16. April 2019 / 09:25 Uhr

Holstein Kiel: Schlafwagen-Fußball in Ingolstadt

Holstein Kiel: Schlafwagen-Fußball in Ingolstadt

Marco Nehmer
Kieler Nachrichten
Holsteins Jonas Meffert (li.) im Zweikampf mit dem Ingolstädter Phil Neumann.
Holsteins Jonas Meffert (li.) im Zweikampf mit dem Ingolstädter Phil Neumann. © Armin Weigel/dpa
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Wer den Begriff einst erfunden hat, ist nicht ganz aufzulösen. Schlafwagen-Fußball. Franz Beckenbauer, Schöpfer diverser Bonmots, könnte es gewesen sein. Am Ende ist es auch egal. Was bleibt, ist der Eindruck, dass etwas von diesem Fußball am Sonntag auch in Ingolstadt aufgeblitzt war. Aufseiten von Holstein Kiel. Die Störche wurden beim unbefriedigenden 1:1 gegen den Tabellenletzten der Zweiten Liga zum Opfer ihrer eigenen Lethargie.

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Nicht wirklich wach. Nicht bereit, gegen einen eher biederen Gegner ans Limit zu gehen, seltsam fahrig – die Ferndiagnose von außen bestätigte sich in den Aussagen der Kieler Akteure nach dem Spiel. „Wir haben es nicht geschafft, genügend Druck aufzubauen. Wir haben zwei Punkte verschenkt“, ärgerte sich Hauke Wahl.

Der Abwehr-Organisator, seit gestern 25 Jahre alt, hatte sich zuvor selbst mit inkonsequentem Verhalten eingebrockt, als Verursacher des Rückstandes dazustehen. Er ließ bei einem einfachen langen Ball Stefan Kutschke passieren, kassierte dann sogar noch den Tunnel. Dario Lezcano war zur Stelle – 0:1 (13.). „Ich habe gedacht, er (Stefan Kutschke, d. Red.) verlängert den Ball noch, und wollte auf Abseits spielen. Ich hätte einfach dranbleiben müssen“, sagte Wahl selbstkritisch.

Es würde der Sache aber nicht gerecht, nur das situative Fehlverhalten Wahls als Ursache auszumachen. Schläfrigkeit, mangelnde Präzision und fehlende Körperlichkeit zogen sich durch alle Mannschaftsteile. Dominik Schmidt, ebenfalls nicht fehlerfrei, brachte es schonungslos zum Ausdruck: „Wir haben teilweise wie Weicheier gespielt. Wir haben die Zweikämpfe nicht angenommen, waren nicht aggressiv.“

Tim Walter: „Du kannst souverän auftreten, aber nicht schlafmützig und arrogant."

Mit der Folge, dass die KSV über weite Strecken der ersten Halbzeit kaum einen der zweiten Bälle sichern konnte, die Schanzer mit Fehlern im Aufbau immer wieder zu Vorstößen einlud und das eigene Offensivspiel mit Annahmefehlern torpedierte. Holstein spielte uninspiriert in Handball-Manier – ein Vergleich, der dieser Sportart im Übrigen nicht gerecht wird – um den gegnerischen Sechzehner herum. Bis der Ball weg war.

„Wir haben weder Positionsspiel betrieben, noch haben wir uns freigelaufen. Wir hatten viele kleine Annahmefehler“, analysierte Sportdirektor Fabian Wohlgemuth. Er durfte sich in den Zahlen bestätigt sehen. Holstein Kiel brachte – die bessere zweite Hälfte eingerechnet – nur 75 Prozent seiner Zuspiele zum eigenen Mitspieler. Das ist für Störche-Verhältnisse eher bescheiden.

Walter reagierte in der Halbzeitpause, ließ die Wände der Kabine erzittern. Und er hatte allen Grund dazu. „Vielleicht waren wir zu arrogant“, sagte er hinterher. „Wenn ich es wüsste, würde ich es abstellen. Denn ich habe es definitiv angesprochen: Du kannst souverän auftreten, aber nicht schlafmützig und arrogant.“

Bilder von der Zweitliga-Partie zwischen dem FC Ingolstadt 04 und Holstein Kiel

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Ingolstadts Trainer Tomas Oral vor seinem Heimspieldebüt gegen Holstein Kiel. ©
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Woher kommt diese vermeintliche Arroganz, zumal sie nicht zum ersten Mal in Erscheinung tritt? Nach dem Darmstadt-Spiel (2:3) hatten die Analysen einen ganz ähnlichen Sound. Wohlgemuth sagte, dass man den Gegner anders erwartet hatte – und dann im Kopf offenbar nicht umschalten konnte. „Ingolstadt hätte vor dem Hintergrund der Tabellensituation eigentlich mit viel höherem Risiko spielen müssen“, sagte er. „Wir hätten dann mit einer gewissen Leichtigkeit aufspielen können. Aber offenbar hat die Mannschaft diese Leichtigkeit ein bisschen missverstanden, es zu leicht genommen.“

Immerhin wurde es besser, zumindest zeitweise. Die Störche kamen durch Atakan Karazor zum Ausgleich (53.). Dann aber wieder: Inkonsequenz. Schläfrigkeit. „Wenn wir unser Spiel durchziehen, dann sind wir die Besten. Wenn nicht, haben wir Probleme“, brachte Torschütze Karazor dieses Missverhältnis im Kieler Spiel auf den Punkt.

Die Probleme abstellen. Wieder die Besten sein. Schlicht: aufwachen. Darum geht es jetzt unter der Woche. Am Sonnabend kommt der SC Paderborn – bei nahezu unveränderter Konstellation. Drei Punkte auf Platz drei, zwei auf den viertplatzierten SCP. Karazor: „Da werden und müssen wir zeigen, dass wir da hoch wollen. Und dass wir es können.“

Stimmt ab! Tippt die noch ausstehenden Spiele der Störche!

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