08. Dezember 2017 / 22:53 Uhr

Holstein Kiel: Torlos gegen eine gelbe Wand

Holstein Kiel: Torlos gegen eine gelbe Wand

Sven Hornung
Kieler Nachrichten
Die Kieler Alexander Mühling (2. von rechts) und Aaron Seydel (links) bedrängen das Braunschweiger Tor.
Die Kieler Alexander Mühling (2. von rechts) und Aaron Seydel (links) bedrängen das Braunschweiger Tor. © Agentur 54°
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Störche bleiben nach dem 0:0 bei Eintracht Braunschweig Spitze – Entscheidung über Herbstmeisterschaft am Montag

15 Anfangs- und 15 Schlussminuten präsentierte sich Holstein Kiel wie ein echter Spitzenreiter der Zweiten Fußball-Bundesliga. Doch trotz eines finalen Feuerwerkes mit Chancen im Minutentakt mussten sich die Störche am Freitagabend bei den Remis-Königen von Eintracht Braunschweig mit einem 0:0 begnügen. Die Entscheidung um die Herbstmeisterschaft ist somit bis Montag vertagt. Dann treffen Holsteins Verfolger Düsseldorf und Nürnberg aufeinander.

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Pünktlich zum Anpfiff hatte sich das bitterkalte „Sauwetter“ in Braunschweig zu erträglichen Dezember-Bedingungen gewandelt. Den rund 1500 Kieler Schlachtenbummlern unter den 21075 Zuschauern war der äußere Rahmen ohnehin egal. Sie sangen und hüpften sich einfach warm. Eine Inspiration, die die Brust der Störche in der Anfangsphase zusätzlich stärkte.

Die fast ängstlich wirkenden Gastgeber zogen sich im eigenen Stadion in einem 4-3-2-1-Defensivverbund tief in die eigene Hälfte zurück, griffen die Nordlichter frühestens in Höhe der Mittellinie an. 67 Prozent Ballbesitz pro Holstein zählte die Statistik in der 30. Minute. Allein an der gegnerischen Box fehlte den ganz in Rot gekleideten Störchen der Esprit. Zu kompliziert agierte die Torfabrik von der Ostsee auf dem tiefen und rutschigen Rasen. Untaugliche Eckball-Varianten ergänzten die Liste der Unzulänglichkeiten. Einzig Marvin Ducksch (5.) hatte frei vor Eintracht-Keeper Jasmin Fejzic eine echte Einschussmöglichkeit.

Den sporadischen Offensivattacken der Niedersachsen entsprangen immerhin zwei Chancen. Hendrick Zuck (23.) verfehlte das KSV-Gehäuse per Kopfball, Quirin Molls Versuch aus zehn Metern blockte Patrick Herrmann (29.).

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Bilder zur Partie zwischen Eintracht Braunschweig und Holstein Kiel:

Eintracht-Stürmer Suleiman Abdullahi setzt sich gegen Kiels Dominik Schmidt durch. Zur Galerie
Eintracht-Stürmer Suleiman Abdullahi setzt sich gegen Kiels Dominik Schmidt durch. ©

Nach dem Seitenwechsel schlichen sich urplötzlich Flüchtigkeitsfehler in das Kieler Spiel. Onel Hernandez (49.) fand mit einem Schlenzer ebenso in Holstein-Torwart Kenneth Kronholm seinen Meister wie 60 Sekunden später der wuchtige Suleiman Abdullahi nach einem Schnitzer von Dominik Schmidt.

Holstein Kiel in Braunschweig

Immer grobkörniger wurde der Sand im ansonsten so gefürchteten Kombinationsgetriebe der Kieler. Es wirkte, als mangele es dem bislang so imposant durch die Liga gestürmten Aufsteiger beim Hinrunden-Finale an körperlicher und geistiger Frische. Und als den Störchen nach einem schnellen Gegenangriff doch einmal ein Trick aus der Zauberkiste gelang, versiebte erneut Ducksch (69.) nach großartiger Vorarbeit des bis dahin blassen Dominick Drexler den „Riesen“ zur KSV-Führung.

180 Sekunden später war der Arbeitstag für den weit von seiner Bestform entfernten Ducksch dann auch beendet. Und der eingewechselte Aaron Seydel hauchte seiner Mannschaft die zweite Luft ein. Kingsley Schindler (76.), David Kinsombi (77.), Steven Lewerenz (81.) und Alexander Mühling (83.) hatten den „lucky punch“ auf dem Kopf oder Fuß. Als Kapitän Rafael Czichos in der Nachspielzeit endlich die Kugel ins Netz befördert hatte, ahndete Schiedsrichter Benedikt Kempkes die Aktion zu Recht als Foul gegen Fejzic.

So bewerteten Spieler und Trainer die Partie zwischen Kiel und Braunschweig.

Von überzogenem Frust in Kieler Reihen war nach dem Abpfiff nichts zu spüren. „Wir waren die klar bessere Mannschaft. Jeder hat gesehen, wie die Braunschweiger gemauert haben. Dabei haben die letztes Jahr noch um den Bundesliga-Aufstieg gespielt. Diesen Respekt haben wir uns erarbeitet“, sagte Flügelspieler Steven Lewerenz. „Ich glaube, die Braunschweiger sind zufriedener mit dem Punkt als wir“, ergänzte Verteidiger Johannes van den Bergh.

Die Einzelkritik der Holstein-Spieler gegen Eintracht Braunschweig.

KSV-Cheftrainer Markus Anfang sprach von einer „gelben Wand, gegen die wir anlaufen mussten. Dass die Eintracht so defensiv gespielt hat, ist auch eine Art Auszeichnung für uns. Wichtig war, dass wir die gefährlichen Braunschweiger Konter unterbunden haben. Heute haben wir uns nicht mit einem Dreier belohnt, aber die Mannschaft hat insgesamt eine tolle Hinrunde abgeliefert“.

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