22. Mai 2019 / 11:49 Uhr

Holstein Kiel: Umbruch - Aufbruch - Schiffbruch? Wie geht es weiter?

Holstein Kiel: Umbruch - Aufbruch - Schiffbruch? Wie geht es weiter?

Marco Nehmer
Kieler Nachrichten
Die „Klasse von 2017“: Noah Awuku (in Farbe, v.l.n.r.), Arne Sicker, Alexander Mühling, Tim Siedschlag und Dominik Schmidt sind die Letzten ihrer Art. Siedschlag ist im Foto schraffiert, weil er nur noch bei der U23 zum Einsatz kommt. Alle anderen haben die Störche mittlerweile verlassen.
Die „Klasse von 2017“: Noah Awuku (in Farbe, v.l.n.r.), Arne Sicker, Alexander Mühling, Tim Siedschlag und Dominik Schmidt sind die Letzten ihrer Art. Siedschlag ist im Foto schraffiert, weil er nur noch bei der U23 zum Einsatz kommt. Alle anderen haben die Störche mittlerweile verlassen. © Paesler
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Die Störche müssen den nächsten Total-Wandel verkraften – Dominik Schmidt vermisst Führungsfiguren

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Umbruch und kein Ende? Fußball-Zweitligist Holstein Kiel steht spätestens seit dem nun vollzogenen Abgang von Trainer Tim Walter nach Stuttgart vor dem totalen Neuaufbau. Wieder einmal. Die Mannschaft von 2018/19? In der kommenden Saison in weiten Teilen nicht mehr existent. Die Erfolgs-Elf von 2017/18? Nach doppeltem Umbruch nahezu komplett verblasst. Alexander Mühling ist noch da. Johannes van den Bergh. Und natürlich Dominik Schmidt, der Dienstälteste. Der Letzte seiner Art – und der größte Mahner, was die ungewisse Zukunft betrifft.„Es kann kein Zustand sein, der sich jedes Jahr in der Form wiederholt, weil du so niemals eine eingespielte Truppe zusammenhaben wirst. So wirst du niemals ein Gebilde haben“, sagte Schmidt nach dem finalen Saisonspiel in Bielefeld. Dem letzten Auftritt vor dem Umbruch 2.0. Atakan Karazor geht, Kavid Kinsombi, Kingsley Schindler, die Leihspieler, Kenneth Kronholm ist schon weg – dazu die im Winter gewechselten Dominic Peitz, Steven Lewerenz und Patrick Herrmann.Sechs Monate vorher hatten Stützen wie Rafael Czichos, Dominick Drexler oder Marvin Ducksch den Verein verlassen, Trainer Markus Anfang, Sportdirektor Ralf Becker – die Liste ließe sich noch ausufernd fortschreiben. Es war der Umbruch 1.0, der nahtlos in den nächsten führte.

„Selbst die, die noch hierbleiben, sind noch nicht länger als ein Jahr Teil dieses Vereins. Was verbindet diese Spieler mit dem Klub?“

Umbruch ist bei Holstein Kiel im Moment der Dauerzustand. Wie gelingt der Ausbruch aus dem Umbruch? Es sind Fragen, die Schmidt beschäftigen. Existenzielle Fragen für einen Verein wie die KSV. „Es ist ein Gerüst da, aber dieses Gerüst ist sehr wackelig“, sagte Schmidt zum verbleibenden Korsett der Mannschaft. Aber, so der 32 Jahre alte Routinier: „Selbst die, die noch hierbleiben, sind noch nicht länger als ein Jahr Teil dieses Vereins. Was verbindet diese Spieler mit dem Klub?“ Führungsspieler, dieses Attribut muss man sich über Jahre erarbeiten. Seien es nur zwei wie bei van den Bergh, drei wie bei Mühling. Oder vier wie bei Schmidt. „Es gibt genau zweieinhalb Führungspersonen“, erklärte Schmidt mit ernstem Ton und dem Hinweis, dass Alexander Mühling eher weniger zur Fraktion der Lautsprecher gehöre. „Trotzdem wird es jetzt unsere Aufgabe sein, aus einem zusammengewürfelten Haufen wieder eine Truppe zu formen. Und das ist mühselig. “Es ist wie bei Sisyphos, der wieder und wieder den Stein den Berg hinaufwälzt. Um ihn dann ins Tal rollen lassen zu müssen. Wie kann also aus Umbruch Aufbruch werden? Und aus Aufbruch Durchbruch – und zwar über die Dauer einer Saison hinaus?

Allein die Einnahmen aus den Verkäufen von Kinsombi, Karazor und Walter dürften bei etwa sechs Millionen Euro liegen.

Loyalität, Identifikation – das sind romantische Fußballbegriffe. Aber dieser Sport ist ein Geschäft. Das weiß auch Dominik Schmidt: „Wo im Fußball gibt es noch großartig Identifikation? Die Leute gehen dahin, wo am meisten Geld geboten wird.“Eine kalte Analyse. Aber eine zutreffende. Die er mit einem teilt, auf den es jetzt ankommt: Fabian Wohlgemuth. „Reisende kann man im seltensten Fall zum eigenen Vorteil aufhalten“, sagt der Sportdirektor der KSV. Auch in Kiel ist die harte Währung: Geld. Und davon hat der Klub jetzt eine ganze Menge. Allein die Einnahmen aus den Verkäufen von Kinsombi, Karazor und Walter dürften bei etwa sechs Millionen Euro liegen. Frisches Geld für den Neuaufbau. Aber keine Garantie, dass nicht auch Umbruch 3.0 irgendwann folgt. Die gibt es nur, wenn Geld und schlaue Kader-Entscheidungen eine Verbindung eingehen, die tasächlich zum Best-Case-Szenario führt: dem Aufstieg – und dem Verbleib in der Ersten Liga. „Wir werden innerhalb des Fußball-Leistungssystems solange mit tiefgehenden Umbrüchen umzugehen haben, wie wir nicht im Oberhaus angekommen sind, und uns dort sportlich und wirtschaftlich etabliert haben“, sagt Wohlgemuth.

„Ich hoffe, dass die handelnden Personen wissen, was sie da tun“, sagte Dominik Schmidt.

Das mag – noch – unrealistisch erscheinen. Aber es scheint der einzige Weg zu sein.Vor dem Vermeiden des dritten oder vierten Umbruchs steht nun erst einmal die Bewältigung des zweiten. Anspruchsvoll genug, keine Frage. So sehr, dass auch der schlechteste aller Fälle immer mitgedacht werden muss. „Wenn die Neuzugänge mal nicht einschlagen, kann es in die andere Richtung kippen“, warnte Schmidt. Und sagte eindringlich: „Ich habe keinen Bock, am Ende meiner Karriere in der Vita den Abstieg stehen zu haben. Das will ich nicht erleben.“ Wenn aus Umbruch Schiffbruch wird. Umbruch also. Wieder einmal. Chance und Risiko – alles auf Null. „Ich hoffe, dass die handelnden Personen wissen, was sie da tun“, sagte Schmidt. Er jedenfalls wird da sein, wenn alles wieder von vorne beginnt. Und vorweggehen. Er kann und will nicht anders: „Es geht darum, wieder in den Krieg zu ziehen und wieder die Liga zu halten. Nur das muss unser Ziel sein.“ Los geht’s, wieder einmal. Ab in den Aufbruch.

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