08. August 2019 / 12:51 Uhr

Holstein Kiel: Pokal-Gegner FSV Salmrohr will das nächste Wunder schaffen

Holstein Kiel: Pokal-Gegner FSV Salmrohr will das nächste Wunder schaffen

Niklas Schomburg
Kieler Nachrichten
Riesenjubel bei Fans und Spielern: Mit dem Gewinn des Rheinlandpokals gegen die TuS Koblenz steht der FSV Salmrohr in der ersten Runde des DFB-Pokals.
Riesenjubel bei Fans und Spielern: Mit dem Gewinn des Rheinlandpokals gegen die TuS Koblenz steht der FSV Salmrohr in der ersten Runde des DFB-Pokals. © Imago / Eibner
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DFB-Pokal: Sechstligist FSV Salmrohr brennt auf das Duell mit der KSV Holstein und schöpft Kraft aus der Vergangenheit - der Geister der ehemaligen Zweitliga-Mannschaft schwebt über dem Salmtal

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Wenn Fußball-Zweitligist KSV Holstein am Sonntag (15.30 Uhr) beim FSV Salmrohr antritt, treffen die Störche auf die große Unbekannte. Gleiches gilt mit Abstrichen aber auch umgekehrt: Zumindest hatten Salmrohrer Spieler und Fans nach der Pokalauslosung im Juni viele Fragezeichen im Gesicht, als das Logo der KSV aus dem Topf gezogen wurde.

"Sportlich attraktiv"

Die Ernüchterung des Rheinlandligisten über das Los ging bundesweit durch die Medien. Schließlich hatte sich der klassenniedrigste Klub der diesjährigen Pokalsaison einen echten Kracher à la FC Bayern gewünscht. „Ich finde das Los sportlich sehr attraktiv“, steuert Trainer Lars Schäfer dagegen. „Holstein war in den letzten zwei Jahren stark, hat tollen Fußball gespielt. Außerdem muss man als Sechstligist demütig bleiben, sich freuen, dass man dabei ist und Respekt vor dem Gegner zeigen – egal, wie der heißt.“

Freut ihr euch auf das Los?

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Die großen Erfolge des Klubs aus der Moseleifel liegen gut 30 Jahre zurück. Im Jahr 1986 stieg der FSV durch ein 3:1 gegen den SSV Ulm und ein 2:2 gegen die Kickers Offenbach in der Aufstiegsrunde in die Zweite Bundesliga auf. Damals unter anderem im Kader: Ex-Nationalspieler Klaus Toppmöller, Weltmeister Bernd Hölzenbein und Edgar Schmitt, der sieben Jahre später im Trikot des Karlsruher SC zu „Euro-Eddy“ werden sollte.

Stiegen 1986 mit dem FSV Salmrohr in die Zweite Fußball-Bundesliga auf: Weltmeister Bernd Hölzenbein (li.) und Nationalspieler Klaus Toppmöller.
Stiegen 1986 mit dem FSV Salmrohr in die Zweite Fußball-Bundesliga auf: Weltmeister Bernd Hölzenbein (li.) und Nationalspieler Klaus Toppmöller. © imago sportfotodienst
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Der Geist der Zweitliga-Mannschaft

Zwar stieg Salmrohr nach nur einem Jahr im Unterhaus direkt wieder ab, doch eines ist geblieben: „Wir sind immer noch der Ort mit den wenigsten Einwohnern, der Profifußball gespielt hat“, sagt Schäfer. 2400 Einwohner zählt die Gemeinde Salmtal. Danach ging es langsam bergab. Nach dem Abstieg in die Rheinlandliga 2018 folgte im Frühsommer dieses Jahres beinahe der nächste in die Bezirksliga.

Doch eine Woche nach dem Klassenerhalt geschah das, was Schäfer als „extremes Ereignis“ bezeichnet und was bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Im Finale des Rheinlandpokals hatte Salmrohr gegen Oberligist TuS Koblenz nach 89 Minuten mit 0:2 zurückgelegen, schaffte dann den Anschluss und in der Nachspielzeit den Ausgleich, gewann im Elfmeterschießen und zog in die erste DFB-Pokalrunde ein – den entscheidenden Elfmeter verwandelte Klaus Toppmöllers Neffe Nico.

