02. April 2019 / 10:49 Uhr

Holstein Kiel: Suche nach Erklärungen für das Fehlerfestival bei der Köln-Pleite

Holstein Kiel: Suche nach Erklärungen für das Fehlerfestival bei der Köln-Pleite

Niklas Schomburg
Kieler Nachrichten
Mathias Honsak steht mit ausgebreiteten Armen auf dem Platz des Rhein-Energie-Stadions.
Mathias Honsak steht mit ausgebreiteten Armen auf dem Platz des Rhein-Energie-Stadions. © Guido Kirchner/dpa
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Ein bisschen ratlos waren die Zweitliga-Kicker von Holstein Kiel nach dem 0:4 beim 1. FC Köln. Nicht weil sie nicht wussten, wie diese Pleite zustande gekommen war. In der Bewertung der eigenen Leistung waren sich alle Störche einig, gegen die Kölner PS war auf Kieler Seite mit zu viel Sand im Getriebe nichts zu holen. Die Frage war vielmehr: Warum?

„Wir haben viel zu viele Fehler und zu wenig Druck auf einen Gegner gemacht, der dann seine große Qualität ausspielen konnte. Wir haben es nicht geschafft, ihre Fehler zu bestrafen, und sind stattdessen selbst bestraft worden“, fasste KSV-Innenverteidiger Hauke Wahl, mithin noch einer der besseren Kieler, die ganze Geschichte des Spiels zusammen. Und schob hinterher: „Wir müssen uns hinterfragen, warum wir das nicht geschafft haben.“ Noch drastischer formulierte es Torhüter Kenneth Kronholm. „Wir haben Geschenke verteilt“, sagte der 33-Jährige und schloss sich ausdrücklich darin ein.

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Zwei Fehler des Keepers ermöglichten dem FC die 2:0-Führung. Wobei „Fehler“ für Kronholms Verhalten beim 0:1 ein zu großes Wort ist. „Das sieht natürlich doof aus, wenn ich hochspringe und der Ball unter mir hindurchgeht“, sagte der KSV-Torwart über den Abschluss von Kölns Top-Torjäger Simon Terodde, der alles andere als unhaltbar erschien. „Aber er steht frei knapp zehn Meter vor mir. Er kann überall hinschießen.“ Anders seine Einschätzung des 0:2. „Den Pass darf ich nicht in die Mitte spielen, ich muss sehen, dass Jannik Dehm da Druck bekommt. Ich muss da über die Außen öffnen. Das war blöd“, sagte Kronholm.

Bilder von der Zweitliga-Partie zwischen dem 1. FC Köln und Holstein Kiel

Kölns Trainer Markus Anfang wenige Minuten vor dem Anpfiff der Partie gegen seinen Ex-Club Holstein Kiel. Zur Galerie
Kölns Trainer Markus Anfang wenige Minuten vor dem Anpfiff der Partie gegen seinen Ex-Club Holstein Kiel. ©

Klassisch verschaltet. Aber längst nicht der einzige krasse Kieler Fehler. „Ja, Kenny hat da Mist gebaut. Aber dafür hält er einen Elfmeter und rettet in der zweiten Halbzeit mehrmals, zwei Mal im Eins-gegen-Eins. Es gibt keine Schuldzuweisungen“, sagte Innenverteidiger Dominik Schmidt. Der Kapitän erwischte selbst einen gebrauchten Tag, sah gegen Kölns Sturmkante Jhon Cordoba kaum Land. „Wenn Köln zu seinem Umschaltspiel kommt, entwickeln sie eine enorme Wucht mit solchen Panzern vorn drin“, sagte Schmidt mit Blick auf Terodde und Cordoba. „Jeder Zweikampf gegen jemanden, der gefühlt zehn km/h schneller als du, körperlich stark und voller Selbstvertrauen ist, ist enorm schwer“, erklärte Schmidt und beschrieb seine Duelle mit dem Kolumbianer mit dem Vergleich „Trabi gegen Porsche“.

Zu allem Überfluss kam auch noch Pech dazu, als der 31-Jährige vor dem 0:3 den Kölner Schnittstellenpass mit seiner Grätsche direkt in Cordobas Füße spielte. Dass trotz guter Kieler Chancen am Ende kein Störchetreffer, sondern das 4:0 durch Anthony Modeste fiel – geschenkt. Wie so vieles an diesem Tag. „Es war vieles einfach viel zu schlecht“, fasste Kronholm zusammen. „Das Gegenpressing fehlte, wir waren defensiv zu weit weg, haben die 50/50-Zweikämpfe alle verloren, waren nicht schnell genug im Kopf.“ Das hatte auch Schmidt registriert. „Das, was uns die gesamte Saison ausgezeichnet hat, haben wir heute nicht auf den Platz gebracht: Mut, Präzision, Entschlossenheit“, erklärte der Abwehrchef. „Wir haben in allen Mannschaftsteilen in vielen Situationen die falsche Entscheidung getroffen und nicht das gezeigt, was wir uns vorgenommen hatten. Und jetzt müssen wir genau schauen, warum.“

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Knallhart in der Analyse zeigte sich auch Chefcoach Tim Walter. „Die Fehler haben uns das Genick gebrochen. Wir waren teilweise dilettantisch im Zweikampf, hatten eine schlechte Restfeldverteidigung, jeden zweiten Ball verloren“, sagte Walter. „Und uns hat auch die Überzeugung gefehlt.“

Genau das verhindert auch ein schlichtes „Mund abputzen, weitermachen“. „Es ist ein herber Schlag und tut richtig weh“, sagte Schmidt. „Das muss es auch.“ Und dennoch geht der Blick – beinahe ein bisschen trotzig – nach vorn. „Wenn du so viele Fehler machst, verlierst du halt Spiele. Egal ob vor 50000 in Köln oder sonst wo“, sagte Kronholm. „Aber das eine Spiel wirft uns jetzt auch nicht komplett um. Wir werden weitermachen, alles dafür tun, gegen St. Pauli drei Punkte zu holen, und alles dafür, weiter oben dranzubleiben.“ Das bekräftigte auch „Trabi“ Dominik Schmidt und stellte fest, dass bis zum Saisonende noch genügend Straße übrig sei. Sein Versprechen: „Die Mannschaft wird gegen St. Pauli ein anderes Gesicht zeigen.“


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