18. Juni 2019 / 20:17 Uhr

Holstein Kiels Coach André Schubert: „Wollen unsere Fans begeistern“

Holstein Kiels Coach André Schubert: „Wollen unsere Fans begeistern“

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
André Schubert möchte die Holstein-Fans mit seiner Spielweise begeistern.
André Schubert möchte die Holstein-Fans mit seiner Spielweise begeistern. © Thomas Eisenhuth/dpa
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"Ganz ehrlich: Mir ist es nicht so wichtig, in welcher Liga ich arbeite. Für mich ist es ein Privileg, im Fußball arbeiten zu dürfen".

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Am Dienstag Vormittag setzte sich André Schubert vor seiner Wohnung in Kassel ins Auto. Der Fußball-Trainer machte sich auf nach Kiel, wo Schubert am Mittwochmittag in Projensdorf als neuer Holstein-Trainer vorgestellt wird. Vorab sprach Schubert im Interview über seine Ziele mit Holstein, seine Spielphilosophie und den Spaß, auch Mannschaften aus unteren Ligen zu trainieren.

Herr Schubert, Ihr neuer Verein hat sich bei der Trainersuche viel Zeit gelassen. Am Ende ging mit Ihnen alles ganz schnell. Hatten Sie überhaupt schon Zeit, sich mit Ihrer neuen Heimat zu beschäftigen?

André Schubert: Leider noch nicht. Ich war noch nicht über längere Zeit in Kiel, kenne aber einige Kieler, die mir von der Stadt vorgeschwärmt und Tipps gegeben haben, wo man gut leben kann. Mir selbst ein Bild zu machen, muss allerdings noch ein wenig warten. Aktuell gibt es viele organisatorische und vorbereitende Themen, die es in den nächsten Tagen zu erledigen gibt. Zum Beispiel möchte ich schnellstmöglich alle Personen im Holstein-Umfeld kennenlernen. Außerdem gilt es, die Mannschaft kennenzulernen und die Kaderplanung mit zu finalisieren.

Kommen Sie alleine nach Kiel?

Ich bin nicht verheiratet und habe keine Kinder, falls Sie das meinen. Ansonsten achte ich sehr darauf, Berufliches und Privatleben zu trennen.

Wie haben Sie Holstein Kiel in den letzten Jahren aus der Ferne wahrgenommen?

Ich bin beeindruckt, wie sich der Verein nach dem Aufstieg in der Zweiten Liga etabliert hat. Mir hat die Art und Weise, wie hier offensiv Fußball gespielt wird, gut gefallen. Die Strukturen im und um den Verein herum sind sehr gesund. Außerdem waren bisher alle Gespräche mit den Verantwortlichen sehr angenehm. Hier herrscht eine sehr realistische Einschätzung der Dinge.

Die da wäre?

Hier denkt niemand, dass es automatisch immer weiter nach oben geht. Es wird in der kommenden Saison darum gehen, die Mannschaft nach den Abgängen einiger Leistungsträger zu stabilisieren, ein gutes Händchen bei den Neuzugängen zu haben und aus den Spielern eine neue Gemeinschaft und Einheit zu formen. Wir wollen wieder eine gute Rolle spielen in der Zweiten Liga, auch wenn diese vielleicht so stark ist wie lange nicht mehr.

Heißt das, dass ein Aufstieg in der kommenden Saison kein Thema sein wird?

Wir sind ambitioniert, aber mit Nürnberg, Stuttgart, Hannover und dem HSV gibt es alleine vier Top-Mannschaften, die das Ziel Aufstieg bereits ausgegeben haben und über ganz andere Mittel verfügen. Natürlich wollen wir erfolgreich sein, aber den Status einer Top-5-Mannschaft müssen wir uns erst mal erarbeiten. Unser Ziel ist es, dass der Verein gesund ist und attraktiven und erfolgreichen Fußball spielt. Fußball ist letzten Endes für die Fans da. Wir wollen die Fans begeistern, eine Nähe zu ihnen aufbauen, wie es sich meiner Meinung nach in einem familiären Umfeld wie bei Holstein Kiel gehört.

