚Hallo, ich bin Seo!‘. Er hat dann nett geantwortet.“

In der Rückrunde trafen sie sich wieder. Und nun sind sie dauerhaft vereint. Lee, der offensive Freigeist, Seo, der defensive Außenspieler. Dass sie sich im Burgenland ein Zimmer teilen: folgerichtig. „Wir sprechen sehr viel über Fußball, über die koreanische Liga, die Bundesliga, auch über die Nationalmannschaft“, sagt Seo über seine Mini-WG mit Lee. „Manchmal machen wir aber auch einfach nur Spaß.“

Aber, halt: Nationalmannschaft. Ein Thema, das besprochen werden muss. Lee ist bereits Teil seiner Landesauswahl, hat die WM gespielt, die Asienmeisterschaft. Und Seo? Wurde noch nicht eingeladen. Nationalcoach Paulo Bento habe schon einige Spiele von ihm in Duisburg beobachtet. Aber: Nur sieben Einsätze waren zu dünn für eine Nominierung. „Der Trainer meinte, dass ich häufiger spielen muss“, sagt Seo.

Gelingt das bei Holstein, könnte der Anruf schon bald kommen: Für Südkorea stehen im Dezember die Ostasienspiele an. Ob Seo bis dahin an Platzhirsch Johannes van den Bergh vorbeikommt, ist eine andere Frage. Auch, ob der Verteidiger über 2020 hinaus in Kiel bleibt. Seo muss auf eine gewisse Anzahl von Einsätzen kommen, damit sich der Kontrakt verlängert.

So oder so: Die koreanischen Fans, deren Zahl im Holstein-Stadion merklich zugenommen hat, werden nun noch einen Grund mehr haben, zur KSV zu pilgern. Bisher war lediglich Lee ihr Held. „Es gibt nicht so viele Koreaner im Norden“, sagt er. „Wenn koreanische Fans ins Stadion kommen, verspüre ich große Motivation.“

Nach dem Abpfiff nimmt er sich regelmäßig Zeit für seine Anhänger. „Es ist meine Pflicht, mich bei ihnen nach dem Spiel zu bedanken.“ Mit Seo kann er ihnen nun beim Autogramme schreiben und Selfies schießen ein neues Gesicht präsentieren. Sein eigenes hat sich übrigens auch verändert, wie bei Instagram zu verfolgen war. Lee hat sich in der Sommerpause einer Augenbrauen-Behandlung unterzogen. „Ich fand, sie waren zu schmal“, sagt er. Seo lacht. Zwei, die sich nicht gesucht und trotzdem gefunden haben.

Making of Mannschaftsfoto
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