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Realist, doch Idealist

Spieler, Fans und die ganze Region feierten das Wunder von Bad Neuenahr. „Das ist nach wie vor präsent und es hat sich daraus ein ganz spezieller Geist entwickelt“, erklärt Schäfer. „Aber davon können wir uns am Sonntag auch nichts kaufen.“ Schäfer ist Realist und gleichzeitig Idealist, der 36-Jährige weiß: „Die Chance ist sehr gering, es muss verdammt viel passen, damit wir etwas erreichen können. Wir müssen über uns hinauswachsen und brauchen auch Spielglück.“

Der Coach kündigt an, besonnen aufzutreten, ohne sich zu verstecken. „Wir wären blind, wenn wir ins offene Messer rennen würden. Natürlich werden wir tiefer stehen und auf Konter lauern. Aber wir wollen unsere Chance nutzen.“ Eine Ergebnisvorgabe gebe es nicht. „Ich will, dass sich die Jungs gut verkaufen, wir ein gutes Bild abgeben“, sagt Schäfer. „Jeder soll anschließend in den Spiegel schauen und sagen können: ,Ich habe alles gegeben’“.

Diese Spieler haben Holstein Kiel in der Vergangenheit geprägt:

28 Spiele, 4 Tore und 5 Torvorlagen - diese Bilanz im Holstein-Trikot vorweisen kann der Österreicher Mathias Honsak, der für die Saison 2018/19 von Red Bull Salzburg nach Kiel verliehen wurde. Zur Galerie
28 Spiele, 4 Tore und 5 Torvorlagen - diese Bilanz im Holstein-Trikot vorweisen kann der Österreicher Mathias Honsak, der für die Saison 2018/19 von Red Bull Salzburg nach Kiel verliehen wurde. ©

Der Pokal ist für den FSV eine gern gesehene Gelegenheit, sich mal wieder auf der großen Bühne zu präsentieren. Und für den FSV-Coach keine Unbekannte: Als Aktiver lief er mit dem TuS Mayen, Eintracht Trier und auch Salmrohr dreimal auf. Und auch zur KSV Holstein gibt es Verbindungen, zum Beispiel zu Ex-Keeper Kenneth Kronholm (jetzt Chicago Fire). „Mit Kenny habe ich in Trier zusammengespielt“, berichtet Schäfer von der Saison 2009/2010. „Und als Johannes van den Bergh noch in Mönchengladbach war, haben wir gegeneinander gespielt.“

Auch die aktuelle Entwicklung der Störche hat Schäfer verfolgt, die beiden Auftaktspiele der neuen Saison gegen Sandhausen und Darmstadt analysiert. Für ihn steht fest: „Holstein hat mehr Potenzial, als diese Spiele gezeigt haben.“ Ist der schlechte Ligastart der KSV für Salmrohr eher Vor- oder Nachteil? „Da bin ich mir noch nicht so sicher“, sagt Schäfer und grinst. „Vielleicht fehlt ihnen ein bisschen das Selbstvertrauen. Aber sicher wollen sie uns auch als Sprungbrett nutzen, um in Tritt zu kommen.“

Gut für die Kasse, gut für den Verein

So oder so – „die Stimmung hier ist sehr euphorisch, jeder brennt auf das Spiel“, sagt Schäfer. Der Druck liegt ohnehin bei Holstein. „Durch die Einnahmen der ersten Runde ist unser Saisonetat schon so gut wie gedeckt, das ist ein echter Segen“, sagt Schäfer. „Die Jungs bekommen durch das Spiel die Belohnung für das, was sie geleistet haben, und fiebern dem entgegen.“ Er hoffe auf viele Zuschauer, sagt Schäfer und meint damit auch Kieler Gäste, denen der FSV etwas bieten will.

„Wir sind sehr gastfreundlich und freuen uns auf die Kieler Fans, die in unserem ehrwürdigen Stadion eine kleine Zeitreise erleben können.“ Denn auch wenn der Klub mittlerweile auf junge, hungrige Spieler setzt – „die Vergangenheit ist keine Last für uns“, sagt Schäfer. Der Geist von Hölzenbein und Toppmöller umweht Salmrohr noch immer.

Die Vertragslaufzeiten der Spieler von Fußball-Zweitligist Holstein Kiel (Kader der Saison 2019/20).

Dominik Reimann, Torwart, geb. 18.06.1997, Vertrag bis zum 30.06.2021. Zur Galerie
Dominik Reimann, Torwart, geb. 18.06.1997, Vertrag bis zum 30.06.2021. ©

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