Wie sieht der attraktive und erfolgreiche Fußball nach Ihren Vorstellungen aus?

Ich bin sehr offensiv orientiert, lege Wert auf ein aggressives Pressing und schnelles Umschaltspiel, darüber hinaus wollen wir möglichst viel den Ball haben. Insofern möchte ich die offensive und attraktive Spielweise, die Holstein Kiel in den letzten Jahren ausgezeichnet hat, fortführen und dabei den nächsten Schritt machen: Wir wollen defensiv gut stehen, abgeklärter und noch effektiver werden.

Sie haben mit Borussia Mönchengladbach in der Champions League gegen den FC Barcelona, Juventus Turin und Manchester City gespielt. Was reizt Sie am Trainerjob in einer unteren Liga?

Ganz ehrlich: Mir ist es nicht so wichtig, in welcher Liga ich arbeite. Für mich ist es ein Privileg, im Fußball arbeiten zu dürfen. Ich möchte einfach Spaß an meiner Arbeit haben, und das ist völlig unabhängig von der Ligazugehörigkeit. 2015 zum Beispiel bin ich bewusst nach meiner Zeit bei St. Pauli zum DFB gegangen, um die U15-Nationalmannschaft zu betreuen. Und auch bei Eintracht Braunschweig habe ich wahnsinnig gerne gearbeitet.

Nun bleiben noch fünfeinhalb Wochen bis zum Saisonstart mit Holstein. Auf welchen Positionen werden Sie die Mannschaft noch verstärken?

Da sind wir in Gesprächen, aber das bleibt intern. Erst mal bin ich froh, jetzt mit einem erfahrenen Fußballfachmann wie Fabian Wohlgemuth zusammen zu arbeiten. Die Stelle des Sportdirektors war in Braunschweig lange verwaist, und ich habe die gesamte Kaderplanung seit dem Herbst mit übernehmen müssen. Bei Holstein ist man gut aufgestellt, einige Verpflichtungen sind schon getätigt. Und natürlich bezieht mich Fabian Wohlgemuth ab sofort mit ein.

Ihr ehemaliger Co-Trainer Christian Flüthmann wurde Ihr Nachfolger in Braunschweig. Holen Sie noch einen Trainer-Assistenten nach Kiel?

Ja, so zeitnah wie möglich wird noch ein Co-Trainer verpflichtet. Christian wollte aus familiären Gründen bei der Eintracht bleiben, nur deshalb konnte ich ihn damals aus England loseisen. Ich habe zwei bis drei Favoriten, die ich im Auge habe. Eine endgültige Entscheidung ist aber noch nicht gefallen.

Werden Sie Ihren Vorgänger bei Holstein Kiel, Tim Walter, kontaktieren, um zwecks Übergabe ein paar Informationen einzuholen?

Von einer Übergabe in diesem Sinne halte ich nicht so viel. Mir ist es sehr wichtig, mein neues Arbeitsumfeld unvoreingenommen kennenzulernen. Ich möchte mir gerne ein eigenes Bild machen. Wenn ich das getan habe, kann es aber sein, dass ich bei speziellen Fragen auch noch mal bei Tim Walter anrufe.

Haben Sie außer Fußball noch eine weitere Lieblingssportart?

Ich spiele sehr gerne Tennis, seit zwei Jahren sogar wieder regelmäßig zwei bis drei Mal pro Woche, wenn es geht. Das möchte ich natürlich so schnell wie möglich auch in Kiel tun. Aber erst mal gibt es wichtigeres. Und einen Spielpartner muss ich ja auch erst mal finden. Und ich werde sehr gerne mal den THW anschauen. Ich mag den zweikampfbetonten Handball und finde ihn auch aus taktischen Gründen sehr interessant.

Von Alexander Hahn

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